Mit links und unbekümmert
26.09.2008 | 13:16 Uhr 2008-09-26T13:16:00+0200Es ist der dritte Spieltag in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen. Der Zweite PSV Recklinghausen erwartet den Ersten SV Garßen-Celle. Ist das schon ein Spitzenspiel, das Spitzenspiel des Spieltages?
Recklinghausen. Kai Harbach, der Recklinghäuser Trainer, hat da eine klare Meinung. „Die Tabelle lügt nie. Auch nicht zu diesem Zeitpunkt.”
Zumindest für Celle gilt, dass es auch am Saisonende der Platz ganz vorne, auf jeden Fall aber einer sein soll, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt. Harbach: „Die sind die einzige Mannschaft, die ganz klar gesagt hat, dass sie aufsteigen will. Die sind der Favorit der Liga.” In der vergangenen Saison war Celle Zweiter hinter Borussia Dortmund, scheiterte allerdings bereits in der ersten Playoff-Runde in zwei Spielen am SC Markranstädt. Gegen Recklinghausen gab es im Rückspiel ein erträgliches 29:24. Das Hinspiel in Recklinghausen aber ist dagegen wesentlich mehr in den Köpfen der PSV-Frauen haften geblieben. Mit 37:20 setzte sich Celle durch, fidelte den an diesem Tag überforderten Gegner aus der Halle.
Diesmal soll es anders, soll es deutlich knapper werden. „Wir sind nicht chancenlos”, sagt Kai Harbach mit Blick auf die beiden Auftaktsiege und der Tatsache, dass es in Stemmer nach einem Stau auf der Autobahn und einem Sieben-Tore-Rückstand noch mit den zwei Punkten klappte. Er hat zudem am Dienstag beim Training in die Runde gefragt und auch von seiner Mannschaft ähnliche Töne gehört. „So eine Niederlage wie in der Hinrunde der Vorsaison werden wir nicht erleben.” Und Torfrau Kirsten Lübbert ergänzt: „Wenn wir unsere Leistung abrufen und in der Deckung gut stehen, dann muss auch das Team aus Celle erst einmal dagegenhalten.”
Zumal bei den Recklinghäuserinnen derzeit viel klappt. „Längst nicht alles”, wie Harbach betont. Aber in seinem Team sorgte an den beiden Spieltagen jeweils eine andere Spielerin für die Ausrufezeichen. Daniela Hannemann, aus Lintfort gekommen, hat bereits eine Führungsrolle übernommen. Dazu glänzte im ersten Spiel Sandra Wellsow, im zweiten sorgte Juliane Faeseke für die späten, die wichtigen Tore. Für Harbach kam das weniger überraschend als für die Menschen, die sein Team und die Liga nicht so gut kennen. Sein Kommentar zu Faeseke, die den Sprung aus der Oberliga in die 2. Bundesliga wagte: „Im Training zeigt sie regelmäßig, was sie drauf hat. Ihr Vorteil ist, dass sie unbekümmert ins Spiel geht.” So wie in Stemmer. Der erste Wurf rauschte an die Latte, die nächsten waren drin und am Ende hatte Recklinghausen gewonnen. Harbach: „Wir müssen ihr eben noch ein paar mal häufiger sagen, dass sie es kann.”
Etwas merkwürdig findet das der Trainer. Schließlich ist Faeseke Linkshänderin, „und die sind doch”, so Harbach, „von Natur aus auf Schuss eingestellt.” Das jedoch ist eine Meinung, die Faeseke häufiger gehört hat. „Ja, ja, durchgedrehte Linkshänderin. Das höre ich oft. Und auch, dass ich eine eher untypische Linkshänderin sei.” Schon beim ETSV Witten, für den sie zuletzt spielte, mahnte sie Trainer Frank Mazur, noch häufiger zu werfen, und das, obwohl sie bereits zu den besten Werferinnen des Teams gehörte. Faeseke aber kennt ihre Probleme. „Ich mache mir halt gerne Gedanken. Das darf man aber auf dem Platz nicht so oft.” Der Sprung in die zweithöchste Spielklasse aber hatte den besonderen Denkprozess angeregt. „Das ist schon ein Sprung. In der 2. Bundesliga ist das Tempo doch wesentlich höher. Das kommt mir und meiner Spielweise aber eher entgegen.”
Wichtig ist ihr zudem die gute Stimmung im Team und die Tatsache, dass sie gut aufgenommen worden ist. „Das passte von Anfang an. Ich bin ganz angetan von den Mädels. Ich kannte ja nur Kirsten Lübbert vom Beachhandball. Sie hat den Wechsel klar gemacht.” Große Überzeugungsarbeit musste Lübbert nicht leisten, eher Faeseke nur eine Tür etwas öffnen, durch die sie ohnehin schon vorhatte zu gehen. „Da kam eins zum anderen”, so Faeseke. „Zum einen habe ich mich in Witten nicht mehr so wohlgefühlt. Zum anderen habe ich mir gesagt: Ich bin jetzt 25. Wenn ich nicht jetzt den Sprung in die 2. Bundesliga wage, wann dann.”

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