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Lieb und teuer

11.02.2010 | 20:26 Uhr

Sport ist teuer. Sport ist uns lieb und teuer. Aber Sport ist auch diskutabel; zumindest dann wenn es um seine Finanzierung geht.

Recklinghausen. Das sind die Eckpfeiler der Erkenntnisse aus der jüngsten Sitzung des Sportausschusses in Recklinghausen. An der Zustimmung eines Zuschusses in Höhe von 30 000 Euro für den Bau einer Schießsportanlage der BSG Röllinghausen entzündete sich eine hitzige Debatte. Der Zweck grundsätzlich (Förderung des Schießsports), die Nähe der Anlage zur einer Sporthalle und Schule sowie der Umstand, das der Verein von übrig gebliebenen Haushaltsmitteln aus 2009 profitieren soll, von denen andere Antragssteller nichts gewusst haben, wurde kontrovers diskutiert. Am Ende wurde der Zuschuss mit CDU-Mehrheit beschlossen, der Stadtrat wird letztlich endgültig darüber befinden.

Kunstrasenplatz
Bedarfsanalyse und Prioritätenliste

Trotz angespannter Kassenlage will Recklinghausen den Neubau oder die Umwandlung von Sportanlagen etwa von Tennen- in Kunstrasenspielfelder sicherstellen.

Vorgeschlagen hat die Verwaltung, von 2011 an von der jährlich vom Land zur Verfügung gestellten Sportpauschale jeweils 227 000 Euro zweckzubinden, alle zwei Jahre soll dafür ein Kunstrasenplatz errichtet werden. Zurückgestellt wurde im Sportausschuss der Antrag des FC Leusberg auf den Bau eines Kunstrasenplatzes. Bis zum 16. September wurde die Verwaltung damit beauftragt, in Sachen Sportplatzbau und -nutzung eine Bedarfsanlyse inklusive einer Prioritätenliste zu erstellen. In diesem Jahr wird die Sportpauschale in Höhe von 325 106 Euro komplett in den Bau der 3,3 Millionen teuren Großsportanlage Maybacher Heide gesteckt.

Einhelliger ging es bei anderen Themen zu, die ebenfalls mit Finanzen zu tun hatten. Wohlwollend akzeptiert wurden drei Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von etwa 800 000 Euro, die energetische Verbesserungen an Sporthallen vorsehen. Die Mittel stammen dabei aus dem Konjunkturpaket II.

Beschlossen wurde auch die Neumarkierung in der Vestischen Arena Alfons Schütt und in der Kuniberghalle, die durch eine von Basketball-Weltverband FIBA vorgenommene Regeländerung nötig wird. So wird zum Beispiel die Drei-Punkte-Linie im Basketball künftig nicht wie bisher 6,25 m vom Korb entfernt sein, sondern 6,75 m. Nach Rücksprache mit Ministerien und Verbänden bleibt die Erkenntnis, dass Kommunen als Eigentümerinnen von Sportanlagen sich immer wieder der Situation ausgesetzt sehen, Kosten übernehmen zu müssen, die durch Regeländerungen entstehen.

Kosten verursachen könnten auch der Aufstieg der Recklinghausen Chargers in die 2. Football-Bundesliga oder ein möglicher Sprung des FC 96 Recklinghausen in die Fußball-NRW-Liga. Beides zöge Maßnahmen nach sich, die in der Spielstätte Hohenhorst-Stadion Umbauten in Höhe mehrerer hunderttausend Euro verursachen könnten. Grund dafür sind die vom Westdeutschen Fußball Verband (WFLV) vorgegebenen technisch-organisatrischen Anforderungen, an denen sich der American Football Verband Deutschland (AFVD) ebenfalls orientiert.

Vorerst vom Tisch sind kurzfristige Ausgaben in Höhe von 12 000 Euro für die Anschaffung neuer Football-Tore, einer digitalen Spielstands- und Spielzeitanlage sowie einer Mikrofonanlage für den Hauptschiedsrichter. Die Chargers haben die Zweitliga-Lizenz auch so erhalten. Sollten sie dauerhaft zweitklassig bleiben oder gar noch einmal aufsteigen, ließen sich diese und weitere Anschaffungen aber wohl kaum vermeiden.

Zur Kenntnis genommen haben die Ausschussmitglieder den Etatentwurf. Die Eckdaten: Mit Eträgen von 5,3 Millionen Euro sorgt der Fachbereich 40 Schule und Sport für zwei Prozent der städtischen Gesamterträge (261 Millionen Euro), benötigt mit 18,5 Millionen Euro aber sechs Prozent der Gesamtaufwendungen (331 Millionen Euro). Der Zuschussbedarf von Schule und Sport beläuft sich auf 13,3 Millionen Euro (18,99 Prozent des gesamten Bedarfs), Schule (6,554) und Sport (6,735) teilen sich ihn nahezu gleich. Zuschüsse im Sportbereich werden vor allem durch den Bäderbetrieb (2,25 Millionen) und die Sportstätten (4,03) fällig.

Andreas Rorowski

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