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Leif is Leif

02.07.2010 | 16:25 Uhr
Leif is Leif

Recklinghausen.Rosenheim — Recklinghausen. Die paar hundert Kilometer zwischen seinem bayrischen Wohnort und dem nächsten Rennen sind für Leif Lampater nur ein Katzensprung.

Der Sieger des 1. Wallring-Rennens will am Sonntag seinen Vorjahreserfolg wiederholen. Am Donnerstag ist er noch einen Rennen in Österreich gefahren, am Dienstag fährt er weiter zu den Deutschen Bahnrad-Meisterschaften nach Cottbus. Mobilität ist für einen Sportler wie ihn die oberste Maxime.

Wer nicht den bekannten Teams angehört und nicht die ganz großen Rennen fährt, der muss sehen wo er bleibt. Auf der Strecke. Und überhaupt. Denn anders als die Teamfahrer müssen Radsportler vom Schlage eines Leif Lampater nicht nur trainieren und Rennen fahren. Sie müssen auch ihr eigenes Ein-Mann-Unternehmen managen. Telefonieren, akquirieren, touren, tingeln, die Werbetrommel rühren und natürlich fahren. So erfolgreich und so spektakulär wie möglich.

Leif Lampater versteht sich gut darauf. Der 27-jährige gebürtige Waiblinger fährt beherzt, hat im Renninterview immer die richtige Antwort parat und besticht mit seinem gewinnenden Wesen. Auf der ganzen Welt. Vor zwei Wochen erst wurde er Zweiter beim 37. Skyscraper Harlem Cycling Classic in New York. In diesem Jahr trat er auch schon in Trinidad & Tobago, Australien und in Indien in die Pedalen. Ein Paradiesvogel auf schmalen Rädern.

„Wenn man jung ist, muss man so eine Chance einfach nutzen. Auch wenn es ziemlich schlaucht, macht es riesigen Spaß, andere Leute kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen.“ Lampater ist begeistert über den Verlauf der ersten Jahreshälfte, auch wenn sie aus sportlicher Sicht nicht ganz optimal war. „Trindid und Tobago hat mich meine Form gekostet“, sagt er. Aber er musste einfach das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und hat nach dem Rennprogramm noch gemeinsam mit seiner Freundin den Jahresurlaub drangehängt. Als er zurück war, waren viele Konkurrenten zwar schon weiter. Aber allmählich hat sich der Recklinghausen-Sieger des Vorjahres seine Form neu aufgebaut.

Für Sonntag ist er jedenfalls optimistisch. Zumal er sich in den Wall verliebt hat. „Das hat sich zu meinem Lieblingsrennen entwickelt. Die Strecke ist genau das richtige für mich. Auf der breiten Straße kann man Tempo machen, die Stimmung der Zuschauer war riesig.“ Er selbst hatte sich über den nahezu perfekten Rennverlauf vor zwölf Monaten gewundert. „Ich hatte richtig Zug auf der Kette.“ Und das wünscht er sich auch für die zweite Auflage am Sonntag. Um 17 Uhr wird das Hauptrennen gestartet.

Dass Lamparter in den vergangenen Monaten durch die Welt fuhr, kommt nicht von ungefähr. „Fahrer wie Leif sind im Ausland sehr begehrt“, weiß Michael Zurhausen, der Organisator des Wallring-Rennens. „Als Sechs-Tage-Rennen-Fahrer haben sie schon im Frühjahr eine gute Form.“ Ergo werden sie für kleinere Kriterien und Rundstreckenrennen gebucht. So wie in Recklinghausen. Aber auch in Gelsenkirchen und Oberhausen ist Lampater in diesem Jahr schon gefahren. Und bei den Six Days in Wanne-Eickel dürfte er im September auch dabei sein. In der Vorsaison saß er bei zehn der zwölf Sechs-Tage-Rennen, die es nur noch gibt, im Rennsattel.

„Er ist natürlich einer der Favoriten am Sonntag“, sagt Michael Zurhausen. Der aber auch Sven Krauß, ein Mann mit Tour-de-France-Erfahrung und in bestechender Form, große Chancen einräumt. „Gespannt bin ich auch auf Björn Thurau, der zum ersten Mal in NRW fährt.“ Der 23-jährige Sohn der früheren Radsport-Ikone Didi Thurau hat als einer der letzten Fahrer seine Zusage gegeben.

Leicht wird es nach Einschätzung des Strecken-Chefs nicht für die 86 Fahrer aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. „Recklinghausen ist kein leichtes Rennen, da machen sich die Leute manchmal falsche Vorstellungen.“ Vor allem das hohe Tempo verlange den Fahrern in den 40 Runden á 1,8 Kilometer vieles ab. 72 Kilometer, die richtig in die Beine gehen. Wobei ein Leif Lampater es auch ein paar Kilometer weiter bringt. Bei den Deutschen Meisterschaften vor einer Woche in Sangerhausen kam der Bayer nach 200 Kilometern gemeinsam mit Spitzenfahrern wie Jens Voigt ins Ziel. Das hat selbst einen Kenner wie Michael Zurhausen überrascht. Leif is Leif.

Andreas Rorowski

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Kommentare
03.07.2010
18:31
Leif is Leif
von Robert L. | #1

Toller und sehr interessanter Bericht. Sympatisch und Offen. Endlich ist es mal einem Journalisten gelungen nicht immer nur das Thema Doping, sondern auch mal die Eindrücke und Erlebnisse eines Fahrers in den Vordergrund zu stellen. Man muss nicht immer die TdF fahren, um als Radsportler erfolgreich zu sein. Ich freue mich auf Recklinghausen und die Mega Stimmung morgen.

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