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Laufen lassen

23.04.2010 | 17:36 Uhr
Laufen lassen

Recklinghausen.Immer diese Radfahrer. Ein Klassiker deutscher Filmunterhaltung der Prä-Comedy-Ära, und ein Titel, mit dem jemand wie Bernd Gröne früher scherzhaft gescholten wurde. Aber der ehemalige Radprofi hat längst umgesattelt. „Immer diese Fußgänger“ wäre heute passender. Oder besser noch: „Immer diese Läufer“.

Massen zu mobilisieren, Läufermassen, ist mittlerweile das Metier des 47-jährigen Recklinghäusers. Der war früher Strecken-Chef des Karstadt-Marathons und ist heute der organisatorische Kopf des Runners-Point-Staffellaufs in und um die Veltins-Arena auf Schalke. 6000 Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Mamas, Papas, Arbeitskollegen, Kumpel, Sportfreunde, Verwandte und Bekannte nahmen an der Premierenveranstaltung 2009 anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Sportartikelhandel-Unternehmens Runners Point mit Sitz in Recklinghausen teil. Fünf Läufer bilden ein Team, jeder absolviert fünf Kilometer.„Es geht nicht um Spitzenleistung“, erklärt Gröne. „Wir wollen ein Ereignis schaffen, bei dem Freunde, Familien, Arbeitskollegen ein gemeinsames Erlebnis haben und den Teamgedanken leben.“ Das Motto: Fünf Freunde sollte ihr sein.

Lifestyle, Gesundheit, Sport, Fun. Das sind die Schlagworte, die mit einer solchen Veranstaltung verbunden sind. „Staffel-Veranstaltungen boomen“, sagt Kommunikationsexperte Tilman Falt, der mit die Werbetrommel rührt. Laufen in lockeren Gemeinschaften auch. 16 000 Lauftreffs gebe es in der gesamten Republik. Für den früheren Leistungssportler Bernd Gröne, der aus dem organisierten Sport kommt, ist sein Wechsel ins „andere Lager“ ebenso kein Problem wie verbale Seitenhiebe aus der Ecke des traditionellen Sports. „Wir bringen Leute zusammen, die keine Lust auf den klassischen Vereinssport haben. Der Lauf ist ideal für die WEB-2.0-Generation. Und vielleicht gelingt es uns ja den einen oder andere zum Sport zu bringen, der bislang gar nichts zu tun hatte.“

Die Premiere im Vorjahr verlief aus seiner Sicht vielversprechend. Diesmal sollen es am 20. Juni ein paar mehr als die 6000 Teilnehmer von 2009 sein. Die Anmeldezahlen seien vielversprechend. Und irgendwann einmal machen vielleicht auch 15 000 oder mehr mit, wie bei der Mutter aller deutschen Staffelläufe, der Berliner Wasserbetriebe-Teamstaffel im Tiergarten, oder bei einem ähnlich großen Event in Hamburg.

„Es wäre schön, wenn unsere Veranstaltung Kultcharakter bekäme“, sagt Bernd Gröne. Sein Chef Otto Hurler sei selbst begeisterter Läufer und sei offen gewesen für die Idee, eine besondere Laufveranstaltung zu entwickeln. Eine Marke soll der Lauf werden. Tradition begründen. Und er soll natürlich den Namen des Hauses noch bekannter machen.

Offenbar hat der Läufer Hurler den Radfahrer Gröne auch irgendwie mit seiner Passion infiziert. Der Olympia-Zweite von Seoul 1988 hat sich angemeldet für den Marathon in New York, im November will er mit zigtausend anderen Menschen aus der ganzen Welt über die Brooklyn Bridge laufen.

„Das muss ein einmaliges Gefühl sein“, sagt Gröne. Das besondere an diesem Lauf sei natürlich der Ort. „Location“ heißt das in Neudeutsch. Die wird immer wichtiger. Nicht zuletzt deshalb hat der Veranstalter die Arena als Austragungsort auserkoren.

„Wer kann sonst schon wie ein Profifußballer in diese eindrucksvolle Arena ein- und auslaufen. Da wo sonst nur die Profis sind“, sagt der Event-Manager und bekommt geradezu leuchtende Augen. Er freut sich auf den Tag der Tage, bis zu dem er zwar noch eine ganze Menge Aufgaben zu bewältigen hat, aber an dem, wenn bis dahin alles gut geht, er präsidial das Geschehen laufen lassen kann.

Allerdings bleibt es nicht bei einem Tag. Am 19. Juni gibt es einen Kids-Day, an dem ausschließlich Nachwuchs-Staffelteams je fünf Mal einen Kilometer laufen. Tags darauf steigt auch ein Public Viewing an der Arena. Da gibt es noch reichlich vorzubereiten und nach dem Tag X geht es sofort weiter: Mit dem Lauftraining für New York.

Andreas Rorowski

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