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Kurios und furios

04.09.2010 | 20:52 Uhr
Kurios und furios
Erst verschoss er einen Foulelfmeter, 60 Sekunden später verwandelte er einen Handelfmeter. Timur Karagülmez erzielte das 1:1 für den VfB Hüls gegen SF Siegen. Foto: Reiner Kruse

Marl. VfB Hüls: Rantzow, Planhof, Stondzik, Helwig (82. Mutluer), Krantz, Narewsky, Yavuzaslan, Köse (69. Alpay), Karagülmez (90. Schlüter), von der Gathen, Akama Eseme

An diesem Montag wird er 21. Damit läuft Timur Karagülmez immer noch unter der Kategorie Nachwuchsspieler. Den Stempel aber hat er nach dem 1:1 (0:1) seines VfB Hüls im NRW-Liga-Spiel gegen die Sportfreunde Siegen selbst abgestreift.

Wer wie er einen Elfmeter verschießt und 60 Sekunden später wieder entschlossen am ominösen Punkt steht und diesmal trifft, der ist abgezockt wie ein Alter. „So viel Mut zu haben, ohne dass ihn der Trainer oder die Spieler aufmuntern müssen, das ist der Geist den wir brauchen“, lobte Olaf Thon seinen talentierten Offensiv-Allrounder. In der 48. Spielminute erzielte Karagülmez per Elfmeter den 1:1-Ausgleich für den VfB, nachdem Siegens Anis Saidi das Leder im Strafraum mit der Hand gespielt hatte. Schiedsrichter Dominik Nowak (Bottrop) zögerte keine Sekunde und zeigte gleich auf den Punkt. Dabei hatte er gleiches erst eine Minute vorher getan, als Jörn Nowak den in die Zange genommenen Tim Helwig ebenfalls im 16er von den Beinen geholt hatte. Sportfreunde-Schlussmann Pero Miletic hielt (Thon: „Er war in der Ecke, die Timur meistens beim Elfmeter nimmt“), war bei Karagülmez’ zweitem Versuch, der in der anderen Ecke landete, allerdings machtlos.

Kurios und furios. Es war der Auftakt einer zweiten Halbzeit vor 490 Zuschauern am Badeweiher, die intensiv, abwechslungsreich und mit Höhepunkten gespickt war und die reichlich für die langweiligen ersten 45 Minuten entschädigte. Hüls hatte - wohlwollend formuliert - abwartend agiert und Siegen abgeklärt auf seine Möglichkeiten gewartet. Die erste kam in der 39. Minute. Und der gleichermaßen schnelle wie trickreiche Volkan Okumak nutzte sie nach einem Fehler im Hülser Aufbauspiel gegen die aufgerückte VfB-Hintermannschaft mit dem Treffer zum 1:0. Wie in zwei ähnlich brenzligen Situationen in der Schlussphase machte Rechtsverteidiger Torsten Stondzik dabei keine gute Figur.

Dafür aber Tobias Rantzow, der in der 79. und 81. Minute glänzend gegen Okumak parierte und überhaupt erneut einen ganz starken Eindruck hinterließ. „Mein Torhüter hat vier hunterprozentige Chancen vereitelt“, lobte Olaf Thon.

Der ebenso wie die VfB-Anhänger es sicher gerne gesehen hätte, wenn die nach einer torchancenlosen ersten Halbzeit zum Teil herrlich herausgespielten Möglichkeiten nach dem Wechsel zum Erfolg geführt hätten. Vor allem über Rechts ging es immer wieder schnell nach vorne, final folgte der Wechsel auf die linke Seite, wo Matthias Krantz drei dicke Möglichkeiten vergab (53., 57., 59.). Acht Minuten vor dem Ende strich dann noch einmal ein Kopfball von Innenverteidiger Kai von der Gathen haarscharf am Siegener Gehäuse vorbei, auf der anderen Seite fischte Rantzow kurz darauf nach einem 25 m-Freistoß von Daniel Cartus das Leder in artistischer Manier aus dem Winkel. Dieser Fußball machte Laune.

„Das Unentschieden geht schon in Ordnung“, bilanzierte Andrzej Rudy erst einmal und sah sich darin einig mit seinem Kollegen Olaf Thon. Eigentlich, denn so ganz konnte Siegens Übungsleiter den Hülser Ausgleich nicht verwinden. „Ihr hättet dem Schiedsrichter eines eurer schönen Trikots mit der Sponsorenaufschrift geben sollen. Deutscher Hilfsdienst. Das waren doch keine Elfmeter, die ihr da bekommen habt.“ Konter Thon, nachdem so gut wie niemand bei der Pressekonferenz auf diese Aussage reagiert hatte: „Viel Beifall kann ich dafür nicht hören.“

Das verbale Scharmützel der beiden Fußalllehrer, die sich mögen und schätzen, war noch einmal ebenso unterhaltsam wie die zweite Halbzeit.

VfB Hüls: Rantzow, Planhof, Stondzik, Helwig (82. Mutluer), Krantz, Narewsky, Yavuzaslan, Köse (69. Alpay), Karagülmez (90. Schlüter), von der Gathen, Akama Eseme

SF Siegen: Miletic, Arslan, Okumak (88. Schönwälder), Uzun, Crtus (85.Huke), Schors, Nowak, Dallmann (60. Kapitza), Dalman, Saidi, Bogusz

Schiedsrichter: Dominik Nowak (Bottrop)

Zuschauer: 490

Gelbe Karten: Dalman (17.), Dallman (26.), Schors (29.), von der Gathen (37.), Miletic (48.), Karagülmez (49.), Yavuzaslan (69.), Uzun (85.)

Tore: 0:1 Okumak (37.), 1:1 Karagülmez (48., Handelfmeter)

Siegen und Verlieren. Bei Spielen zwischen den Sportfreunden und dem VfB passte das bislang 100-prozentig zueinander. Bei Spielen gegen Siegen, bis zum Samstag zehn an der Zahl, hatte Hüls bislang immer verloren. Zum Siegen gegen Siegen hat es zwar im elften Aufeinandertreffen auch noch nicht gereicht. Aber immerhin gab es das erste Unentschieden.

Andreas Rorowski

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