Komplexe Bewegungsabläufe

Es ist kalt in der Sporthalle der Hauptschule an der Canisiusstraße. Die Mitglieder der Capoeira-Gruppe der Polizeisportvereinigung (PSV) mummeln sich in ihre Trainingsjacken und Sweatshirts ein. Das ändert sich aber schnell. Denn das Aufwärmprogramm, das Übungsleiter Carsten Ringler beginnt, ist wörtlich zu nehmen.

Recklinghausen.. Die Sportler kommen schnell auf Betriebstemperatur und legen nach und nach die wärmenden Kluften beiseite. Ringler, der über das Kickboxen zur brasilianischen Kampfkunst fand, gibt mit einer Trommel den Takt vor und sagt verschiedene Schrittfolgen an.

Vor ihm haben sich die Sportler in drei Reihen hintereinander postiert und führen die angesagten Sequenzen einer Choreografie aus. Einige schlagen kleine Holzstäbe gegeneinander, die meisten klatschen während der Schrittfolgen rhythmisch in die Hände.

Wenig später bildet die Gruppe den für Capoeira typischen Kreis. Carsten Ringler singt traditionelle Lieder und trommelt. Während abwechselnd zwei Aktive in der Mitte der sogenannten Roda (Kreis) gegeneinander "kämpfen", klatschen und singen die anderen. "Ihr müsst mehr Gas geben", fordert der Übungsleiter auf.
Weil sich im Capoeira komplexe Bewegungsabläufe aus Kampfsport, Tanz und Akrobatik vereinen, wiederholen die Aktiven in den Trainingseinheiten immer wieder die verschiedenen Grund-, Basis- und Ausweichschritte.

Einmal im Jahr kann man seine Fähigkeiten prüfen lassen, um den nächsthöheren Gürtelgrad zu erreichen. Carsten Ringler, der Capoeira vor zwölf Jahren für sich entdeckt hat, hat bereits die neunte von zwölf Stufen erreicht. Das ist an einer blauen Kordel abzulesen, die er sich um die Hüfte gebunden hat. Die Reihenfolge der Gürtelfarben ist übrigens einfach: "Die brasilianische Flagge von außen nach innen", erklärt Ringler.

Vor zwei Jahren war der PSV-Übungsleiter in Brasilien. Das dortige Capoeira sei mit der hierzulande praktizierten Kampfkunst nicht zu vergleichen. "Das ist wie Tag und Nacht", sagt Carsten Ringler. Das Training sei nicht so gut wie in Deutschland. Allerdings ist es auch kaum erforderlich, da Brasilianer "fast jeden Tag" ihren Sport ausüben.



Interessierte sind willkommenen: Die Capoeira-Gruppe trifft sich donnerstags von 18 bis 20 Uhr in der Sporthalle Canisiusstraße.