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Kilometerfresser

21.01.2010 | 18:15 Uhr

Mountainbiker Markus Schulte-Lünzum schuftet auf Mallorca im Trainingslager.

Haltern am See. Es ist keine Flucht in den Süden, auch wenn es südwärts geht. Genauer gesagt nach Mallorca, Playa de Palma, unweit vom Ballermann. Das hört sich entspannter an als es tatsächlich werden wird für Markus Schulte-Lünzum. Der 18-jährige Halterner absolviert von heute an mit dem Mountainbike-Kader des Bundes Deutscher Radfahrer das obligatorische Trainingslager zum Jahresbeginn. Grundlagentraining steht auf dem Programm. Im Volksmund heißt das: knüppeln, knüppeln und noch mals knüppeln. Mit einer vierstündigen Einheit wird es voraussichtlich beginnen, sechs bis sieben Stunden auf dem Rad vorzugsweise im gebirgigen Westen der Insel werden es täglich in der Spitze sein.

Markus Schulte Lünzum Foto: Werner Schulte-Lünzum

„Und die will ich so gut wie möglich nutzen, da es in diesem Jahr mein einziges Trainingslager sein wird”, sagt der U 23-Nationalmannschaftsfahrer. Mehr denn je muss er Schule und Sport unter einen Hut bringen. Nächstes Jahr will er sein Abitur am Josef-König-Gymnasium bauen. Und dafür muss er vorher das tun, was gewöhnlich unter Volleyballspielern als schlagkräftiges Motto dient: punkten, punkten, punkten.

Info
Karriere

Im Zeitraffer.

2001 bekam Markus Schulte-Lünzum sein erstes Mountainbike, zwei Jahre später begann er mit dem ernsthaften Training. 2007 wurde der Schüler aus Haltern am See Deutscher Meister in der U 17-Konkurrenz, 2009 war er Fünfter der Junioren-EM.

Allerdings eben nicht nur in der Schule, sondern auch im Sport. Sein Saisonziel hat Schulte-Lünzum längst ausgemacht: „Ich möchte mich für die Weltmeisterschaft qualifizieren.” Erstens, weil er ehrgeizig genug ist, das größtmögliche Ziel anzupeilen. Zweitens weil nach der WM in Australien 2009 die Titelkämpfe in Kanada ausgetragen werden, und das ist ein nicht minder attraktives Reiseland. Und drittens, weil er wohl auch irgendwie das Gefühl hat, sich noch etwas schuldig zu sein. In Canberra war er vom Pech verfolgt, musste einen Sattelbruch hinnehmen, stürzte und landete auf einem für ihn inakzeptablen 34. Platz. „Das geht auch besser”, könnte einer wie Markus Schulte-Lünzum sagen.

Also muss er aus dem neuntägigen Trainingslager das Optimum herausholen, um sich in der Bundesliga und bei den Weltcuprennen für die WM Anfang September in Mont St. Anne zu qualifizieren. Dabei ist er froh, dass er überhaupt auf Mallorca dabei sein kann. Eine Ausnahmegenehmigung der Schule macht es möglich. Und die gibt es nur, wenn die Noten stimmen. „Kein Problem”, sagt Schulte-Lünzum. „Bei mir läuft es im Sport auch nur gut, wenn es in der Schule klappt. Wenn ich nach Hause komme, erledige ich sofort meine Aufgaben, um den Kopf frei fürs Training zu haben.”

Mit dem Saisoneinstieg kann der Nachwuchsfahrer vom ATV Haltern, der seit zwei Jahren für das M.I.G.-Team fährt, zufrieden sein. Nach einem Trainingsrennen Anfang des Jahres in Bocholt, das er als Zweiter beendete, stürzte er sich in den ersten Wettbewerb der neuen Saison. Bei den Deutschen Cross-Meisterschaften in Magstedt fuhr er bei Schnee und Eis auf den achten Platz und war damit sehr zufrieden: „Damit hätte ich nie gerechnet. Es macht mich sehr glücklich und spornt mich noch mehr an.”

Dabei gab es ein kleines Hindernis. Weil er im Klubtrikot antreten musste, seines aber zu klein geworden ist, lieh ihm kurzerhand sein Papa dessen Dress vom ATV Haltern. „Und der war ihm eigentlich zu groß, das sah schon ein bisschen blöd aus”, sagt Werner Schulte-Lünzum. Aber wer schnell sein will, den interessieren Äußerlichkeiten wohl nur am Rande.

Kurz vor seiner Abreise nach Mallorca heute Morgen um sechs vom Flughafen Frankfurt/Main aus ging Markus Schulte-Lünzum buchstäblich noch mal auf die Rolle. Aber nicht um abzutanzen, sondern um seine körperliche Verfassung zu testen. In Köln unterzog er sich einem Leistungstest. Maximalbelastung, Laktatwerte, Sauerstoffaufnahme. „Ich habe mich verbessert”, freut sich der Nachwuchsfahrer, der sich mehrfach im Jahr entweder für sein Team oder aber auf Geheiß des BDR einem solchen Test unterzieht. „Dabei ist das eigentlich nicht mein Ding”, gesteht Schulte-Lünzum. „Auf diesem komischen Ding alles zu geben, ist irgendwie merkwürdig.” Das Ding ist die Rolle, auf der das Rad installiert ist und das in einem eher sterilen Labor steht.

Wie schön ist da das Kontrastprogramm dieser Tage, die mallorquinische Landschaft. Wirklich warm wird es auf der Baleareninsel in den nächsten Tagen vermutlich zwar nicht. Aber tagsüber zweistellige Temperaturen und hin und wieder richtigen Sonnenschein wird es wohl geben. Und das ist nicht nur für einen Radsportler allemale schöner als der Schnee, den Haltern am See und das gesamte Vest an diesem Wochenende zu erwarten haben.

Andreas Rorowski

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