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Keine Streikfront in Sicht

02.02.2009 | 20:03 Uhr
Keine Streikfront in Sicht

Über die Einführung eines Sonntagsspiels am Nachmittag wird auch im Vest heftig diskutiert. Doch die Vereine stehen der Entscheidung ohnmächtig gegenüber und sehen kein Druckmittel

Recklinghausen. Sinn oder Unsinn eines Streiks - darum ranken sich derzeit die Diskussionen bei den Amateurvereinen, die Bundesligafußball zur Amateurzeit am Sonntag Nachmittag aber kategorisch ablehnen. Während es in Gelsenkirchen Bestrebungen gibt, den ersten Spieltag zu boykottieren und so der Deutschen Fußball-Liga die Rote Karte zu zeigen, ist im Kreis Recklinghausen unter den A-Kreisligisten weit und breit keine Streikfront in Sicht.

Es überwiegt die Ohnmacht gegenüber der Profi-Etage, die Bundesligapartien ab der Saison 2009/2010 sonntags schon um 15.30 Uhr austragen wird. Sämtliche vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen würden, wie von Michael Ecker, Trainer der DJK Blau-Weiß Lavesum, abgelehnt. Ganz im Gegensatz zum Kreis Gelsenkirchen, der als eines der Gründungsmitgleider der sogenannten „B1-Fraktion” den Stein ins Rollen brachte. „Ein Boykott bringt sowieso nichts. Das wird sich schon einpendeln”, setzt Ecker wie seine Kollegen auf die Anpassungsfähigkeit der Vereine und Zuschauer. Es würden den Vereinen an der Basis leider die notwendigen Druckmittel fehlen.

Weitere Stimmen der Vereinsvertreter aus dem Vest

Frank Thiem (Sportlicher Leiter Teut. SuS Waltrop): Das ist ja nicht unbedingt etwas Neues für uns. Vor fünf, sechs Jahren gab es diesen Fall ja schon mit der Einführung der Sonntagsspiele. Damit haben wir auch gelernt zu leben. Ein Boykott bringt nichts. Als Dauerkartenbesitzer lasse ich mich kurz vor dem Spiel in Dortmund mit einem Taxi vor das Stadion fahren. Wenn wir aber ein Spiel haben, geht das einfach vor. Bei unseren Zuschauern wird sich kaum etwas tun. Wir haben jetzt einen Schnitt von 150 Zuschauern. Vielleicht werden es dann 140, mit Sicherheit aber keine 160.

Volker Schmid (Vorsitzender Sportfreunde Stuckenbusch): Wir haben uns im Vorstand auch darüber unterhalten und sind zum Ergebnis gekommen, dass wir mit einem Streik nur unsere letzten treuen Fans bestrafen und vertreiben werden. Man muss von Seiten des DFB noch einmal massiv das Gespräch suchen. Es kann nicht sein, dass wir Amateure alles schlucken müssen. Wenn nächste Saison Schalke oder Dortmund sonntags spielen, dann können wir Amateure nur vor 20 unentwegten Fans auflaufen.

Claus Lanczek (Vorsitzender SG Marl): Viel mehr Probleme haben wir Amateurfußballer durch die steigenden Verbandsabgaben und durch den ständig steigenden Strafenkatalog im Jugendfußball. Damit machen die Funktionäre den Amateurfußball kaputt.

Klaus Schweda (Vorsitzender ETuS Haltern): Man muss sicherlich etwas tun, denn es besteht die Gefahr, dass immer weniger Menschen insgesamt zu uns kommen. Die Verantwortlichen in der DFL wissen doch gar nicht, welche Sorgen und Probleme wir im Amateurfußball haben.

Michael Ecker (Trainer DJK BW Lavesum): Ein Boykott bringt sowieso nichts. Bei Vereinen, bei denen kein Geld für Spieler fließt, besteht immer die Möglichkeit, dass fünf, sechs Spieler weniger zu den Spielen auflaufen, weil sie Karten für die Bundesliga haben. Ein Paradebeispiel war bei uns ein Nachholspiel, zu dem fünf Leute nicht erschienen, weil sie Karten für ein Champions-League-Spiel der Schalker hatten. Eine Lösung ist nur zu finden, wenn man sich mit DFL und DFB an einen Tisch setzt.

Josef Varga (Abtvorsitzender FC Erkenschwick): Mein Privatleben kommt wegen meiner ehrenamtlichen Arbeit sowieso schon zu kurz, da werde ich bestimmt nicht bei einer Demonstration mitmachen. Das Medieninteresse am Profifußball soll vergrößert werden und dafür wird auf die Breite gepfiffen.

Josef Kirwel (Abteilungschef SG Suderwich): Sicher ist ein Boykott eine Möglichkeit, für mich aber nicht. Wir sind im Ruhrgebiet auch noch ein Stück betroffener als beispielsweise die Vereine in Bayern oder im Rheinland, weil es bei uns eine höhere Dichte an Bundesligavereinen gibt. Aber der Rückgang der Zuschauerzahlen bei den Amateuren wäre ja auch nicht neu. Es gibt heutzutage eben ein deutlich größeres Freizeitangebot als noch vor dreißig, vierzig Jahren. Damals gab es außer Fußball ja nichts anderes. Es wäre eine tolle Sache, wenn man einen Teil der Millionen an die Amateur-Vereine abgeben würde.

Uwe Schirrmeister (Vorsitzender TuS Sinsen): Grundsätzlich habe ich großes Verständnis für die Bedenken und Sorgen, die hinter der Aktion der Kollegen aus Gelsenkirchen stehen. Doch mit einem Streik treffen wir die Falschen. Die DFL wird auf die bestehenden Verträge mit den Fernsehsendern verweisen und darauf, dass sie nichts mehr ändern kann. Mit viel Glück und Druck geht vielleicht etwas zur übernächsten Saison.

Sven Krause und Stefan Müßner

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