Das aktuelle Wetter NRW 18°C
American Football

Kein Wolf im Schafspelz

11.04.2008 | 15:09 Uhr

Dietmar Wolf verteidigt seit 20 Jahren für die Recklinghausen Chargers. Am Samstag gibt es ein Turnier, weil der Verein seit 25 Jahren besteht. Große Feier am Abend

Recklinghausen. Ein Vierteljahrhundert American Football bei den Recklinghäuser Chargers gilt es an diesem Wochenende zu feiern. Seit 20 Jahren dabei ist Dietmar Wolf. Der Linebacker der jüngeren Chargers-Geschichte. Nicht erst seit gestern ist er der Chef in der Defensive des Regionalliga-Aufsteigers. An ihm kommt keiner vorbei. An diesem Samstag im Stadion Hohenhorst schon. Da müssen andere in der Chefrolle ihre Knochen hinhalten.

Eine Knochenhautreizung am Knie setzt ihn aktuell außer Gefecht. Eine Verletzung, deren Genesung vor allem Geduld und Ruhe voraussetzt. Zwei Eigenschaften, über die er in seinem Job als Betriebsschlosser bei Eon, als Vater von zwei Jungs und als Ehemann reichlich verfügt. Auf dem Feld, wenn es darum geht, die gegnerischen Angriffe möglichst schnell und endgültig zu stoppen, helfen ihm diese Charakterzüge nicht. Da sind andere Qualitäten gefragt. Aggressivität, Härte gegen sich und den Gegner und vor allem den Willen sich gegen alle Widrigkeiten durchzusetzen. Dies alles vereinigt Wolf in sich. Nicht umsonst ist er in seiner Laufbahn schon mehrfach Verteidiger des Jahres, „Defense Player of the Year” bei den Chargers geworden. In den vergangenen Jahren hatte er ein Abo auf diesen Titel. Das schmeichelt Wolf. „Klar sind solche Ehrungen schön und bestätigen einen auch. Aber ich spiele Football aus anderen Gründen.”

Weil es ihm Spaß macht. Weil er seine Frau und viele gute Freunde bei den Chargers kennenlernte. Aber auch, weil ihm das offene und ehrliche Spiel Mann gegen Mann so gefällt und er im Football seinen Sport entdeckt hat. „Früher habe ich ein bisschen Squash gespielt, um mich fit zu halten. Über einen Freund bin ich vor 20 Jahren zu den Chargers gekommen und war gleich fasziniert.” Diese Symbiose aus familiärer Atmosphäre und erfolgreichem Sport faszinierte ihn in den Anfangsjahren dermaßen, dass er seine Begeisterung auch über die sportlich eher mageren Jahre in den Spielzeiten 2003 bis 2007 in der Oberliga beibehielt. „Auch wenn wir da nicht unseren besten Football gespielt haben, waren die Chargers mein Verein. Ich habe nie daran gedacht, die Schuhe an den Nagel zu hängen, nur weil es mal nicht so lief.”

So überwiegen bei ihm einfach die Erinnerung an die guten Zeiten. Nicht nur an das erste Treffen mit seiner Frau. Vor allem auch an die sportlichen Glanzpunkte: Wie etwa an die „perfekte Saison” 2001 in der Regionalliga, als die Chargers ohne einen Punktverlust unter Coach Peter Springwald Meister wurden und sportlich den Sprung in die 2. Bundesliga schafften. „Doch dann hat das Geld nicht gereicht und wir sind im Jahr drauf ohne einen Sieg in die Oberliga abgestiegen. Das war schon ganz schön bitter.” Doch immer dann, wenn es so gar nicht lief bei Wolf und den Chargers, dann erinnert er sich gerne an ein Spiel gegen die Dortmund Giants. „Chargers gegen Giants. Das war und ist wie Schalke gegen Dortmund im Fußball. Eine Riesenrivalität. In diesem Spiel haben wir schnell 0:14 hinten gelegen und quasi auf den letzten Drücker das Ding noch mit 18:17 gewonnen. Ein geiles Spiel. Allein bei dem Gedanken daran bekomme ich immer noch Gänsehaut.”

Bei aller Rivalität, bei allen großen Erfolgen und allen enttäuschenden Tiefpunkten. Für Wolf charakterisiert den Football und seine Liebe dafür nichts besser als eine Weisheit, die er in seinem ersten Jahr als Frischling vermittelt bekam. „Du musst immer Respekt vor dem Gegner haben und seine sportliche Leistung respektieren. Ganz gleich aus welcher Liga er kommt.” Darum geht es im Football. So hart als möglich gegen den Gegner spielen, aber auch vor seiner sportlichen Leistungsfähigkeit den Hut ziehen. Akzeptieren, wenn einmal ein Gegner an einem vorbeikommt, nur um ihn dann beim nächsten Mal umso härter zu tackeln. So ist er. Der Wolf im – nein – nicht im Schafspelz – sondern im Chargers-Trikot.

Sven Krause

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1773370/create

Umfrage
Die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen treten am Sonntag zum Spitzenspiel bei Verfolger VfL Bochum an. Gewinnt die Mannschaft nach dem Hinspiel auch das Rückspiel, ist die Rückkehr in die 2. Bundesliga perfekt. Setzt sich der FFC gegen die Bochumerinnen durch?

Die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen treten am Sonntag zum Spitzenspiel bei Verfolger VfL Bochum an. Gewinnt die Mannschaft nach dem Hinspiel auch das Rückspiel, ist die Rückkehr in die 2. Bundesliga perfekt. Setzt sich der FFC gegen die Bochumerinnen durch?

 
Aktuelle Fotos und Videos
TuS 05 Sinsen ist Landesligist
Bildgalerie
Bezirksliga
8. Lippe-Schultriathlon
Bildgalerie
Lippe-Schultriathlon
Im Regen in den Himmel
Bildgalerie
31. Marktplatzspringen
Aus dem Ressort
Maßgeschneidert
Vest-Sport
Soll keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Im Oktober 2011, die Saison war noch nicht so alt, hat Christoph Maziarz erklärt, dass der TuS 05 Sinsen um den Aufstieg in die Landesliga spielt: „Wir stehen dazu.“ Die breite Brust von damals ist nicht einen Tick schmaler geworden. Im Gegenteil. Mit...
Zeit für einen Neuanfang
Fußball - Bezirksliga 15
Drei Fragen an Jörg Heel, der zusammen mit Andreas Charizanis nicht als Trainer bei der DJK Eintracht Datteln weitermacht.