Kein normales Spiel
01.02.2012 | 17:28 Uhr 2012-02-01T17:28:00+0100
Marl.Gerade vor Spitzenspielen hat sich ein gewisser Uli H. aus M. mit der „Abteilung Attacke“ einen Namen gemacht. Vor dem Duell zwischen den Volleyball-Oberligisten VC Marl und TV Hörde (Sonntag, 18 Uhr, Willy-Brandt-Gesamtschule) ist es da schon etwas ruhiger. Auch wenn sich dann das Beste, was die Liga zu bieten hat, ein Stelldichein gibt. Ganz frei von Diskussionsstoff ist das Top-Spiel aber keineswegs.
Als Tabellenzweiter sind die Marler der hartnäckigste Verfolger des verlustpunktfreien Tabellenführers Hörde. Ob die Marler in Bestbesetzung antreten können, ist aber noch nicht zweifelsfrei klar. Beim wichtigen Sieg gegen den Post SV Bielefeld, den Konkurrenten um Rang zwei, brachten sich Kersten Holthausen und Henrik Wessel in heißes Wasser. „Beide haben einen Kommentar in Richtung Schiedsgericht abgegeben“, erklärt Spielertrainer Mirco Dittmar. „Das wurde als verbale Beleidigung gewertet und auch eingetragen. Es gab aber keine Rote Karte.“ Deshalb geht er auch davon aus, dass beide auflaufen können. Gutheißen wollte er ihre Aktion jedoch nicht. „Sie dürfen sich zu so einer Sache nicht hinreißen lassen.“ Hördes Coach Kai Annacker ist zwiegespalten. „Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, dürften sie nicht spielen. Auf der anderen Seite haben auch schon einige meiner Spieler gesagt, dass es ihnen lieber ist, wenn beide dabei sind. Dann können die Marler im Nachhinein nicht sagen, dass wir nur gewonnen haben, weil die beiden nicht dabei waren.“ Im Hinspiel mussten die Marler bereits ohne das Duo auskommen, mussten ihre einzige Niederlage hinnehmen, zwangen Hörde aber immerhin in deren einzigen Tie-Breaker.
Dass beide Mannschaften eine so starke Saison spielen, kommt für Annacker nicht allzu überraschend. „Man kennt sich. Die einzelnen Spieler kennen sich zum Teil seit Jahren. Henrik Wessel spielte in der 2. Liga als ich in Essen Trainer war. Deshalb habe ich auch erwartet, dass Marl eine so gute Rolle spielt. Nicht erwartet hatte ich, dass wir zu einem so späten Zeitpunkt in der Saison noch ungeschlagen sein würden.“ Den Grundstein für den Erfolg legte Hörde unter anderem mit den Verpflichtungen von Jan Terhoeven, der bereits in der 1. und 2. Liga spielte, sowie Jan Maas, der vom Zuspieler zum Libero umfunktioniert wurde.
Über die Qualitäten der Teams gibt es keine zwei Meinungen. „Das ist ganz klar das Aufstiegsspiel. Beide Mannschaften könnten sich durchaus gut in der Regionalliga tummeln. Ich erwarte auch, dass der Verlierer über die Relegation den Sprung schafft“, so Annacker. Dittmar: „Das ist sicher kein Spiel auf normalem Oberliga-Niveau. Jeder ist gefragt - körperlich und mental.“ In seinen Augen sind die Rollen klar definiert. „Der Druck liegt nicht bei uns, sondern bei Hörde. Wenn wir gewinnen, ist die Meisterschaft komplett offen. Verlieren wir, hätten wir auf jeden Fall noch vier Punkte Vorsprung auf Bielefeld. Das müsste eigentlich für Platz zwei reichen. Ich glaube nämlich nicht, dass wir von den letzten Spielen noch drei oder vier verlieren.“
Wie es sich für ein Top-Spiel gehört, schickt der Verband auch einen seiner besten Leute. Schiedsrichter der Partie wird Jürgen Pospiech aus Herten sein. „Das hat aber nichts mit den Vorfällen vom letzten Wochenende zu tun“, wirft Dittmar hinterher. Egal, ob Holthausen und Wessel mitwirken dürfen, Annacker wird ihnen wohl noch öfter über den Weg laufen. Schließlich ist der Hörde-Coach auch Kadertrainer beim WVV. „Henrik ist da mein Physio und Kersten ist für die Beachvolleyballer zuständig.“ Klein ist die Welt. Auch an der absoluten Spitze der Oberliga.

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