Jetzt ist Schluss
29.05.2008 | 22:00 Uhr 2008-05-29T22:00:00+0200Eigentlich. Frank Teelen und Carsten Tripp hören als Deutsche Meister in Iserlohn auf. Aber so ganz können sie nicht vom Rollhockey lassen. Teelen spielt wieder für den RHC Recklinghausen, Tripp vermutlich in Herten.
Recklinghausen. Wenn das kein Wonnemonat ist. Erst wurde er mit der Eis- und Rollsport-Gemeinschaft Iserlohn zum zweiten Mal nach 2006 Deutscher Meister und seit vorgestern ist er stolzer Papa eines Sohnes. Carsten Tripp befindet sich im emotionalen Ausnahmezustand. „Es ist unbeschreiblich”, sagt der 35-jährige gebürtige Hertener und meint damit zu einem kleinen Teil den sportlichen Erfolg und zu einem überwältigend großen die Vaterfreuden. „Ich war bei der Geburt dabei. So etwas zu erleben ist mit nichts zu vergleichen.”
Geschenkt, dass er im dritten und entscheidenden Finalspiel gegen Titelverteidiger RSC Cronenberg zur spielentscheidenden Figur avancierte und unter anderem zwei Penalties parierte. „Wir haben uns alle den Arsch aufgerissen, allein Frank ist wieder mal für fünf gelaufen.” Ruhm und Ehre gebühren allen. Zumal der Torhüter in einer seiner besten und wichtigsten Begegnungen beinahe gar nicht gespielt hätte. Der Geburtstermin für seinen Sohn Leo war Sonntag, 25. Mai. Genau der Tag des Endspiels. „Wir haben alle gehofft, dass sich Leo noch ein bisschen Zeit lässt.” Er ließ und gönnte Papa damit noch einmal eine außergewöhnliche Begegung.
Aber jetzt ist Schluss. „Ich habe den Kaffee auf”, gesteht Tripp, der seit ewigen Zeiten Rollhockey spielt, Nationaltorhüter war, seit 2001 in Iserlohn spielte und sich nun selbst die Chance geben will, gesund aufzuhören. Das heißt, so ganz kann er dann doch nicht loslassen. Es sieht so aus, als würde er seinem Stammverein in der nächsten Saison noch einmal zur Verfügung stehen, zumal sein Nachfolger und womöglich auch Vorgänger Daniel Sadowski aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied genommen hat. Aber: Wegen des Umzugs nach Wuppertal und der Unlust, erneut viele Trainings- und Spiel-Kilometer auf sich zu nehmen, hofft Tripp auf einen Einsatz unter bestimmten Bedingungen. Näheres wird er wohl mit Trainer Hermann Klein klären, der aber wohl kaum etwas dagegen haben dürfte, einen Stand-by-Keeper von der Qualität Tripps zu bekommen.
Während der Keeper am Samstag zur Aktuellen-Sport-Studio-Zeit von etwa 150 Fans in der Wuppertaler Alfred-Henckels-Halle sein Tor erklomm und sich für eine Serie von Großtaten, darunter zwei gehaltene Penalties, frenetisch feiern ließ, soll es seinem Kapitän besinnlicher zu Mute gewesen sein. „Ich weiß nicht, wer erzählt hat, ich hätte geweint”, weist Frank Teelen alle Gerüchte, er hätte nah am Wasser gebaut, von sich. Aber er schließt nicht aus, dass er noch ein paar Tränen vergießen wird.
Ebenso wie Tripp wird der Recklinghäuser nämlich in einem Freundschaftsspiel vermutlich am 8. Juni gegen die niederländische Nationalmannschaft offiziell aus Iserlohn verabschiedet. Acht Jahre hat er bei dem Spitzenverein gespielt, wurde zweimal Deutscher Meister, zweimal Pokalsieger und bestritt etliche Europapokalspiele. Das streicht man nicht so einfach aus dem Gedächtnis.
„Es gibt so vieles, woran ich mich noch lange erinnern werde”, sagt er. Und denkt dabei zum Beispiel an ein Europapokalspiel im englischen Bury-St. Edwards. Das Flugzeug dorthin konnte wegen Nebels nicht starten, stattdessen fuhr das Team mit dem Taxi von Duisburg-Weeze nach Dover, konnte dort weder Zug noch Schnellfähre nehmen, musste mit einer normalen Fähre vorlieb nehmen, wurde in England von Fahrern der gastgebenden Mannschaft aufgelesen, drei Stunden nach St. Bury gefahren, um fast schon in der Nacht noch ein Europacup-Spiel auszutragen.
Mit dem Deutschen Meister bekommen es die beiden Vest-Vereine gleich zum Auftakt der Bundesliga-Saison 2008/09 zu tun
Aufsteiger RHC Recklinghausen gastiert am ersten Spieltag (6. September) bei ERG Iserlohn, eine Woche später erwartet die RSpvgg. Herten die Sauerländer. Für Frank Teelen (Recklinghausen) und Carsten Tripp (Herten) wird es das Wiedersehen mit ihren bisherigen Mannschaftskollegen. Zum ersten Vest-Derby der Saison kommt es voraussichtlich am 11. Oktober in der Recklinghäuser Heinrich-Auge-Sporthalle.
Eine kleine Anekdote aus der langen Rollhockey-Geschichte des 34-Jährigen, der seit 16 Jahren in der Bundesliga spielt, allein etwa 400 Ligaspiele bestritt, tausende von Kilometern auf der Autobahn zurücklegte und unzählige Rollen für seine Schuhe verschliss. Aber spätestens mit dem zweiten DM-Titel tritt der Sport in den Hintergrund, auch wenn Teelen seinem Stammverein und Bundesliga-Aufsteiger RHC Recklinghausen in der kommenden Saison noch einmal helfen will. „Keiner darf von mir erwarten, dass ich uns von Sieg zu Sieg schieße. Ich mache es mir zur Aufgabe, der jungen Mannschaft einige Tipps mitzugeben.”
Zu allererst aber ist er Vater. Auf jeden Fall bis August, denn so lange dauert die einjährige Elternzeit noch, für die sich Teelen nach der Geburt seines zweiten Sohnes Fabian entschieden hat. „Das ist nicht immer ganz einfach. Im Beruf hast du irgendwann frei, als Vater oder Mutter nicht. Aber ich möchte keine Sekunde missen.” Im August, wenn er wieder in seinem Beruf als Kunststoff-Formgeber arbeitet, wird sich wieder einiges für ihn verändert. Auch sportlich. Als Wechselschichtler kann er dann nur noch eingeschränkt trainieren. Allein deshalb sollten die Erwartungen an ihn beim RHC nicht zu hoch sein. Denn: „Mit 34 müsste ich eigentlich mehr trainieren als früher, um auf dem gleichen Niveau wie bisher spielen zu können.”

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