In Unterzahl zum Sieg

"Wie lange noch? Es war ein flehender Unterton in der Stimme von Gencliks Kapitän Sascha Hoffmann, als er in Hälfte zwei des Derbys bei SW Röllinghausen Schiedsrichter Domnic Nosing nach der verbleibenden Spielzeit fragte. 0:0 stand es. Ein Punkt war für die Süder seit der 22. Minute mit einem Mann weniger also noch drin. 20 Minuten habt ihr rum, antwortet Nosing. 25 liegen noch vor euch. Was Nosing und Hoffmann nicht wussten: Genclik würde gar das 1:0-Siegtor erzielen.

RECKLINGHAUSEN.. So nahmen die Süder trotz der 70-minütigen Unterzahl gar drei Punkte mit. Was sicherlich am Unvermögen der Gastgeber lag, denen in der Offensive so gut wie nichts gelang. "Das war einfach nicht clever von uns", gestand Röllinghausens Dirk Kitsch. Aber auf der anderen Seite hielt Genclik die Schotten auch gekonnt dicht und zeigte sich mit Kontern weitaus gefährlicher als Röllinghausen in Überzahl. Insofern war der Sieg der Gäste alles andere als unverdient.

In Hälfte eins hatte Genclik auch noch mehr Spielanteile. Was sich in der 22. Minute schlagartig änderte. "Rot" gab es Gencliks Ferhat Eskiadam, der seinem Gegenspieler eine wüste Beschimpfung hinterhergeschickt hatte. Leise, aber hörbar für Schiri Nosing. Eskiadam schaute ungläubig aus der Wäsche, protestierte jedoch nicht.
So schien der Weg für Röllinghausen bereitet. Nur: Die Truppe von Trainer Frank Fuhrmann blieb ideenlos. Flanken pflückte Genclik-Keeper Jan Schmatzberger wie reife Birnen herunter. Vorstöße durch die Mitte stellte die Genclik-Defensive nicht vor große Probleme.

"Und dann stehst du auf einmal nicht richtig, und dann passiert so etwas", sagte Dirk Kitsch. Das "So etwas" bezog sich auf die 71. Minute. Goldrichtig hatte Gencliks spielender Trainer Kerim Baba den öffnenden Pass auf die rechte Seite gespielt. "Wie Augenthaler", schätzte Baba flachsend seine Vorarbeit zum 1:0 ein. Der aufgerückte Manndecker Fofana Moussa Bala stieß bis zur Grundlinie vor, passte vors Tor auf und Kadir Kerter vollendete.

Röllinghausen bemühte sich um den Ausgleich, aber mehr als ein unmotivierter Schuss aus spitzem Winkel von Patrick Birkner in der Schlussminute sprang nicht heraus. "Selbst ich mit meinen 53 Jahren hätte das besser gemacht und einfach den Ball zurückgelegt", ärgerte sich Fuhrmann maßlos. Den ersten Frust hatte der SWR-Coach da schon beim Einsammeln der Eckfahnen abgebaut. Angesichts derzeit acht verletzter Spieler blickte Fuhrmann positiv nach vorn: "Gott sei Dank sind nächste Woche Ingo Leifeld und Julian Wicher wieder dabei."