Im Dress mit dem Bundesadler

Seit Kindertagen ist Martin Lütge-Varney begeisterter Leichtathlet. Zunächst trainiert der gebürtige Wuppertaler alle Disziplinen. Nach und nach spezialisiert erst sich aufs Laufen. Zunächst auf die Mittelstrecke. Doch bei Rennen über 800 und 1500 Meter bleibt es nicht. Die Distanz wird länger. Ich war zu langsam, unkt der heute 44-Jährige.

Recklinghausen.. Martin Lütge-Varney, der seit über 20 Jahren in Recklinghausen lebt, scheut keine Herausforderung. Mehrere Marathonläufe hat er bereits gemeistert. In vier Wochen folgt ein Wettkampf über 21,1 Kilometer. Zurecht stellt der Läufer fest: "Das ist mein Saisonhöhepunkt." Schließlich findet vom 4. bis 16. August in Lyon die Masters-Weltmeisterschaft statt.

Lütge-Varney wird im Halbmarathon in der Altersklasse M 45 für Deutschland antreten. "In einer sehr starken Konkurrenz." Mit 94 Startern quantitativ, wie qualitativ. Zum Favoritenkreis zählt der Recklinghäuser Läufer aus Großbritannien, Italien, Spanien oder Frankreich. "Die werden richtig Gas geben."

Das wird aber auch Martin Lütge-Varney, der sich intensiv auf die WM vorbereitet. Nach dem Gewinn von Silbermedaillen bei der Masters-WM 2005 und EM 2010 im Marathon setzt er auf die Weisheit, dass aller guten Dinge drei sind. Der Läufer peilt eine Zeit von 1:16 Stunde an, wobei die Strecke in Lyon sehr anspruchsvoll sein wird.

Jeden Tag trainiert der Langstreckenläufer. Rund 80 bis 120 Kilometer kommen pro Woche zusammen. "In der direkten Vorbereitungszeit etwas mehr", ergänzt der 44-Jährige. Also jetzt. Wobei der Läufer nicht nur selbst aktiv ist, sondern auch eine talentierte Läuferin trainiert.

Und zwar in Kronberg bei Frankfurt/Main, wo der Recklinghäuser unter der Woche berufsbedingt lebt. Sein Schützling Sarah Kistner ist bereits Deutsche U20-Meisterin über 5000 Meter und im Berglauf. Am Samstag (4. Juli) greift sie bei den Berglauf-Europameisterschaften auf Madeira nach einer Medaille. "Die Chance hat sie", sagt der Trainer, der vor Ort sein wird.

Wie auch zwei Wochen später bei der Jugend-Europameisterschaft in Schweden. "Dort kann Sarah unter die Top 5 oder Top 6 kommen", skizziert Lütge-Varney das Ziel der jungen Sportlerin aus Hessen.
Eher zufällig kam das erfolgreiche Duo zusammen. "Ein Lehrer aus meiner Trainingsgruppe hat den Kontakt vermittelt."

Für die junge Frau, die erst vor zwei Jahren intensiv mit der Leichtathletik begonnen hatte, waren zuvor Waldläufe mehr nur ein Hobby. "Ich habe sofort gesehen, dass sie Talent hat", sagt der 44-Jährige, der Sarah Kistner seitdem betreut. Erfolgreich, weil seinen Schützling auch eine große Portion Trainingsfleiß auszeichnet.

Martin Lütge-Varney geht mit gutem Beispiel voran. An zwei bis drei Marathons nimmt der Recklinghäuser, dessen Bestzeit über die 42,195 Kilometer bei 2:40 Stunden liegt, im Jahr teil. Boston, Kapstadt, London, Athen - die Liste der bisherigen Startorte ist lang. New York fehlt in dieser noch. "Die Qualifikation hatte ich schon geschafft. Leider hat es aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. Das wäre cool gewesen."

Nach der WM in Lyon gönnt sich Martin Lütge-Varney ein wenig Ruhe. Am 11. Oktober wird der Recklinghäuser aber wieder die Laufschuhe schnüren. Mit Sarah Kistner startet er in Berlin bei der "Asics Grand 10" über 10000 Meter.