Hopp, Schwiiz
04.07.2010 | 21:39 Uhr 2010-07-04T21:39:00+0200
Recklinghausen.In jeder Tempo-30-Zone wäre das ein Fall für den Staatsanwalt. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 46 Stundenkilometern jagte das Spitzentrio bei der zweiten Auflage des Wallring-Rennens in Recklinghausen immer um die Innenstadt herum.
40 Runde a 1,8 Kilometer, insgesamt 72 Kilometer mit einem Affenzahn. Und am Ende gewann einer der ältesten Akteure in dem Feld der 47 Elitefahrer. Der Schweizer Alexander Aeschbach (36) siegte im Sprint vor Björn Thurau (23, Team Bergstraße) und Sebastian Flaskamp vom Team Hürtgenwald.
Die Drei hatten sich nach dem ersten Viertel des Rennens schnell abgesetzt, demoralisierten das Hauptfeld mit unablässlicher Tempoarbeit und waren am Ende satte 1:34 Minuten schneller unterwegs als die schnellsten Verfolger. Da konnten selbst Vorjahressieger Leif Lampater oder der hochgehandelte Sven Krauß nicht mithalten. Sie mussten sich ebenso wie der Rest des Feldes mit Punktprämien begnügen.
Vor einer gegenüber der Premiere im Vorjahr diesmal eher mäßigen Kulisse wurde Recklinghausen seinem Ruf als kraftraubende Hochgeschwindigkeitsstrecke schnell gerecht. Vor allem der Anstieg in Richtung alter Feuerwache, wo eine Bergwertung abgenommen wurde, hatte es ganz schön in sich. Aber auch da zeigte Sprintsieger Aeschbach seine großen Qualitäten. Bei der letzten Wertung rauschte er mit einem Stundenmittel von 50 bergan durch die Lichtschranke. Am Ende hatte er nicht nur den Gesamtsieg inne, sondern auch die Bergwertung gewonnen.
Nichts Besonderes für einen Schweizer, der daheim indes eher für einiges Schmunzeln sorgen dürfte, wenn er von den gerade einmal 560 Höhenmetern auf der gesamten Strecke erzählt. Trotzdem strahlte der Routiniers mit einem breiten Lachen von Wange zu Wange und ließ sich nach seiner Erholungsrunde von den Zuschauern im Zielbereich feiern. „Ich bin mit meinen 36 zwar schon ein alter Sack im Radsport. Aber ich wollte zeigen, dass ein Aeschbach noch etwas drauf hat“, sagte der Sieger, der erst unlängst Schweizer Meister wurde und kurz danach ein Bahnrennen in Öschelbronn gewonnen hatte. Von einer „fantastischen Form“ sprach Rennorganisator Michael Zurhausen.
Der hatte vor der sich abzeichnenden Sprintentscheidungen eigentlich Flaskamp die besten Chancen eingeräumt. Aber der Mann aus dem Team Hürtgenwald zog möglicherweise eingangs der letzten Runde das Tempo zu früh an und wird womöglich nun bei der Nacht der Revanche in Lembeck am 18. Juli versuchen, den Spieß umzudrehen. Auch ein Björn Thurau, Sohn der früheren Radsport-Ikone Didi Thurau, hatte am Ende nicht mehr die Kraft, Aeschbachs unwiderstehlichem Sprint Paroli zu bieten. „Ich musste mein Glück in der Flucht suchen, das war meine einzige Chance“, sagt er. Sein Eindruck von Recklinghausen deckte sich mit dem von Flaskamp: „Eine tolles Rennen und ein gutes Publikum. Es hat Spaß gemacht.“
So ein Fazit hören auch die Veranstalter gerne. „Wir wussten, dass es durch die WM und das Public Viewing in diesem Jahr schwer werden würde“, sagt Henning Prinz, der mit seiner Eventagentur zu den Veranstaltern gehört. „Aber wir wollen dieses Wallring -Rennen etablieren und haben uns gesagt, da müssen wir durch.“ Nächstes Jahr, wenn keine WM, keine Kulturhauptstadt oder sonstige außergewöhnlichen Ereignisse in der Region sind, hoffen er und seine Mitstreiter auf wieder mehr Masse und noch mehr Stimmung an der Strecke.

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