Fünf vor zwölf im Tennisklub

Rund 100 000 Euro, so schätzt der Vorsitzende Christoph Faust, muss die Tennis-Abteilung des TuS 09 Erkenschwick jährlich aufbringen, um den Spiel- und Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten. In Zeiten, in denen sich die Mitgliederzahlen aber dramatisch abwärts entwickeln, sei dieser Betrag nicht mehr aufzubringen, sagt Faust.

Oer-erkenschwick.. "Es ist fünf vor zwölf", erklärt der Vorsitzende in seinem Jahresbericht den rund 40 Mitgliedern am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung im Klubheim. Die rasant steigenden Energiekosten, gepaart mit hohen Darlehenszahlungen an die Bank, verschlingen rund 60 Prozent des gesamten Etats, rechnet Jürgen Meinders vor.

Der bis zum Donnerstag zweite Vorsitzende kümmert sich seit einem Jahr gemeinsam mit Faust in einer Art "Zwei-Mann-Show" um die Belange der nur noch rund 200 Mitglieder der Tennisabteilung. Sinkende Mitgliederzahlen ziehen sinkende Beiträge und weniger Hallenbuchungen nach sich. "Und nur die bringen uns finanziell wieder nach vorne", erklärt Faust. Was also tun?

Mit einer einfachen Erhöhungen der Beiträge sei es nicht getan, sagt der Abteilungs-Chef, der vor einem Jahr angekündigt hatte, seine Vorstandsarbeit 2014 beenden zu wollen. "Erhöhen wir die Beiträge und nur ein Mitglied meldet sich ab, dann sind womöglich zehn Erhöhungen wieder aufgebraucht."

Dabei ist die Abteilung infrastrukturell bestens aufgestellt, verfügt über eine riesige Außenanlage mit neun Plätzen in bester Lage. Dazu wurde in der Halle nach einem Starkregen vor einem Jahr auf den beiden Plätzen ein komplett neuer Boden verlegt. Das Hallendach ist ebenfalls so gut wie neu. "Da hatten wir Glück im Unglück", sagt Faust. Ein Großteil der Kosten wurde über die Versicherung reguliert. Locker könnten beim TuS 09 400 oder mehr Mitglieder untergebracht werden. "Doch Tennis scheint in Oer-Erkenschwick nicht mehr zu funktionieren", vermutet Faust.

Die Baustelle in der Tennishalle habe man schließen können. "Die nächste Baustelle sind die Finanzen", sagt Meinders. Da gibt es keinen Widerspruch aus der Versammlung. In diesem Jahr, so vermutet Faust, werde die Tennisabteilung noch mit einem blauen Augen davonkommen. "Doch wenn danach nichts Entscheidendes passiert, sehe ich schwarz."

Bei solch trüben Aussichten hört auch der Notvorstand des TuS 09 mit Regina Bahlau, Hannes Kemper und Frank Kaiser genauestens zu, der sich gemeinsam mit dem Ehrenvorsitzenden Klaus Skodell einträchtig einen Tisch während der Versammlung teilt. Versprechungen kann das Quartett natürlich keine machen, schließlich wird erst am 11. Juni bei einer außerordentlichen Delegiertenversammlung ein neuer Vorstand gewählt.

"Doch dieser neue Vorstand muss gemeinsam mit der Tennisabteilung eine Lösung finden. Die Voraussetzungen sind schließlich gut", sagt Kemper. Bis dahin werde die Abteilung weiteres Spar-Potenzial ausloten. Die Energiekosten sollen gesenkt werden. Zuschüsse zum Jugendtraining werden wohl ab Winter gestrichen. Der Vorstand werde zudem erneut das Gespräch mit der Bank suchen, um bessere Rückzahlungs-Modalitäten auszuhandeln. "Wenn wir gar nicht mehr zahlen könnten, hätte die Bank schließlich auch nichts davon", sagt Meinders, der im zukünftigen Abteilungsvorstand gemeinsam mit Harald Graczyk als Kassenwart tätig ist.

Ohnehin herrschte zum Abschluss bei der Wahl des Abteilungsvorstandes wieder leichte Aufbruchstimmung, denn mit Thomas Schulz (zweiter Vorsitzender), Manfred Glang und Bernhard Broks (Sportwarte) sowie Rolf Feldhoff und Andre Dunkel (Breitensportbeauftragte) ist die Kommandobrücke wieder gut besetzt. Die Position des Jugendwartes bleibt weiter vakant. Doch mit Ralf Stolz und Udo Möller sind auch hier zwei Fachleute am Werk, die sich um die rund 70 Kinder und Jugendlichen im Verein kümmern.