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Freude und Schmerz

29.01.2012 | 18:45 Uhr
Freude und Schmerz
Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool

Marl.Die A-Junioren des VfB Waltrop sind Kreispokalsieger. Mit einem glücklichen 2:1-Erfolg beim VfB Hüls qualifizierte sich die Mannschaft von Trainer Martin Backwinkler für den Westfalenpokal, schon in zwei Wochen steht für den Waltroper Landesligisten das Duell bei den Sportfreunden Lotte an.

Bei aller Freude beim Sieger und aller Trauer beim Verlierer. Es zeigte sich wieder einmal, wie unwichtig der Fußball sein kann. Der Ausgang des Finales trat lange Zeit in den Hintergrund: Einige Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit – Hüls führte nach dem Treffer von David Sdzuy und hatte die Partie halbwegs im Griff – setzte Waltrops Chahine Ballout zum Fallrückzieher an. Unglücklicherweise stand Marls Verteidiger Tolgahan „Tolga“ Capakli direkt hinter ihm. Er wurde vom Fuß des Waltropers unabsichtlich aber heftig im Gesicht getroffen. Ballout wurde für fünf Minuten des Feldes verwiesen. Capakli erwischte es weit schlimmer: Fast 20 Minuten lang war die Partie nun unterbrochen, die Spieler hielten sich warm, das Schiedsrichtergespann wurde mit Kaffee versorgt, die knapp 120 Zuschauer am Kunstrasenplatz am Badeweiher waren allesamt geschockt. Capakli lag mit blutender Platzwunde an der Nase schwer verletzt auf dem Feld und musste von Rettungskräften und dem Notarzt behandelt werden. Dann wurde er ins Krankenhaus nach Recklinghausen gebracht. Kurz darauf pfiff Schiri Marco Damm die Partie wieder an, in den verbleibenden Minuten bis zur Halbzeit passierte aber nichts mehr. „Da will man gar nicht mehr an Fußball denken“, sagte der Hülser Coach Frank Sinner beim Anstoß zur zweiten Halbzeit.

Dennoch musste weitergespielt werden. Nachdem Marl in der ersten Hälfte bis zur Verletzung von Capakli mehr vom Spiel hatte, gehörte die zweite Hälfte mehr dem VfB Waltrop. Trainer Backwinkler nutzte die erweiterten Wechselmöglichkeiten im Pokal – ausgewechselte Spieler dürfen wieder rein – aus und ließ viel rotieren. Das zahlte sich aus: In der 50. Minute brachte er Rouben Meyer und fünf Minuten später hatte der schon aus dem Gewühl heraus den 1:1-Ausgleich erzielt. Beide Teams hatten ihre Möglichkeiten, man merkte aber vor allen den Hülsern an, dass sie in Gedanken nicht mehr ganz bei der Sache waren, sondern auch bei ihrem Mitspieler und Freund im Krankenhaus. „Für Tolga!“ hieß es immer wieder.

Mit einem Unentschieden nach 90 Minuten und Verlängerung hätten beide Teams zufrieden sein können. Doch ein übler Patzer des Hülser Torwarts besiegelte kurz vor Schluss die Niederlage für die Hülser und machte den VfB Waltrop zum Pokalsieger: Timo Luppatsch ließ einen Freistoß vom langen Jan Miklejewski durch die Hände ins eigene Tor rutschen.

Zwar warf der VfB Hüls nun alles nach vorne, doch Waltrops Keeper Daniel Schmitz hatte einen besseren Tag erwischt als sein Gegenüber und hielt am Ende den Sieg fest. „Natürlich war das ein sehr glücklicher Sieg“, meinte Martin Backwinkler. „Wir sind in der ersten Halbzeit nicht richtig ins Spiel gekommen und waren genau wie die Marler von der Verletzung geschockt. Wir sind – wie die Hülser auch – mitten in der Vorbereitung. Deswegen ist der Pokalsieg natürlich für die Mannschaft schön, aber in Hinblick auf die Saison nicht allzu wichtig. Auch der Westfalenpokal ist mehr Kür für uns.“ Frank Simmer ärgerte sich: „Bitterer geht es wohl nicht. So ein unglückliches Gegentor. Aber wir werden aus unseren Fehlern lernen und gestärkt aus der Vorbereitung kommen.“

In vier Wochen, am 26. Februar geht es in der A-Junioren-Landesliga wieder los.

Hüls: Luppatsch - Supe, Lensing, Vlahovic (71. Kreuz), Capakli (40. Saki), Schlingmann (60. Irak), Meyer, Ballschmiede, Jenschke, Meinberg, Sdzuy

Waltrop: Schmitz - Helmig, Matuszak, Petrausch, Miklejewski, Voll (27. Karagöz), Mursch, Niebert, Gaudigs, Grewe, Ballout (50. Meyer)

Tore: 1:0 David Sdzuy (20.), 1:1 Rouben Meyer (55.), 1:2 Jan Miklejewski (86.)

Paul Monninger

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