Feierabend
29.09.2010 | 15:59 Uhr 2010-09-29T15:59:00+0200
Recklinghausen.Gut, wenn man Erfahrungswerte hat. Dass die Aufsteiger zur German Football League 2 immer erst ein Jahr, beziehungsweise eine Saison Zeit haben, bis sie alle Auflagen erfüllen müssen, hat sich auch für die Recklinghausen Chargers als gut und sinnvoll erwiesen.
Aus dem Auf- wurde gleich wieder ein Absteiger und die Investitionen, die der Verein zum Beispiel in seinem zweiten Jahr in der GFL 2 hätte machen müssen, sind hinfällig. Das Stadion Hohenhorst hat nun zum Beispiel keine Zweitliga taugliche Anzeigetafel, die nicht benutzt wird. Bei den Chargers ist alles wieder auf Regionalliga gestellt.
Dietmar Müller, der Noch-Präsident, der sich bei Mitgliederversammlung am 10. Oktober nicht mehr zur Wahl stellen wird, „zumindest nicht zu der des Präsidenten“, hat mit seinem Team inzwischen aufgeräumt. Die Tränen-Eimer, die nach einer sportlich und deshalb auch wirtschaftlich richtig schlechten Spielzeit randvoll waren, sind längst geleert. Die Tops und Flops, von denen es einige gab, die guten und die schlechten Zeiten, „die bei uns ganz dicht beieinander lagen“, wie Müller sagt, werden ebenso bei der Versammlung aufgearbeitet werden.
Wobei es schon einer besonderen Sicht der Dinge bedarf, um in einer Spielzeit, die keinen Sieg brachte und die fast vorzeitig wegen finanzieller Probleme geendet hätte, positive Aspekte zu finden. Müller hat diesen Blick ohne alles rosarot zu sehen. „Natürlich hatten wir uns mehr erhofft. Aber wir haben die Saison vernünftig zu Ende gespielt und uns vernünftig verabschiedet. Das wurde auch von Verbandsseite gut aufgenommen.“ Sollten die Chargers wieder den Sprung eine Etage höher in Angriff nehmen, erwarten sie vom Verband keine Einsprüche.
Darüber hinaus gilt natürlich auch für die Chargers, dass es kein Problem ist, einen Fehler zu machen. Ein Problem wird es erst dann, wenn sie den gleichen Fehler ein weiteres mal machen würden. Das allerdings steht nicht zu befürchten. Wobei sich natürlich eins grundlegend nicht ändern wird: Football wird von Menschen gespielt und gesteuert. Die sind zuverlässig. Oder eben nicht. Nicola Scaglia war es nicht. An ihm lässt sich die Chargers-Misere bestens festmachen. Er war da, überzeugte als Quarterback, sagte zu, wurde verpflichtet – und kam dann nicht wieder. Danach klappte nichts mehr. Die Chargers mussten sich auf der Position des Spielmachers von einem Behelf zum nächsten retten und Müller lernte daraus: „Es ist super, in der 2. Liga fünf Amis zu haben. Aber die anderen hatten eben auch fünf. Mehr konnten wir nicht machen.“ Immerhin haben nun wieder weitere Chargers-Akteure Zweitliga-Erfahrung. Viele von ihnen werden sie auch in der Regionalliga einbringen.
Davon zumindest ist Müller überzeugt. Er gibt sich ganz entspannt, was die neue, die nächste Mannschaft anbelangt. „Hier bricht nichts auseinander. Am 16. oder 17. Oktober findet wie gewohnt eine konstituierende Spielersitzung statt. Wir sind früh dran. Erst Mitte Februar fallen die letzten personellen Entscheidungen.“
Deutlich früher wird der neue Chargers-Vorstand feststehen. Müller bleibt, will sich aber nur noch „im Marketing-Bereich tummeln. Außerdem um alles, was so um den Spieltag herum passiert. Ich werde mit Tipps und Tricks und Rat und Tat zur Seite stehen“. Auch seinem Nachfolger. Er kennt ihn bereits. Natürlich. „Das habe ich schon eingestielt.“ Erfahrungswerte helfen auch hier.

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