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Einmal im Jahr in den Bergen

26.01.2009 | 11:29 Uhr
Einmal im Jahr in den Bergen

Mal wird gesungen. Mal wird geklönt. Auch das gehört zu einem zünftigen Tag in den in den Sauerländer Bergen. Hier, in Winterberg-Langeweise, liegt die Marler Hütte. Umgeben von einem weißen Kleid. Wie es sich zur Winterzeit gehört.

Winterberg. Für die Mitglieder von Ski-Zunft Marl ist das Sauerland zur zweiten Heimat geworden. „Warum auch weit in die Ferne schweifen”, sagt Gertrud Lehmann. „Hier ist es doch so schön.” Auch ohne Telefon und Fernseher. Das haben die Mitglieder so beschlossen. Abschalten nach alter Tradition in einer schnelllebigen Zeit. Miteinander beschäftigen. Miteinander Freude haben. Den ganzen Tag lang. Jetzt eine Woche lang.

Bis zum Samstag war Marler Hüttenwoche im Sauerland. Gertrud Lehmann und ihr Mann Heinz (69) leiten traditionell die Erwachsenengruppe. Auch zwei Anfänger sind dabei: Mechthild Hermes (47) und Jochen Franke (55) wollen möglichst bald mit den anderen 14 Kursteilnehmern mithalten können. Auch auf der Piste ist es in der Gemeinschaft am schönsten.

Im Haus selbst erkennen nur noch die wenigsten, dass hier früher Kinder in einer Zwergschule unterrichtet wurden. Zu dieser Zeit hatten die Marler ein uriges Vereinsheim im Wald in Lengenbeck. Mit Donnerbalken und fließend Wasser draußen. Als der Pachtvertrag nicht verlängert wurde, zogen sie 1971 in die frei gewordene Schule um.

Die frühere Zeit möchte Heinz Lehmann nicht missen. Doch heute hat der Klub andere Möglichkeiten. Der Bedarf an Skifreizeiten ist groß und das Haus bietet viel Platz. Manches erinnert doch noch an die gute alte Zeit. Zum Beispiel die Holzskier von Friedel Riebe (97), dem Ehrenmitglied. Sie fährt heute selbst nicht mehr. Dafür aber Anni Nakoinz (79), die kommende Woche ihren runden Geburtstag feiert und sich ihr Alter auf der Piste nicht anmerken lässt. Mit flotten Schwüngen geht's ins Tal hinab und mit dem nächsten Sessellift wieder hinauf. Sport hält jung.

Das kann Friedel Müller (75) nur bestätigen. 49 Jahre lang hat er Ski-Kurse geleitet, war Wettkampfrichter, fuhr als Kind im Böhmerwald auf Skiern zur Schule und kennt somit fast alles, was mit Skiern zu tun hat. Ans Aufhören denkt er nicht. „Der Arzt hat mir geraten, nur noch unterhalb von 1500 Metern zu fahren”, sagt er, lacht und denkt sich: Diesen Spaß möchte ich noch lange genießen. Gerade heute, wo es so einfach geworden ist. Früher, als er anfing auf Holzbrettern, da gab es Lederriemen und öfter Spitzensalat. Vieles ging zu Bruch. „Da hattest du sogar Reservespitzen dabei. Man musste ja noch runterkommen.” Heute genießt er den Carver. Deutlich kürzer. Drehfreudig.

Das kommt auch den Anfängern zugute. Heinz Lehmann, selbst ausgebildeter Skilehrer, spricht aus Erfahrung. Unzählige Menschen hat er schon ausgebildet für die Ski-Zunft Marl. Doch so einfach der Carver auch erscheint, die Aufwärmübungen ersetzt er nicht. Mit einem dreifachen „Brettl lupf” begrüßen die Marler den herrlichen Ski-Tag. Dann geht's los. „Das Knie anheben”, sagt Lehmann, „jetzt die Spitzen hoch und danach hüpfen.” Die Augen der Teilnehmer verraten die Vorfreude. Lehmann bleibt mit den beiden Anfängern am Rauhen Busch. „Das war gut gestern. Heute vertiefen wir die Schwünge.” Seine Frau Gertrud fährt mit den anderen die große Runde im Schatten des Kahlen Astens.

Früher gab's nur einen Lift an der Sprungschanze. Heute ist es fast ein Traum, was das Ski-Karussell in Winterberg bietet. Zwar sind die Pisten im Vergleich zu den Alpen sehr, sehr kurz. Dafür aber geht's fix weiter zur nächsten Abfahrt – wenn die Holländer nicht gerade da sind. Das ist auch der Grund, warum die Marler Senioren lieber unter der Woche ihre Ski-Freizeit abhalten. Am Wochenende ist es zu voll. Da bekommt man kaum noch einen Skier in den Schnee.

Zurück von der Tour geht's in die Hütten. Halbzeit eines schönen Tages. Eine Brotzeit mit Glühwein. Später, nach vielen weiteren Abfahrten, kehren sie in der eigenen Hütte ein. Dort wartet Hobbykoch Peter Hallmann (60). Heute gibt es Zwiebelsuppe, Gullasch mit Pilzen, Obstsalat zum Nachtisch. Natürlich wird auch gesungen zum Marler Apres-Ski: „Einmal in den Jahr in den Bergen, einmal im Jahr Ski fahrn sein, einmal im Jahr ohne Sorgen…”

Detlev Seyb

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