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Eine meisterliche Familie

17.06.2012 | 20:12 Uhr
Eine meisterliche Familie
Schalker Jubel nach dem Schlusspfiff

Oer-Erkenschwick. Klar, auch auf den Meister-T-Shirts steht’s: Team-Spirit. Und dieser Titel, den die A-Juniorenfußballer des FC Schalke 04 dank ihres 2:1 (0:0)-Sieges über den FC Bayern München gewonnen haben, ist genau das Ergebnis dieser Gemeinsamkeit. Zum neuen Deutschen Meister gehören nicht nur die bekannten Hauptdarsteller, sondern auch andere. Nachzulesen ist das Funktionsteam im Sonderheftchen des Deutschen Fußball-Bundes: Dort taucht neben Betreuer Erwin Kreutzmann und Physiotherapeut Holger Remmers unter anderem auch Conny Elgert auf. Sie stutzen? Die Funktion wird jedenfalls erklärt: Ehefrau von Norbert Elgert.

Das hätten wir also, kommen wir nun zum Fußball, zu einer Schalker Mannschaft, die bis auf ganz, ganz wenige Aussetzer eine herausragende Saison gespielt hat. Leicht verständlich fasste dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit Ridvan Balci zusammen, nachdem er Conny Elgert den Blumenstrauß der Mannschaft überreicht hatte. „Wir sind ja schon wie eine kleine Familie“, sagte er. Wohl auch deshalb haben sich die Schalker vom 0:1-Rückstand aus der 59. Minute nicht beirren lassen. „Wir haben an uns geglaubt“, sagte Ridvan Balci. „Wir waren in der zweiten Halbzeit klar besser und haben Druck gemacht“, sagte Max Meyer. „Jeder wusste, dass wir wieder aufstehen“, sagte 1:1-Torschütze René Klingenburg. „Es war klar, dass wir nach dem 0:1 noch mal aufdrehen“, sagte Philipp Max, der Sohn eines Schalker Eurofighters von 1997, Martin Max.

Diese Meyers, Klingenburgs und Max werden weiter ein königsblaues Trikot tragen, ihr Meister-Kumpel Ridvan Balci jedoch nicht. Er wechselt zu Borussia Mönchengladbach II. Fällt ihm der Abschied nicht schwer? „Ja, auf jeden Fall“, sagte der 18-Jährige. „Aber ich habe hier keine Perspektive geboten bekommen. Die ist in Mönchengladbach besser, und dort schaffe ich hoffentlich den Schritt nach oben.“

Den Schritt nach oben schafften die Schalker A-Junioren am Sonntag vor 13 000 Zuschauern und vielen berühmten Augen – denen von Jupp Heynckes, Andreas Möller, Jörg Butt, Horst Heldt, um nur einige zu nennen – in der zweiten Hälfte. „Nach ihrer ersten Halbzeit müssen die Bayern bitter enttäuscht sein“, sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. „Wir waren in der ersten Halbzeit insgesamt zu passiv. Da sind wir einigermaßen durchgekommen“, sagte Schalkes Trainer Norbert Elgert. „Aber wir hatten es auch mit der spielstärksten deutsche Mannschaft, vielleicht sogar Europas, zu tun.“

Diese Eindrücke der beiden Fußball-Lehrer änderten sich nach dem Wechsel. Und so sah auch Schalkes Profi Joel Matip, der fürs Finale extra aus Kamerun zurückgekehrt war, eine Mannschaft der Königsblauen, „die ordentlich mehr Zug nach vorne hatte“, wie Elgert sagte. So sorgte auch der 0:1-Rückstand nicht für einen Bruch und schon gar nicht für einen Schock. Im Gegenteil: Die Schalker erhöhten ihren Druck und ihre Klasse noch mehr. So köpfte René Klingenburg nach einer Ecke von Kaan Ayhan das 1:1, während Philipp Hofmann in der 73. Minute das Tor zum Titel schoss.

Gibt es eine Prämie für die Meister-Spieler? Oliver Ruhnert, Sportlicher Leiter der Knappen-Schmiede, beantwortete die Frage mit dem Hinweis auf den verantwortlichen Horst Heldt nicht. Der Manager schmunzelte und sagte, dass „wir uns was einfallen lassen, das aber in Ruhe besprechen werden“. Jedenfalls war er begeistert. „Die sollen so weitermachen. Dann werden sie vielleicht mehr Geld verdienen, als sie jetzt als Prämie bekommen können“, sagte er.

Und Matthias Sammer ist überzeugt davon, dass nicht nur ein Fußballer aus diesem Finale seinen Weg machen wird. „Mir haben viele Spieler sehr gut gefallen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn Sie den einen oder anderen spielen sehen. Da ist ja auch einer reingekommen, der Jahrgang 1995 ist, auch wenn er kurz vor Schluss wieder rausmusste“, sagte der DFB-Sportdirektor. Max Meyer eben. Matthias Sammer wollte aber keinen Kicker speziell herausheben. „Das machen wir später“, sagte der 44-Jährige.

FC Schalke 04: Raeder – Korczowski, Ayhan, Kolasinac, Borgmann – Klingenburg, Baus, Zander, Balci (89. Babic) – Hofmann, Max (63. Meyer, 90. Harder).

Tore: 0:1 Alessandro Schöpf (59.), 1:1 René Klingenburg (67.), 2:1 Philipp Hofmann (73.).

Andree Hagel

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