Ein Sieg für die Geschichtsbücher
09.08.2010 | 18:54 Uhr 2010-08-09T18:54:00+0200
Racice/Tschechien. Das ist der helle Wahnsinn: Gold, Silber und Bronze. Die vestischen Ruderer brachten von der U19-Weltmeisterschaft aus dem tschechischen Racice gleich das ganze Paket mit.
Oder man sagt es so: „Einfach geil.“ Timo Piontek aus Dorsten hatte sich einen Eintrag in die Geschichtsbücher verdient. Weltmeister 2009. Weltmeister 2010. Beide Male im Doppelzweier. Beide Male souverän. Das schaffen nicht viele in der U19-Klasse, weil der ältere Jahrgang meist so stark ist, dass nur wenige zwei U19-WM-Chancen bekommen. Es war eine Kopie des Erfolgs von Brive-la-Gaillarde, nur mit einem Unterschied: Diesmal hieß der Partner nicht Hubert Trzybinski sondern Stephan Riemekasten. Beide kommen aber aus dem gleichen Verein: Von der SG Rotation Berlin.
Wenn Timo Piontek nun also mit der Empfehlung von zwei U19-WM-Titeln in die U23-Klasse wechselt, dann sollte er auf der Suche nach einem Zweier-Partner immer Richtung Berlin schauen. Offenbar spricht er mit den Sportlern des Clubs die gleiche Sprache. Beeindruckend in Racice war wieder einmal das Steigerungspotenzial im Laufe des „Turniers“, das Piontek/Riemekasten demonstrierten. Sie begannen stark, wurden mit jedem Rennen immer stärker und im Finale so stark, dass sie die gesamte Konkurrenz deklassierten. Quasi ein Sieg mit Ansage.
Für den Junioren-Achter fühlte sich die Silbermedaille wie eine goldene an. Es war eines der schnellsten Junioren-Rennen aller Zeiten, in dem Malte Jakschik und Rene Stüven bis zum Ende toll mithielten. „Wäre die Strecke etwas länger gewesen, vielleicht hätten wir ja noch gewonnen“, sagte Trainer Bernd Nennhaus. Seine drei Jahre anhaltende Gold-Serie (zwei Titel mit Vest-Beteiligung von Jannis Augustin und Julien Corzilius) ist mit dem zweiten Platz hinter den pfeilschnellen USA allerdings gerissen.
Aber dafür besteht eine andere weiter: Seit sieben Jahren steht der Deutsche Ruderverband im Junioren-Achter ununterbrochen auf dem Treppchen und war niemals schlechter als Platz zwei. Das verdient Respekt. „Ich kann meinen Jungs nur ein Kompliment aussprechen. Ich wusste, wie schnell sie sind. Aber dass sie so schnell sind“, strahlte Nennhaus: „Vor zwei Jahren haben wir mit etwas Glück Neuseeland geschlagen. Diesmal hat uns eben dieses bisschen Glück gefehlt.“ Die USA gewannen in 5:37,08 Minuten, hauchdünn mit 65 Hudertstel Sekunden Vorsprung vor Deutschland (5:37,73 Minuten). Ohne Chance auf den Titelkampf waren die im Vorlauf sehr starken Italiener, die sich aber noch vor Rumänien Platz drei sicherten.
Erst hatten noch die Deutschen geführt, aber nach 500 Metern waren nahezu alle Teams gleichauf. Dann aber setzten die US-Boys auf der Außenbahn zu einem Riesenspurt an, überholten sprichwörtlich auf fast leisen Sohlen das gesamte Feld und diktierten die Schlagzahl. Der Jakschik-Achter konnte folgen, machte weiter mächtig Betrieb und legte im Schlussspurt noch einmal eine ordentliche Schüppe Kohlen drauf. Mit jedem Schlag kam das deutsche Flaggschiff heran, auf der Tribüne heizten die Fans noch einmal die Stimmung an. Es reichte nicht ganz, aber dennoch war Malte Jakschik total zufrieden: „Wir haben eine Medaille und die hat nicht jeder.“ Was noch schöner ist: Malte Jakschik und Rene Stüven dürfen als jüngerer Jahrgang gar auf eine zweite U19-WM hoffen.
Für Charlotte Siering war es schon die zweite und es könnte noch eine dritte dazukommen. Vergangenes Jahr holte sie Bronze, dieses Jahr gab es Bronze - jeweils im Achter. Der Sieg der Britinnen war zu keiner Zeit in Gefahr. Dass aber der Siering-Achter mit den USA mithielt und die anfangs auf Platz drei liegenden Rumäninnen noch vom Bronze-Rang verdrängte, verdient Respekt. Hartmut Buschbacher, Cheftrainer des Deutschen Ruderverbandes, war voll des Lobes: „Die Mädels haben das ganz toll gemacht. Sie sind sehr offensiv gefahren.“
Schade war nur, dass sich Michel Palisaar vom RV Rauxel seinen Medaillentraum nicht erfüllen konnte. Im gesteuerten Vierer fehlten winzige neun Hundertstel zum Finaleinzug. Im B-Finale packte das Quintett noch einmal den Hammer aus und ruderte sich zum Sieg. So war es am Ende Platz sieben im Gesamtklassement.
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