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American Football

Ein Italiener für die Chargers

09.12.2009 | 12:18 Uhr

Recklinghausen. Nicolo Scaglia – alleine der Name verspricht Fantasie, Spielfreude und Temperament. Genau diese Eigenschaften versprechen sich auch die Recklinghausen Chargers. Beim Try out des American Football Zweitligisten zeigte der Quarterback der italienischen Nationalmannschaft was er kann.

Gestochen scharfe Pässe, eine tolle Auge-Hand-Koordination – Scaglia holte ein unschlagbares Argument für eine Verpflichtung nach dem anderen aus dem Handgelenk. Zudem versteht der 24-Jährige auch noch Deutsch, spricht fließend Englisch und integrierte sich sofort in die Gruppe.

Nicolo Scaglia absolviert in Recklinghausen ein Probetraining als Quarterback bei den Chargers. Scaglia spielte zuletzt drei Jahre in Italien bei den Bologna Doves. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool

Bereits wenige Minuten nach den ersten Aktionen des Italieners zollte Cheftrainer Heiko Czarnotta diesen mit einem vielsagenden Kopfnicken Respekt. "Der Jungs kann was. Was er macht hat Hand und Fuß. Man merkt, dass er das Spiel verstanden hat." Keine Frage also, dass sich die Recklinghäuser eine Verpflichtung des Italieners durchaus vorstellen können. Auch Scaglia könnte sich eine sportliche Zukunft bei den Chargers durchaus vorstellen. "Ich würde gerne eine Saison im Ausland spielen. Und was ich bisher von Recklinghausen gesehen habe, gefällt mir gut."

Auch sportlich scheint der Aufsteiger für den Spielmacher eine ernstzunehmende Alternative zu sein. Denn das ebenfalls für diese Woche geplante Probetraining in Kopenhagen sagte Scaglia kurzerhand ab, weil er sich Recklinghausen und die Trainings- und Spielstätten der Chargers in aller Ruhe anschauen wollte.

Genau dieses Gewissenhafte, diese Verlässlichkeit die der Italiener ausstrahlt, suchen die Recklinghäuser auf der Position des Quarterbacks. Doch diese Ausstrahlung kommt nicht von ungefähr. Sie ist eher ein Ergebnis jahrelanger harter Arbeit bei einem der Top-Teams in Italien. Aufgewachsen in Bologna entdeckte Scaglia schnell seine Leidenschaft für American Football. Richtig ernsthaft durfte er seiner Leidenschaft dann allerdings erst mit 17 Jahren frönen. Zunächst bei den Warriors und in den letzten drei Jahren dann bei den Doves Bologna in der ersten italienischen Liga. Dort schaffte er das Kunststück sich als einziger Italiener als Starting Quarterback durchzusetzen. "Das war schon harte Arbeit, weil viele Trainer lieber auf Amerikaner und Kanadier setzen. Auf diese Leistung bin ich schon stolz."

Seine konstant guten Leistungen machten auch den italienischen Nationaltrainer auf ihn aufmerksam. Seit einigen Jahren schon gehört er so zum Stamm des Nationalteams. Allerdings nicht als Nummer eins auf der Spielmacher-Position. "Dort bevorzugt unser Coach einen Italo-Kanadier. Aber das ist okay. Ich bekomme als zweiter Mann trotzdem immer wieder meine Chance."

American Football ist für den 24-Jährigen ein Teil seines Lebens. Allerdings ein Teil, der nur in den Monaten von April bis Juli seinen Lebensrhythmus bestimmt. Länger läuft die Saison in der ersten italienischen Liga nicht. Den Rest des Jahres hält er sich mit Basketball und viel Athletiktraining fit. Vor allem da profitiert er von seinen zwei Jahren an der Southern State University in Virginia. "Das waren tolle Jahre, die mir sehr viel gegeben haben. Vor allem haben sie mir gezeigt, wie wichtig es ist mal über den eigenen Tellerrand zu schauen."

Genau das will er im kommenden Sommer wieder tun. Geht es nach Czarnotta und den Chargers, dann soll er dies möglichst erfolgreich in der 2. American Football-Bundesliga tun. Mit sicherem Auge, millimetergenauen Pässen und seiner internationalen Erfahrung. Der Mann würde dem Spiel der Chargers gut tun.

Sven Krause

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