Die Zu-Spätstarter
11.04.2010 | 19:49 Uhr 2010-04-11T19:49:00+0200
Recklinghausen.Kalt erwischt, tief durchgeatmet, Hoffnung geschöpft und am Ende richtig geärgert. Anhand dieser vier Gefühlslagen von Cheftrainer Heiko Czarnotta lässt sich die Premiere der Recklinghausen Chargers in der German Football League 2 und die 6:11-Niederlage gegen die Lübeck Cougars gut nachempfinden.
So sauer Czarnotta angesichts der leichtfertig vergebenen Siegchance war, so sicher ist er sich, dass seine Mannschaft in der 2. Bundesliga mitspielen kann. Außerdem gab ihm das Spiel einige durchaus wichtige Erkenntnisse für die kommenden Partien. Die vielleicht wichtigste: die Defensive funktioniert und ist sogar noch steigerungsfähig. Einzig in den ersten zwei Minuten war die Verteidigung um Chef Payman Dalili nicht im Bilde. Drei Pässe von Quarterback (Spielmacher) Ole Wulf und die Chargers-Defense war zum ersten Mal geknackt. Den dritten und finalen Pass pflückte Jan Wulf in der Endzone aus der Luft und sorgte für die frühe 6:0-Führung.
Nach diesem Schock funktionierte die Defensive gut, richtig gut sogar. Neben Dalili wusste vor allem Linebacker (zentraler Verteidiger) Robert Prescott zu überzeugen. Mit zwei Sacks (Tackles bevor der Quarterback den Pass werfen kann) und etlichen guten Aktionen deutete er an, wie wertvoll er werden kann. Czarnotta: „Zudem gehe ich davon aus, dass sich Jag Ball noch steigern wird. Außerdem kommt mit Tim Krüßmann noch ein erfahrener Spieler dazu. Daher mache ich mir darum keine Gedanken.“
Deutlich mehr ins Grübeln kam der Chefcoach bei der Vorstellung seiner Offensive. Zunächst funktionierte zwei Mal der Block nicht, so dass Quarterback Tobias Schmidt in der eigenen Endzone gesackt wurde - was wiederum vier Punkte für die Lübecker bedeutete. Kurz nach dem zweiten Sack stellte Czarnotta um, brachte Youngster Thomas Icking als Quarterback und ließ Schmidt als Wide Receiver auflaufen. Diese Umstellung brachte zwar deutlich mehr Sicherheit, wirklich gefährlich wurde der Defense der Lübecker bis ins letzte Viertel hinein nur Running Back (Ballträger) Philipp Craig. Zunächst weckte der US-Amerikaner mit einem Lauf über 60 Yards bis kurz vor die Endzone der Lübecker die eigene Mannschaft und auch die Fans auf. Im letzten Viertel besorgte er mit einem Lauf über gut 37 Meter den ersten Touchdown der Chargers in der 2. Bundesliga. Spätestens nach diesem Lauf wackelten die Lübecker bedenklich.
So wurde es in den letzten Sekunden des Spiels noch einmal hektisch. Immer wieder schickte Czarnotta Quarterback Icking und die Offense schnell in die Ausgangsposition, damit es vielleicht doch noch mit dem zweiten Touchdown und damit gleichbedeutend mit dem ersten Sieg klappen sollte. Im letzten Moment änderte Icking den Spielzug, wollte selber laufen, wurde frühzeitig gestoppt und Lübeck sicherte sich den Ballbesitz und dadurch auch den Sieg. „Am Anfang und am Ende haben wir Lehrgeld bezahlt“, sagte Czarnotta. „Doch dazwischen hatten wir Lübeck am Rande der Niederlage und daher ärgere ich mich schon. Was mich aber optimistisch stimmt war die Leistung der Defensive und die Läufe von Philipp Craig. Außerdem hat Thomas Icking als Quarterback ein gutes Spiel gemacht. Darauf können wir aufbauen.“

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