Die neue Mischung macht’s
03.09.2010 | 18:53 Uhr 2010-09-03T18:53:00+0200
Marl.Der Mann will es ganz genau wissen. Zweimal nahm Andrzej Rudy den VfB Hüls in den vergangenen Tagen unter die Lupe. Nach Windeck und Wanne-Eickel reiste der Trainer der Sportfreunde Siegen an, um dem kommenden Gegner auf die Füße zu schauen.
„Das zeigt, dass er seine Aufgabe ernst nimmt und er sich weiterentwickeln will“, lobt Olaf Thon den Kontrahenten, gegen den er früher in der Bundesliga antrat und der jetzt bereits zum dritten Mal in nicht einmal sechs Monaten sein Gegenüber auf der Trainerbank.
Die Bilanz spricht für Siegen, dass die beiden Begegnungen in der Vorsaison gewann (2:1, 1:0). Aber die Karten werden gerade neu gemischt. Hüls ist gut in die neue Saison gestartet, etwas besser sogar als die Sportfreunde. Thon: „Ich habe gelesen, dass Siegen einen Etat von 1,5 Millionen Euro hat. Dass wir mit einem Fünftel bis einem Sechstel dieser Summe in der Lage sind, mit ihnen mitzuhalten, darauf können wir schon stolz sein.“
Die neue Mischung macht’s beim VfB. Am Sonntag in Windeck standen vier Spieler in der Startformation, die im Sommer zum Badeweiher gekommen sind. Alle haben bislang überzeugt: Tim Helwig, Yakub Köse, Kai von der Gathen und Glen Akama Eseme. Dahinter gibt es weitere Akteure wie Alexander Schlüter oder Samet Alpay mit mehr als vielversprechenden Ansätzen und einem noch verletzten Adrian Gurzynski, der ebenfalls eine Verstärkung werden dürfte, wenn er erst einmal fit ist. Der unfreiwillig Personalumbau nach dem Verlust von Leistungsträger wie Tim Dosedal, Markus Krawietz, Sebastian Senger oder Sven-Ole Lemke ist offenbar geglückt.
Wobei dem Trainer und seinem Stab die Ehre gebührt, die Spieler richtig eingeschätzt zu haben. Bemüht hat sich Olaf Thon selbst kaum um jemanden. Akteure wie Akama Eseme, Helwig oder von der Gathen haben sich selbst angeboten und wurden für gut befunden. „Die sind uns wie Blütenstaub zugeflogen“, sagt der VfB-Trainer, der mit dem neuen Personal allmählich auch spürbar seinen Stempel als Trainer hinterlässt. Kollege Andrzej Rudy lobt ihn jedenfalls über den grünen Klee: „Ich denke, dass die Handschrift von Olaf in dieser Saison an den Leistungen des VfB Hüls abzulesen ist.“
Das hört man doch gerne. Auch als Weltmeister, der in Sachen Trainertätigkeit aber trotz seines Fußballlehrer-Scheins noch in der praktischen Ausbildung ist. Auch darin gleichen sich die Trainer Rudy und Thon. Der eine, Thon, verspricht dem anderen, Rudy, auch schon einmal für diesen Samstag, dass er sich trotz der 180-minütigen Beobachtungsphase möglicherweise noch wundern wird. „Wir wollen taktisch schon so auftreten, dass meine Kollegen vielleicht doch noch ein bisschen überrascht ist.“
Den Schlüssel zum bisher positiven Auftreten sieht Olaf Thon nicht nur in der Mischung aus bewährten Kräften und den Zugängen, sondern auch im richtigen Altersschnitt. Vor allem den Routiniers wie Tobias Rantzow, Engin Yavuzaslan, Kadir Mutluer oder Marc-André Narewsky weist er eine wichtige Rolle zu. „Das sind die Leute, auf die ich mich verlassen kann.“ Sie sollen die Stützen des VfB 2010/11 sein.
Um sie herum hat die Mannschaft eine veränderte Struktur, die nach Einschätzung des Trainers auch schon durchaus gefestigt ist. „Aber wir müssen weiter über Automatismen daran arbeiten.“ Denn so vielversprechend der Saisonbeginn am Badeweiher auch bislang ist. „Ich bin Realist“, sagt Olaf Thon. „Vielleicht spielen wir ja auch schon am Limit.“ Wenn es so sein sollte, dann ist es seine Aufgabe, die Mannschaft so lange und so nah wie möglich an dieser imaginäre Grenze zu bewegen.

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