Die Last des Sprintstarts
08.12.2008 | 15:53 Uhr 2008-12-08T15:53:00+0100
Recklinghausen. Mit 7:1 Punkten ist die PSV Recklinghausen in die Saison gestartet. Um so enttäuschender wirkt die Bilanz der vergangenen fünf Spiele. Was der PSV vor allem fehlt, sind die eigentlich hundertprozentigen Tore.
Trainer und ihre Leiden. Eine lange Geschichte, die man aber auch in aller Kürze erzählen kann. Kai Harbach kann das, indem er noch mal die letzten zwei Minuten des PSV Recklinghausen-Gastspiels bei Union Halle-Neustadt als rasant geschnittenen Spielfilm ablaufen lässt: „Wir führen mit zwei, sind vorne frei durch, die Torhüterin hält. Gegenzug und Anschlusstreffer. Wir sind im Angriff wieder frei und verschießen. Gegenzug und Unentschieden. Wir haben die Chance und werfen das Tor, das wird aber nicht gegeben. Kreis ab. Gegenzug, Siebenmeter, der ist drin, das Spiel zu Ende und wir haben verloren.” So weit das Pech- und Pannen-Stakkato der PSV aus Halle-Neustadt. Der Schluss des Spielfilms ist Kai Harbach nachhaltig in Erinnerung geblieben: „Das war brutal enttäuschend.”
Seit fünf Spielen hat die PSV nicht mehr in der 2. Bundesliga gewonnen. Allein beim Blick auf die Tabelle, auf die nun 8:10 Punkte, ist vom Sprintstart der Recklinghäuserinnen in die 2. Bundesliga nichts mehr zu bemerken. Gerade diese 7:1 Punkte aber sind es, die die jüngsten fünf Spiele noch ein Stück dunkler ausleuchten, als es die 1:9 Punkte daraus ohnehin schon tun.
Der Trainer hält sich nach wie vor ans Drehbuch, das aus dem Zahlenwerk der Tabelle hervorgeht: „Ich habe nach den 7:1 Punkten gesagt: Die Tabelle lügt nicht. Und das sage ich auch nach zuletzt 1:9 Punkten.”
Daraus folgt für Kai Harbach: Was der PSV vor allem fehle, sei ein Erfolgserlebnis. Die waren zu Beginn dieser Zweitliga-Spielzeit wahrlich noch keine Mangelware für die Recklinghäuserinnen.
Ja, diese Erfolgsreihe vom Sasonbeginn: „Mit diesen 7:1 Punkten haben wir Begehrlichkeiten geweckt, die wir nicht erfüllen können”, blickt der Trainer auf den Ligastart zurück. Und erinnert, wie damals bereits, daran: Die stärksten Gegner sollten erst noch kommen. Der Anfang vom Ende der Serie war die 35:39-Niederlage in Greven. Der Knackpunkt aus Harbachs Sicht. Nicht allein, weil das Spiel Derbycharakter hatte.
Sondern es war das erste Spiel in dieser Saison, in dem die Recklinghäuserinnen immer einem Rückstand hinterherliefen, ohne entscheidend heranzukommen: „In Greven haben wir chancenlos agiert.” Und mit dieser Erfahrung gingen die PSV-Frauen in die nächsten Begegnungen, die nächsten beiden Gegner waren ausgerechnet die Top-Teams aus Berlin und Rosengarten, wo sich auch noch Daniela Hannemann so schwer verletzte, dass sie für den Rest der Saison fehlen wird.
Was tun in der aktuellen Situation? Weiter arbeiten, weiter trainieren, so Kai Harbach. Geredet werde sowieso, jeden Dienstag nach den Spieltagen.
Die Stimmung sei gut, beim Training läuft's gut, so Harbach, manchmal fehlt die ein oder andere beruflich, alles im üblichen Rahmen. Was der PSV Recklinghausen zu oft fehlt, sind die Tore, die eigentlich fallen müssen. Ob nun aus den Situationen frei durch oder in manchen Szenen auch einfach mal aus dem Rückraum. Den Zähler der letzten fünf Spiele holte die PSV aus dem Match gegen den Rostocker HC. Mit 22:25 haben die Recklinghäuserinnen da schon zurückgelegen, um dann noch zu punkten. Eine Schlussphase, die den Recklinghäuserinnen ganz anders in Erinnerung sein dürfte als das Ende in Halle-Neustadt.

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