Die Hitze war unerträglich

Vom Leistungsgedanken hatte sich Andrea Mrug, Triathletin des TuS 09 Erkenschwick, verabschiedet. Angesichts der tropischen Begleitumstände gab die Recklinghäuser Ausdauersportlerin einfach nur ankommen als oberstes Ziel aus. Und das klappte: Andrea Mrug finishte die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am Main.

Oer-erkenschwick.. Die ehemalige Handballerin der PSV Recklinghausen benötigte für den Ironman (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) insgesamt 11:43:25 Stunden und belegte damit unter allen Triathleten Rang 754. Unter ambitionierten und ehrgeizigen Hobbysportlern gilt die Elf-Stunden-Marke als Schallmauer. Diese zu unterschreiten, war für einige Athleten bei bis zu 37 Grad Außentemperatur schlicht unmöglich.

Von den gut 2 700 Startern mussten knapp 400 vorzeitig aufgeben. Nicht so der neue Europameister Jan Frodeno: Der 33-jährige Profi brauchte 7:49:48 Stunden für die drei Disziplinen und unterbot den Streckenrekord um knapp fünfeinhalb Minuten.

Andrea Mrug war zu jenem Zeitpunkt gerade auf die Laufstrecke gewechselt. "Bei Kilometer zehn kam der Hammer", so die Oberstudienrätin über den (zu erwartenden) Hitze-Schub am späten Nachmittag. "Es war wirklich extrem. Ich habe schnell gemerkt, dass die Beine immer schwerer wurden." Mrug "schleppte" sich von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle. "Immer wieder musste ich kurz langsamer werden und etwas trinken oder mit Eis meinen Körper herunterkühlen. Die Hitze war unerträglich."

Und genau jene Umstände machten eine bessere Zeit zunichte. "Vom Potenzial her hätte ich wesentlich schneller laufen können", sagt Mrug über ihren fünften Langdistanz-Triathlon. Nach 1:01:52 hatte Mrug die 3,8 Kilometer Schwimmen hinter sich gebracht. "Damit bin sehr zufrieden." Danach häuften sich die Probleme - mit steigender Temperatur. "Mit der Zeit beim Radfahren bin ich auch noch zufrieden", meint die Recklinghäuserin über die 5:51:28 Stunden auf der Radstrecke.

"Irgendwann kam beim Laufen der Zeitpunkt, an dem ich alle Ziele beiseite schob und nur noch ankommen wollte. Das habe ich geschafft und darauf bin ich unglaublich stolz." Denn anderen Läufern erging es wesentlich schlechter: "Ich habe unterwegs sehr viel Elend gesehen. Völlig ausgepumpte und erschöpfte Sportler. Der Kopf wollte, aber der Körper konnte nicht mehr." Wie beim ehemaligen TuS-Athleten Peter Bockholt, mit dem Mrug im Vorfeld einige Trainingseinheiten absolviert hatte.

Schon ab November bereitete sich Mrug auf die EM in Frankfurt vor, die mit Rang sieben in der Altersklasse 45-49 einen vorzeigbaren Abschluss fand. Nun will sich Mrug im anstehenden Sommer-Urlaub von den Strapazen erholen. "Ehrlich gesagt habe ich aktuell kein festes Ziel im Blick. Mal schauen, ob ich dieses Jahr noch ein Rennen mache oder ob es erst 2016 mit dem nächsten Wettkampf weitergeht. Das ist eine Sache der Motivation."

In Spitzenzeiten "opfert" sie bis zu 20 Stunden in der Woche für das Training. "Es ist natürlich ein zeitintensives Hobby", sagt Andrea Mrug. Vielleicht kommt ja im Urlaub die Lust zurück? "Ganz bestimmt", sagt Mrug.