Der Süden stellt sich quer

Foto: WP

14 Jahre nach der großen Kreisstrukturreform in Westfalen steht der Handball vor der nächsten Neuerung. Der Handballverband Westfalen will zur Saison 2016/2017 die Bezirke auflösen. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf den Spielbetrieb in den Landes- und Bezirksligen. Am 9. Februar sollen dazu die Kreise gehört werden, die Entscheidung will der HVW am 8. März fällen.

Grund ist die demografische Entwicklung in Deutschland. Bundesweit hat sich der Handball zwar als siebtgrößter Sportverband mit 786 748 Mitgliedern stabilisiert. Der DHB hat aber laut DOSB-Mitgliederstatistik von 2014 im Vergleich zu 2013 16 625 Mitglieder verloren, was ein Verlust von 2,07 Prozent ausmacht.

Auch im Kreis Industrie ist die Zahl rückläufig: Binnen eines Jahres (2014 bis 2015) verlor der Kreis laut „Westfalen Handball“ vom 16. Januar 2015 38 Senioren- und Jugendteams. Westfalenweit summiert sich der Rückgang auf 216 Teams, die in zwölf Monaten verschwanden.

Der HVW will mit den Bezirken daher eine ganze administrative Ebene kappen und sie auflösen. Das wäre nach Meinung von Holger Kück, als TK-Vorsitzender im Handballkreis Industrie für den Spielbetrieb zuständig, nachzuvollziehen: „Einen Bezirk als Organisation brauchen wir nicht mehr.“ Anders sehen es Kück und der Kreis Industrie, der in dieser Sache mehrfach beraten hat, in einer anderen Angelegenheit.

Als Folge der Auflösung der Bezirke denkt der HVW darüber nach, auch die Bezirksligen abzuschaffen. Die Landesligen sollten aus den Bezirken in den Verantwortungsbereich des Verbandes gehen, die Bezirksligen ersatzlos gestrichen und die Vereine in die jeweiligen Kreise verteilt werden.

In einigen Kreisen, so ist zu hören, könne man sich eine Kreis-Oberliga vorstellen, mit der ein verstärkter Abstieg aufgefangen werden soll. Ein Szenario, das im Kreis Industrie auf wenig Gegenliebe stößt. Kück: „Es gibt keine Beschlusslage im Bezirk Süd, die Bezirksligen aufzulösen.“ Das Gegenteil sei der Fall: Die beteiligten Kreise seien sich im Grundsatz einig, nach der Reform zur Saison 2016/2017 die Bezirksligen – dann in eigener Regie – beizubehalten. Kück: „Uns würde doch sonst eine sportliche Ebene fehlen.“

Im Fall der Bezirksliga 4 der Herren wäre das ohne Weiteres möglich. Die besteht aus sieben Vereinen des Kreises Industrie und sieben Vereinen des Kreises Dortmund. Zugute kommt, so Kück, dass die Vereine im Süden stärker aufgestellt seien als die im Norden.

Zu klären wären die Zuständigkeiten, etwa der Rechtsprechung. Ob die sechs Kreise des Bezirks Süd sich durchsetzen werden, bleibt die spannende Frage: Schlimmstenfalls würde es ein uneinheitliches Konstrukt geben: Der Norden ohne, der Süden mit Bezirksligen.

Ob das eine Mehrheit findet, ist nun die große Frage.