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Hertener Löwen und die...

Der Preis des Erfolges

15.02.2010 | 17:17 Uhr
Der Preis des Erfolges

Ein Aufstieg käme die Hertener Löwen teuer zu stehen. Die Pflichtausgaben steigen.

Herten. Die vergangene Saison beendeten die Basketballer der Hertener Löwen auf dem dritten Platz. Das war gut. In fast jeder Hinsicht. Es brachte die Verantwortlichen zumindest nicht in die Verlegenheit, sich ernsthaft über die Pro A Gedanken machen zu müssen. In dieser Saison aber dürfen/können/sollen die Hertener Löwen aufsteigen. Wenn denn alles passt. Sportlich sieht es gut aus. Herten ist Zweiter, liegt nur knapp hinter Rhöndorf aber auch nur dank des direkten Vergleiches knapp vor Würzburg. Wichtig aber ist auch das Drumherum. Vereinfacht: Das Geld, der Etat, die finanziellen Möglichkeiten. Da sind den Hertenern enge Grenzen gesteckt.

Aufsteigen dürfen nur Vereine, die das Lizenzierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Auseinandersetzen müssen sich die Hertener dann wie gewohnt mit Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Rechtsanwälten. Mit den Zahlen und Anforderungen für die Pro B kennen sich die Hertener aus. Anders, weil teurer, würde es in der Pro A.

2. Basketball-Bundesliga
Anforderungen

Gefordert für die Saison 2010/11 in der 2. Liga Pro A oder Pro B sind:

Spielhalle

Spiele in der 2. Bundesliga Pro A müssen in Hallen ausgetragen werden, die mindestens 1 500 Zuschauern Platz bieten. In der Pro B sind es 500 Zuschauern. Tribünen müssen an mindestens drei Spielfeldseiten vorhanden sein (nur Pro A).

Hallentemperatur

In der Spielhalle muss eine Innnentemperatur zwischen 15 und 25 Grad Celsius gegeben sein. Der erste Schiedsrichter darf ein Spiel nicht anpfeifen, wenn die 15 Grad unterschritten werden.

Spielfeld

Ein Parkettboden ist vorgeschrieben (nur Pro A).

Scouting

Zu jedem Bundesligaspiel hat der Spielveranstalter eine funktionsfähige DSL-Leitung bereitzuhalten.

Videoaufzeichnung/Videoportal

Von jedem Bundesligaspiel ist eine ungeschnittene Videoaufnahme anzufertigen. Die Aufnahme wird zu jeder Spielperiode gestartet und läuft dann durch. Der Bundesligist hat die Aufzeichnung bis 24 Uhr des auf den Spieltag folgenden Tages auf den Videoserver der AG 2 BBH hochzuladen. Der Server ist öffentlich nicht zugänglich. Auf Wunsch der Gastmannschaft und der Schiedsrichter muss der Bundesligist ungeschnittene Aufnahmen auf deren USB-Sticks überspielen.

Sonstige Rahmenbedingungen

Der Verkauf und das Mitbringen von Glasflaschen im bzw. in den Innenraum der Spielhalle ist untersagt.

Einheitlicher Pre-Game-Ablauf

Bei allen Spielen muss ein einheitlicher Ablauf der offiziellen Pre-Game-Phase (Vor-Spiel-Phase) eingehalten werden. Zum Beispiel beginnt die Vorstellung der Mannschaften acht Minuten vor dem Spiel und muss innerhalb von fünf Minuten beendet sein. Zuerst wird immer die Gastmannschaft vorgestellt.

VIP-Bereich (nur Pro A)

Ein VIP-Bereich dient der gehobenen Verpflegung und dem angenehmen Aufenthalt von Vertretern sponsernder Unternehmen (des Bundesligisten und des Ligaveranstalters) und deren Gästen sowie von Personen, die allgemein der Interessenförderung der Basketball-Bundesliga zweckdienlich sind. Der VIP-Bereich ist mindestens 60 Quadradmeter groß. Die Ausstattung – Bodenbelag, Wanddekoration, Beleuchtung, einheitliche Materialien bei Tischen und Stühlen – muss unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten widerspiegeln, dass es sich hier um einen exklusiven Aufenthaltsort der Halle handelt. Es sollen mehr Sitz- als Stehplätze vorhanden sein. Das gasttronomische Angebot umfasst kostenlose alkoholische – Wein und/oder Sekt, Bier – und nichtalkoholische Getränke – Mineralwasser, Säfte, Limonaden etc. – sowie ein Salatbüffet und weitere Speisen.

Bis Ende März müssen die Hertener den Lizenzantrag zur Teilnahme an der 2. Bundesliga Pro B/Pro A im Liga-Büro in Hagen abgeben. Ganz gleich, ob sie die sportliche Qualifikation mitbringen. Denn die Platzierung allein entscheidet nicht über den Aufstieg. Die Liga-Leitung wird in den kommenden Wochen einen 21-seitigen Leitfaden zum Lizenzierungsverfahren verschicken. „Die Vereine müssen glaubhaft darstellen, dass sie finanziell in der Lage sind, die Saison durchzuspielen”, sagt Jochen Böhmcker, aus dem Ligabüro der AG 2. Bundesliga, über den Sinn und Zweck des Lizenzierungsverfahrens. Die folgende Beispiel-Rechnung für die wichtigsten Kostenfaktoren bleibt deutlich unter den Empfehlungen des Ligenleiters, dürfte eine Saison unter bescheidenen sportlichen Zielen in der Pro B oder Pro A aber ermöglichen. Der vorgeschriebene Etat für die Pro B ist 180 000 Euro, für die Pro A 350 000 Euro.

Lizenzantrag: 119 Euro

100 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer kostet die Bearbeitung des Lizenzierungsantrages. Das unabhängig davon, ob es die Pro A oder Pro B ist.

Kaution: 15 339 Euro

Die Kaution ist zur Absicherung der AG 2. Liga bei einem eventuellen Rückzug der Mannschaft zwingend erforderlich. Sie kann auch als Bürgschaft hinterlegt werden.

Meldegeld: 7 140 Euro (Pro B), 15 470 Euro (Pro A)

Vom Meldegeld in Höhe von 6000 Euro (zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer) für die Pro B, bzw. 13 000 Euro (zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer) für die Pro A bestreitet die AG 2. Basketball-Bundesliga ihren Verwaltungsaufwand

Schiedsrichterkosten-Pauschale: 10 115 Euro (Pro B), 14 280 (Pro A)

Pauschale Vorauszahlung für Schiedsrichter (8500 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer für die Pro B, 12 000 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer für die Pro A. Am Ende der Saison erhalten die Vereine zu viel gezahlte Schiedsrichtergebühren zurück, oder müssen nachzahlen. In der Pro B leiten zwei Schiedsrichter das Spiel, in der Pro A sind es drei.

Meldegebühr für zwei/drei Ausländer: 1050 Euro (Pro B), 1575 (Pro A)

Kosten für die Erteilung der Spielerlizenz. Je Ausländer 525 Euro. Sie werden immer dann fällig, wenn ein US-Amerikaner verpflichtet wird. Also auch dann, wenn im Saisonverlauf ein US-Amerikaner den Verein wegen schlechter Leistungen oder Verletzungen verlässt und ein neuer Spieler geholt wird. Unbegrenzt ist das aber nicht möglich.

Fahrtkosten: 10 000 Euro

Die Kosten für die Anfahrt zu elf Auswärtsspielen. Eingerechnet sind dbei bereits die Kosten für Play-Off- oder Play-Down-Spiele.

Trainer: 24 000 Euro

Die Trainer in der 2. Bundesliga erhalten zumeist einen Vertrag über zwölf Monate. Es gibt künstige Trainer, die bereits für 1 500 Euro pro Monat ihre Arbeit aufnehmen. Es gibt aber auch Trainer, die teurer sind, weil sie neben ihrer Trainertätigkeit keiner anderen Arbeit nachgehen. Das sind die meisten. Im Schnitt verdient ein Trainer der 2. Bundesliga Pro A/B 2 000 Euro im Monat.

Gehalt für zwei/drei ausländische Spieler: 21 000 Euro (Pro B), 31 500 Euro (Pro A)

Geht der Verein mit zwei US-Amerikanern in die Spielzeit, entstehen Personalkosten in Höhe von mindestens 21 000 Euro, bei drei US-Amerikanern sind das mindestens 31 500 Euro. Nähere Erläuterung siehe: „Der 1500-Euro-Amerikaner”.

Miete/Mobilität: 14 000 Euro bei zwei US-Amerikanern, 21 000 Euro bei drei US-Amerikanern

Beschäftigt der Verein ausländische Spieler, müssen deren Unterkunft und Mobilität gewährleistet werden. Die Miete inklusive Nebenkosten ist mit 500 Euro monatlich pro Spieler veranschlagt (zwölf Monate), ein Fahrzeug oder Zuschüsse zu öffentlichen Verkehrsmitteln pauschal 1000 Euro pro Spieler.

Spieler: 28 800 Euro

Soviel kosten acht Basketballer pro siebenmonatiger Spielzeit und zweimonatiger Vorbereitungszeit, wenn sie der Verein auf 400-Euro-Basis einstellt. 

Markus Rensinghoff und Felix Hoffmann

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