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Fußball - Kreisliga A West

Der letzte Hauch Tradition

16.05.2011 | 15:00 Uhr

Herten. Es sind die letzten Tage in der Selbstständigkeit eines Hertener Traditionsvereins. „100 Jahre Scherlebecker Husaren“ stand auf einigen der Hellblauen T-Shirts, die die Mannschaft unter ihren Trikots versteckt hat. Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten sind die letzten Tage der Scherlebecker vor der Fusion mit der SG Langenbochum weniger rühmlich.

Es ist die Leidenschaft, die Dominik Griebner, der die Mannschaft erst mitten in der Saison übernommen hat, aber vor seiner schweren Verletzung selber bei den Hertenern gespielt hat, fehlt. „So schlappe Auftritte hab ich in meiner Scherlebecker Zeit noch nicht erlebt. Wir wollten uns am Ende mit der Kreisliga A verabschieden. Jetzt wird es schwer“, sagte Griebner. Bei der 0:4-Pleite im letzten Derby gegen den SC Herten fehlte einfach die Klasse. Von zwei frühen Gegentoren geschockt fehlte den verunsicherten Gastgebern jedes Mittel, um selber zu Chancen zu kommen. Stattdessen sahen die Zuschauer hängende Köpfe. Erst zum Ende der Partie war ein Hauch von Leidenschaft zu erkennen, der sich aber eher in Diskussionen mit dem Schiedsrichter widerspiegelten, als in kämpferischen Verhalten auf dem Platz. Von einer geforderte Trotzreaktion nach der 1:8- Niederlage in der Vorwoche war nichts zu sehen. „Ich hatte viel mehr erwartet“, sagte Trainer Griebner. Seine Enttäuschung war nicht zu übersehen.

Auf Patzer der Konkurrenz zu hoffen ist für die Scherlebecker ist in der Endphase der Saison fatal. Denn der direkte Konkurrent heißt SV Westerholt, wird trainiert von Martin Hannappel. Der steht für eine grandiose Aufholjagd. Vom abgeschlagenen Letzten zum konkurrenzfähigen Kreisliga-A-Team innerhalb einer Saisonhälfte. Das ist die Erfolgsgeschichte von Hannappel. „Diese Geschichte wird wohl meinen Lebenslauf schmücken, warum weiß ich aber auch nicht“, sagt Martin Hannappel bescheiden. Wenn es aber um die Einstellung seiner Mannschaft geht, verfällt er in Euphorie und ist nur schwer zu bremsen, wenn es um den Ehrgeiz seiner Mannschaft geht. „Ich hab das wirklich noch nie erlebt. In der Kreisliga spielen wir plötzlich wieder eine Rolle.“

Das Hoffen ist jetzt für die Scherlebecker endgültig vorbei. Noch in den Wochen zuvor sah die Hertener Konkurrenz von dem vorletzten Tabellenplatz gemütlich zu, wie sich der SV Westerholt mühsam seine Punkte verdient, ohne selber einen großen Schritt zu machen. Was die Fusion anbelangt, ist das eine Enttäuschung für die Kooperation zwischen Langenbochum und Scherlebeck. Die Verantwortlichen waren fest von einer Zweitvertretung in der Kreisliga A ausgegangen. Aber auch für die Langenbochumer steht ein Verbleib in der Landesliga noch nicht fest.

Im Gegensatz zu vergangen Zeiten, in denen die Scherlebecker Mitte des vergangenen Jahrhunderts von der Kreisliga bis in die Landesliga aufsteigen konnten, scheint das Ende der Tradition im Abstieg aus der Kreisliga A zu liegen. Vor diesem Schritt stand Scherlebeck Anfang der 90er Jahre, als es in die Kreisliga B ging. Mit einem neuen Konzept um den Vorsitzenden Frank Jonton gelang in der Saison 06/07 die Rückkehr in die Kreisliga A. Es war der größte Erfolg der jüngsten Vereinsgeschichte. Nach der neuerlichen Niederlage winkt aber auch Jonton ab: „Das war’s dann.“

Fabian Hollenhorst



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