Der lange Arm des Gesetzes
16.02.2010 | 15:33 Uhr 2010-02-16T15:33:00+0100
Eine Strafe für ein Vergehen in der Vorsaison könnte Metropol Baskets die Play-off-Teilnahme kosten.
Recklinghausen. Eine positive Entwicklung ist spürbar, im zweiten Jahr der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) haben die Metropol Baskets Ruhr Fortschritte gemacht. In ihrer Premierensaison spielte das Kooperations-Team von Citybasket Recklinghausen, Hertener Löwen und ETB Essen noch gegen den Abstieg aus dem Oberhaus, diesmal stehen sie mit einem Bein in der Meisterrunde. Eigentlich. Denn kurz vor Ende der Serie trifft das Team von Thomas Schnell eine Entscheidung der Ligaleitung hart. Die hat den Metropol Baskets Ruhr als Strafe für ein Fehlverhalten in der Vorsaison wie angekündigt im laufenden Wettbewerb einen Punkt abgezogen, weshalb die Teilnahme an den Play Offs gefährdet ist. Der lange Arm des Gesetzes sorgt für Frust in den Reihen der Baskets.
Die einen feierten Rosenmontag, die anderen spielten vor. 50 U 16- und 35 U 19-Spieler traten beim ersten Try Out der Metropol Baskets Ruhr für die kommende Spielzeit 2010/11 in der JBBL und NBBL in der Vestischen Arena an.
„Vor allem die Zahl der JBBL-Aspiranten hat uns überrascht”, gesteht Thomas Schnell, NBBL-Coach von Metropol. Schließlich gibt es im Einzugsbereich mit Dortmund und Münster zwei Konkurrenten, die ebenfalls Teams für die Jugend-Bundesliga stellen. Bereits am Montag gab es einen Schnitt unter den Bewerbern. Akteure, die einen guten Eindruck hinterlassen haben, werden ebenso wie die am Montag verhinderten Kandidaten in einem weiteren Try Out nach dem Ende der laufenden Saison vorspielen.
„Die Entscheidung ist nach wie vor lächerlich”, echauffiert sich Teammanager Holger Velmelden, der Vater des Metropol-Gedankens. An Einspruch war nicht zu denken. Mit Unterzeichnung des Teilnahmevertrags verzichten alle NBBL-Klubs darauf, Rechtsmittel gegen Entscheidungen der Liga einzulegen. Nur dann gibt es die Lizenz.
Worauf basiert der Punktabzug? Im bedeutungslosen Platzierungsspiel bei IBBA Berlin im April 2010 standen zu Beginn nur vier Berliner auf dem Feld, der Rest des Teams stand noch im Stau. Die Partie hätte so nicht beginnen dürfen, ihr Ausgang und der 2:0-Erfolg Metropols im best-of-three-Vergleich hatten jedoch keinerlei Auswirkungen auf Resultate oder Platzierung von anderen Kontrahenten. Dennoch: Die Liga bekam Wind von der Sache, entschied auf „sportliche Unregelmäßigkeit” und kündigte eine Strafe für die Saison 2010/11 an.
Und die ist nur eingetreten. Nach zwölf Spieltagen mit sechs Siegen und sechs Niederlagen hätte Metropol eigentlich 18 Punkte (je zwei für einen Sieg, je einen für eine Niederlage), hat tatsächlich nun aber nur 17 und ist damit womöglich im Kampf um den vierten Platz in der Divsion Nordwest vorentscheidend zurückgefallen.
„Im letzten Sommer war der Ärger über die Entscheidung riesig”, sagt Trainer Thomas Schnell. „Aber in den vergangenen Monaten haben wir sie erfolgreich ignoriert. Was mich einfach ärgert ist die Tatsache, dass Spieler, die mit der Sache gar nichts zu tun haben, von der Strafe betroffen sind.”
Die vier besten Mannschaften der Divsion qualifizieren sich für die Endrunde, hinter den dominierenden Paderborn Baskets und TSV Bayer 04 Leverkusen streiten sich vier Teams noch um zwei weitere Qualifikationsplätze, darunter Metropol. Punkten kann die Mannschaft noch, die sich am zwölften Spieltag bei den eigentlich nun punktgleichen LTi 46ers Juniors in Gießen 66:60 durchsetzen und nach dem Hinspielsieg den direkten Vergleich gegen den Rivalen gewonnen haben. Aber das Restprogramm ist nicht ganz einfach für die Metropol-Hoffnungsträger. Gegen den Gruppenvorletzten Göttingen dürfte es beim letzten Heimspiel am Sonntag zwar einen Sieg geben, eine Woche später wäre ein Erfolg beim Spitzenteam aus Leverkusen allerdings eine mittelgroße Überraschung. Das Hinspiel verlor das Team von Thomas Schnell klar mit 76:90. Kalkulatorisch also drei von vier Punkten aus zwei Spielen, das könnte zu wenig sein.
Das weiß auch Trainer Thomas Schnell nur zu gut. Der aber sagt: „Natürlich wird der Punktabzug nach dem letzten Spieltag bei uns ein Thema sein. Aber im Moment beschäftigen wir uns einfach nicht damit. Wir haben noch die Chance, mit zwei Siegen Vierter zu werden. Darauf konzentrieren wir uns. Wir sind nicht chancenlos.”

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