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Der Blick nach vorne

09.06.2011 | 15:48 Uhr
Der Blick nach vorne

Recklinghausen.Rund drei Wochen hatten die Regionalliga-Footballer der Recklinghausen Chargers ursprünglich zwischen der 0:42-Pleite bei den Aachen Vampires und der nächsten Partie Zeit, sich zu sammeln. Übrig ist noch etwas mehr als eine Woche, ehe es am 19. Juni gegen die Paderborn Dolphins, derzeit Tabellenzweiter geht.

Doch auch wenn der Gegner nicht unbedingt der aktuellen Kragenweite der Chargers in dieser Saison entspricht, hilft dem bisher sieglosen Schlusslicht von Trainer Heiko Czarnotta jedes Spiel, jedes Training.

Vier Partien, vier teilweise heftige Niederlagen stehen zu Buche. „Bisher lief es nicht so toll“, erklärt der Vorsitzende Eberhard Conrad. „Wir haben ein junges Team und viele Spieler, für die es das erste Jahr im Football ist. Man kann so viel trainieren wie man will, aber die Erfahrung kommt erst mit den Spielen.“ Dass es schwer werden würde, sich in der Spielkasse zu behaupten, darin waren sich die Recklinghäuser schon im Vorfeld der Saison einig. „Dass aber sämtliche Vereine Amerikaner einsetzen würde, das hatte man so nicht erwarten können“, so Conrad. „Wenn ein Verein durch einen Geldgeber die Option hat, dann macht er das auch.“

Ob die Chargers diese Praktiken in Zukunft ebenfalls wieder aufnehmen würden, ist fragfich. „Natürlich suchen wir nach Sponsoren. Aber mit den Amerikanern ist das so eine Sache. Dann holst du Leute, die vielleicht über ein, zwei Saisons helfen, aber dann wieder weggehen. Damit verlagert man das Problem nur nach hinten.“

Talentsuche im Vordergrund

Stattdessen hofft der Klub vor allem auch darauf, Talente bei den Tryouts zu entdecken, „Wer weiß ? Vielleicht ist auch mal ein Juwel, ein ungeschliffener Diamant dabei.“ Ein Talent haben die Chargers seit Jahren mit Quarterback Thomas Iking in den eigenen Reihen. In dieser Saison ist er jedoch erstmals die Nummer eins. Conrad: „Seine Verletzung ist mittlerweile ausgeheilt. Es ist für ihn natürlich eine Umstellung, jetzt der Lenker zu sein. Da braucht man dann halt auch ein paar Spiele und schon ist die Saison vorbei.“ Und fertige Spieler aus anderen Vereinen zu holen, gestaltet sich schwierig. „Es gibt viele, die gerne das silberne Tablett nehmen. Aber keiner will das dreckige Tablett mitpolieren.“

Eine Mannschaft wird voraussichtlich aus der Regionalliga absteigen, der Rückstand der Chargers auf den Vorletzten Dortmund Giants beträgt zwei Punkte. Zudem stehen noch beide Partien gegen den Konkurrenten an. Allerdings auch gegen Tabellenführer Bonn, der auf Conrad bisher den stärksten Eindruck machte. Die Recklinghäuser sind aber für alle Eventualitäten gerüstet. „Ein Abstieg wäre kein Untergang.“

Dabei erinnert Conrad die aktuelle Situation an eine ähnliche vor rund zehn Jahren. „2001 waren wir Regionalliga-Meister geworden und konnten den Aufstieg aber aus finanziellen Gründen nicht annehmen. Spieler sind weggegangen oder haben aufgehört. In dem Jahr sind wir ohne Sieg abgestiegen. Danach waren wir drei, vier Jahre in der Oberliga bis wir wieder hochgekommen sind,“ In den folgenden Jahren starteten die Chargers bis in die 2. Bundesliga durch.

Das Szenario scheint sich bereits zum dritten Mal zu wiederholen. 1991 stieg das Team mit nur einem Sieg in die Verbandsliga ab. Es folgte eine Neu-Aufstellung und der Durchmarsch bis in die 2. Liga, die 1994 erreicht wurde.

Vielleicht lagen die Vereinsgründer bei der Wahl des Maskottchens also ein wenig daneben. Statt eines Schlachtrosses hätte es ein Phönix sein müssen. Wann der wieder aus der Asche steigt, ist noch nicht klar. Genauso wenig aber der Ausgang dieser Saison.

Stefan Müßner

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