Cyrill Akono kickt weiter in Blau-Weiß

Als Cyrill Akono vor drei Jahren zum VfB Waltrop wechselte, hatte der Nordkirchener nicht zu viel erwartet. Ich wollte einfach nur auf Leistungsniveau Fußballspielen, erzählt der heute 15-Jährige. Doch dann die überraschende Wende: Ich hätte nie gedacht, dass ich hier so viele Freunde finden würde. Und nicht nur das: Cyrill ist auch noch erfolgreich, hat jüngst mit der U15 die Meisterschaft in der Landesliga perfekt gemacht. Das Sahnehäubchen ist nun der Zwei-Jahres-Vertrag, den er bei Schalke 04 unterschrieben hat.

Waltrop.. Cyrill besucht die 9. Klasse eines Gymnasiums in Nordkirchen. Die Sprachen liegen ihm nicht besonders. "Eher Geschichte und WiSo", erzählt der gebürtige Münsterländer, dessen Vater aus Kamerun stammt.
Mit vier Jahren ging er das erste Mal zum Fußballtraining. "Da habe ich geweint, Fußball fand ich langweilig", blickt Cyrill heute schmunzelnd zurück. Doch ohne das runde Leder ging es dann doch nicht, er kickte beim SV Südkirchen.

VfB-Start unter Mark Trachternach
Immer wieder fuhr er mit, wenn sein Bruder Jean-Marcel (heute 19) beim VfB Waltrop in der B-Jugend trainierte. "Meine Eltern fragten dann, ob ich auch mal mitmachen dürfte", erzählt Cyrill, der unter Mark Trachternach in der U13 anfing. Er spielte dann unter Oliver Naumann und Sven Jahn.
Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Bis auf ihn wurden alle Spieler der heutigen Mannschaften gesichtet und dann in den Kader aufgenommen. Niemand dachte vor Saisonbeginn, dass dieses Team ungeschlagen (!) durch die Landesliga marschieren würde. Woher diese Souveränität kommt? "Wir sind sicher nicht das Team mit den stärksten Individualspielern. Wir haben aber den besten Zusammenhalt. Das hätte ich nie gedacht, es ist toll", schwärmt der Kapitän.

Wette mit Trainer Oli Naumann
Auch er hat sich enorm weiterentwickelt. In der vergangenen Saison hatte Cyrill noch vier Tore erzielte. Heute, ein Tag vor dem letzten Meisterschaftsspiel, sind es sage und schreibe 20. "Oli Naumann hatte vor der Saison mit mir gewettet, dass ich keine 20 Tore machen würde. Das habe ich jetzt aber geschafft." Was ist der Wetteinsatz? "Das ist eine Überraschung. Da bin ich selbst gespannt", so Cyrill.

Gewissheit seit dem Pokalspiel
Ab welchem Zeitpunkt der Saison er glaubte, dass seine Mannschaft tatsächlich Meister werden könnte? "Nach dem Wattenscheid-Spiel, als wir in der 70. Minute das 1:0 und in der Nachspielzeit das 2:0 erzielt hatten. Und letzte Gewissheit gab mir das Pokalspiel gegen Schalke, das wir erst nach Elfmeterschießen verloren haben."
Derzeit steht weder der Termin, noch der Gegner für das Entscheidungsspiel gegen den Sieger der anderen Landesliga-Staffel fest. Wie er die Chancen für den VfB sieht? "Wir sind ungeschlagen und haben uns in dieser Saison sehr gut verkauft. Ich glaube, dass Paderborn oder Wiedenbrück mehr Angst vor uns haben, als wir vor denen", so der VfB-Kapitän selbstsicher.
Auf dessen Qualitäten wurde Schalke 04 schon im vergangenen Jahr bei einem Freundschaftsspiel aufmerksam.

Schalke bietet Fahrdienst an
"Es folgte ein Probetraining im Februar, ein zweites im März. Plötzlich zeigte auch Bochum Interesse an mir. Doch ich hatte mir von Anfang gesagt: Wenn tatsächlich ein Bundesligist auf mich zukommen sollte, würde ich mich für den entscheiden." So fiel die Wahl auf Schalke.
Bislang wechselten sich Cyrills Eltern und die von Nico Holtmann, der in Werne wohnt, mit den Fahrten zum Training nach Waltrop ab. Der alleinige Weg nach Schalke ist derweil kein Hindernis. "Ein Fahrdienst wird mich abholen", erzählt Cyrill.

BVB-Sympathisant
Für den bisherigen BVB-Sympathisanten sei es kein allzu großes Problem, plötzlich Blau-Weiß zu tragen. Wie seine Kumpel vom VfB auf den bevorstehenden Wechsel reagierten? "Sie haben sich für mich gefreut. Und wir werden ganz bestimmt in Kontakt bleiben", verspricht Akono. Er blickt auf eine schöne VfB-Zeit zurück. "Ich fühle mich in der Mannschaft so wohl und hätte nie gedacht, dass ich mich hier so weiterentwickeln würde."

Akono tippt auf 3:1-Sieg
Doch bevor er das S04-Logo auf dem Trikot trägt, hat er mit seinen Freunden vom VfB noch Großes vor: Wie sein Tipp ist für das Entscheidungsspiel? "Wir fahren mit einem großen Bus dahin. Also auch mit unseren Fans. Wir werden 3:1 gewinnen und auf der Rückfahrt ordentlich feiern. Und ich werde mindestens ein Tor schießen", kündigt Cyrill Akono selbstbewusst an.
Sollte es so kommen, müsste sich Trainer Oliver Naumann erst recht etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um seine Wettschulden einzulösen…