Bitte kein Herzschlagfinale
10.02.2012 | 16:39 Uhr 2012-02-10T16:39:00+0100
Recklinghausen.Dass es für die Drittliga-Handballerinnen der PSV Recklinghausen keine einfache Saison werden würde, war allen Beteiligten im Vorfeld der Spielzeit bewusst. Dass sich die Hindernisse, vor allem in der Form von Verletzungen, so auftürmen würden, war dagegen keineswegs einberechnet. Nach 16 von 26 Spieltagen befindet sich die PSV auf dem drittletzten Rang. Der würde den Abstieg in die Oberliga bedeuten. Doch die Mannschaft der Trainerinnen Sandra Mroz und Frauke Korfsmeier hat weiterhin alle Chancen, drin zu bleiben. Am Sonntag (16 Uhr, Sporthalle Nord) geht es gegen die HSG Kleenheim.
„Im Hinspiel hatten wir uns noch nicht ganz als Mannschaft gefunden“, erzählt Korfsmeier. „Bis zur 40. Minute hatten wir noch sehr gut mitgehalten. Später hat Kleenheim unsere leichten Fehler ausgenutzt.“ In der Schlussphase wurde so aus einer knappen Niederlage noch ein deutliches 30:40. Aber einiges hat sich seitdem getan. „Ich finde wir sind am Wochenende einfach mal wieder dran.“ Das Hauptproblem, die mangelnde Konstanz, scheint das Team mehr und mehr in den Griff zu kriegen. „Das Problem war, dass nie alle gleichzeitig auf einem Level waren. Zuletzt ist das aber im Vergleich zur Hinrunde schon deutlich besser geworden.“
Weil sich die Rädchen langsam eingedreht haben. Neben Stefanie Willebrand, die aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht zur Verfügung stand, fehlte zu Saisonbeginn plötzlich auch Christina Weber. „Verletzungen kann man schlecht vorausplanen. Dass sich Christina verletzt hatte, machte es schwierig. Die beiden waren in den letzten fünf Jahren wichtige Stützen der Mannschaft“, so Korfsmeier. Dadurch wurde aus dem geplanten langsamen Heranführen der jungen Spielerinnen ein notgedrungenes Ins-Kalte-Wasser-Werfen. „Anika Wöstmann zum Beispiel ist noch jung und spielt jetzt drei Ligen höher. Seit dem dritten Spieltag ist sie Stammspielerin. Sie macht ihre Sache aber sehr gut. Wir sind sehr zufrieden.“
Irritiert ist Korfsmeier, die nach acht Jahren als Journalistin („Ich wollte nicht mit 67 noch in einer Turnhalle stehen, wo mir ein 23-jähriger Trainer erzählt, er hätte den Handball neu erfunden“) den Seiteneinstieg in den Lehrberuf wählte – sie unterrichtet an einem Gymnasium Sport und Biologie – über die teilweise anhaltende Bezeichnung der PSV als „Zweitliga-Absteiger“.
Nicht nur, weil die Recklinghäuserinnen bereits in ihrer zweiten Saison in der damals neu eingeführten 3. Liga antreten, sondern weil die Vorsaison mit Platz drei trügerisch ist. „Da haben wir bis vier Spieltage vor Schluss rein rechnerisch noch gegen den Abstieg gespielt. Den dritten Platz darf man nicht überbewerten.“
Auch die Schlussphase der Zweitliga-Spielzeit 2006/07 sei nicht mit der aktuellen zu vergleichen.
Damals war das Duo Korfsmeier/Mroz kurzfristig bei der in der abstiegsbedrohten PSV eingesprungen. In einem wahren Endspurt, fünf der letzten sieben Partien wurden gewonnen, gelang doch noch der Klassenerhalt. „Das war total leicht. In so einer Situation kann man nur gut aussehen. Das erste Spiel war in Berlin, also mit Busfahrt und Übernachtung. Das war Teambuilding. In Berlin lagen wir sogar mit 1:7 zurück. Wir waren ja Fans auf der Bank und haben uns um unseren Verstand gecoacht. Das war ein ganz wichtiger Sieg.“
Auf einen solchen Impuls hoffen sie auch jetzt. Dramatische Tabellenverschiebungen erwartet sie jedoch nicht. „Es wird wohl bei den vier Mannschaften, die jetzt unten stehen, bleiben. Wir brauchen Überraschungssiege. Wie es Verl geschafft hat.“ Dabei könnte der 6. Mai ein entscheidendes Datum sein. Dann findet das letzte Saisonspiel eben gegen jenen TV Verl, derzeit Viertletzter mit einem Zähler Vorsprung auf die PSV, statt. Ein Finale, das Korfsmeier tunlichst vermeiden möchte. Weil sie als Trainerin schon bei regulären Begegnungen genug Anspannung verspürt. „Ich will kein Herzschlagfinale.“

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