Aus Uruguay zum VfL Hüls

Sein sportlicher Lebensweg war quasi vorgezeichnet. Ich bin in die Turnhalle hineingeboren worden, sagt Martin Schulz (50) mit einem Lächeln. Sein Vater Hubert war Turner, seine Brüder auch. Klar, dass sich auch der junge Martin an Barren und Reck versuchte mit viel Erfolg. Heute gibt er seine Geräte-Erfahrung jungen Sportlern des VfL Hüls weiter. Die staunen regelmäßig, wenn sie erfahren, dass ihnen ein ehemaliger WM-Trainer Tipps und Kniffe verrät.

Marl.. Martin Schulz hat im Jahr 1999 zwei Turnerinnen aus Uruguay bei den Weltspielen in China betreut. "Natürlich konnten wir gegen die großen Turn-Nationen nichts ausrichten. Aber letzte sind wir auch nicht geworden", so Schulz verschmitzt.
Sieben Jahre hat der hauptamtliche Trainer des VfL Hüls in dem südamerikanischen Land verbracht. Das Diplomsport-Studium in Köln hatte er bereits abgeschlossen, als er durch Zufall erfuhr, dass in Montevideo ein Sportlehrer und Trainer gesucht wurde - für ein halbes Jahr. Er sagte zu. "Aus dem halben sind dann sieben geworden", sagt Martin Schulz. Es gab weitere Angebote. "Das Geld reichte, um länger zu bleiben," erinnert sich der 50-Jährige. In Uruguay lernte er auch seine jetzige Frau Laura kennen. Für ihn noch ein Grund mehr, um länger zu bleiben.
In dieser Zeit trainierte er viele talentierte Mädchen, die er auf Wettkämpfe vorbereitete. Und die regelmäßig so gute Platzierungen erreichten, dass er sie auch bei den Südamerika-Meisterschaften und den Panamerikanischen Spielen betreuen durfte - und eben bei der WM in China. "Das waren schon eindrucksvolle Erlebnisse", so der VfL-Trainer, der heute mit seiner Familie in Borken lebt.
Dass er seine Turnerinnen überhaupt soweit brachte, grenzt schon fast an ein Wunder. "Die Infrastruktur in Uruguay war sehr schlecht. Turnzentren, wie man sie in Deutschland kennt, gibt es dort nicht." Geräte wurden teilweise selbst gebaut. Um den Anlauf zum Sprung zu verlängern, wurde die Hallentür aufgemacht, damit mehr Platz da war. "Wir haben viel improvisiert. Trotzdem hat mir die Arbeit dort riesigen Spaß gemacht."
Als im Jahr 2000 die Wirtschaft des Landes mehr und mehr ins Trudeln geriet, zog es die Familie wieder nach Europa zurück. Zuerst nach Spanien, dann ins Münsterland, der Heimat von Martin Schulz. Hier baute er sich eine neue Existenz auf - mithilfe des VfL Hüls. "Die haben damals einen neuen hauptamtlichen Trainer gesucht", erinnert er sich. Er bewarb sich, bekam den Zuschlag und ist seitdem in der Turnabteilung der "Mann für alles". Er bietet Wassergymnastik an, arbeitet als Turn-Trainer, führt Gesundheitssport-Kurse durch, für die er sich regelmäßig weiterbildet. "Mit ihm haben wir einen wirklich guten Griff getan", so Gisela Köhler, die rege Vorsitzende der Turnabteilung des VfL Hüls.