Auftragsarbeiterinnen
17.08.2010 | 19:05 Uhr 2010-08-17T19:05:00+0200Recklinghausen.Vor dem ersten Meisterschaftsspiel in der 2. Bundesliga, wussten die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen noch nicht, was auf sie zu kommt. Nun wissen sie es
Das 0:8 beim SC Freiburg, dem ehemaligen Erstligisten, war ein mehr als deutlicher Hinweis für den Aufsteiger, der die beiden vergangenen Spielzeiten nur ganz, ganz selten, in der Westfalenliga zum Beispiel gar nicht, verlor. Verlieren lernen. Das kommt wohl unweigerlich auf das Team von Trainer Jörg Amthor zu. Das aber wollen die Spielerinnen nicht so einfach. Nicht, weil sie erfolgsverwöhnt sind, sondern weil verlieren, vor allem so hoch zu verlieren, auf Dauer keinen Spaß macht und schließlich auch unweigerlich den sofortigen Abstieg nach sich zöge.
„Deshalb“, sagt Amthor, „haben die Spielerinnen, nachdem der Bus nach dem Freiburg-Spiel wieder in Recklinghausen angekommen war, dann auch gesagt, dass sie ab sofort viermal statt dreimal in der Woche trainieren wollen“. Mit dieser Anfrage rennen sie bei Amthor offene Türen ein. „Somit haben wir jetzt zumindest einen zweiten Tag, um Fußball zu trainieren. Ein Tag dient der Regeneration, ein Tag der Athletik. Nun haben wir zwei Trainingstage, an denen wir fußballerisch arbeiten können.“ Er hatte bereits kurz nach dem feststehenden Aufstieg und somit weit vor der Saison angemerkt, „dass in der 2. Bundesliga andere Gegnerinnen warten“. Schnellere. Körperlich und gedanklich. „Das Tempo ist höher, der Spielwitz größer.“
Das aufzufangen, den Abstand zu den etablierten Teams der 2. Bundesliga möglichst schnell und entscheidend zu verringern, ist eine der Aufgaben, die Amthor sich gestellt hat. Die übergeordnete Aufgabe aber heißt, und das resultiert natürlich aus der anderen Aufgabe: Klassenerhalt. Die FFC-Frauen sind, anders als in den beiden Spielzeiten zuvor, als der Aufstieg quasi als Zugabe mitgenommen wurde und nicht Vorgabe war, diesmal Auftragsarbeiterinnen. Nur der Klassenerhalt ist das Ziel.
„Es ist ein Vorhaben“, sagt Jörg Amthor und fühlt sich nach dem ersten Spiel ebenso darin bereits bestätigt, „dass diese Liga eine Zwei-Klassen-Gesellschaft sein wird. Freiburg zum Beispiel hat ganz andere Möglichkeiten. Dass die abgestiegen sind, war sowieso eher ein Betriebsunfall.. Wir müssen halt versuchen, von den Mannschaften die gegen den Abstieg spielen, eine der besseren zu sein“. Was allerdings mächtig dadurch erschwert wird, dass mit Danni Arndt, die weiterhin Probleme mit der Patellasehne des rechten Knies hat, Larissa Kock, die mit einem neuerlichen Kreuzbandriss wieder für lange Zeit ausfallen wird und Carmen Israel, die geheiratet hat und gerade flittert, drei enorm wichtige Spielerinnen fehlen.
Auch das aber will Amthor in Zusammenarbeit mit seinen Spielerinnen auffangen. Dazu nimmt er sie in die Pflicht, fordert Eigenverantwortung und Reflexion. Nach jedem Spiel müssen zum Beispiel alle Spielerinnen einen Beobachtungsbogen ausfüllen. Am Montag war Amthor schon ganz gespannt, was da zu Protokoll gebracht wurde. „Ich will schon wissen, was die Spielerinnen glauben, was da in Freiburg passiert ist.“

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