Auf Malle
18.02.2009 | 18:17 Uhr 2009-02-18T18:17:00+0100
20 Grad Celcius, azurblauer, wolkenloser Himmel, lange Ausschlafen und ein wunderschöner Blick von der Terasse aufs Meer. Mallorca – wo es im Frühjahr ja am schönsten sein soll. Das riecht doch verdächtig nach Urlaub.
Recklinghausen. So genussvoll es gestern am Ruhetag unweit von Palma des Mallorca aber auch war. Markus Schulte-Lünzum ist nicht auf die Balearen-Insel gekommen, um die Füße hochzulegen. Ganz im Gegenteil. Er ist dort, um richtig in die Pedalen zu treten.
Mit dem Junioren-Kader des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) absolviert der 18-jährige Mountain-Bike-Fahrer vom ATV Haltern ein zweiwöchiges Trainingslager. Erst Grund- und Ausdauerarbeit mit mehrstündigen Tagesfahrten, dann verschärftes Krafttraining mit harten, bis zu einer halben Stunden währenden Anstiegen in der zweiten Trainingswoche.
Den ersten Ausdauerabschnitt hat die Crew von Bundestrainer Peter Schaupp am Dienstag beendet, gestern gab es die erste Regenerationsphase. Heute soll es zum erstenmal richtig in die Berge gehen, im Westen Mallorcas erstreckt sich eine ansehnliche Gebirgskette, die Serra de Tramuntana, mit ihren zehn Gipfeln jenseits der 1000 Meter von Paguera im Süden bis nach Pollenca im Norden: ein Eldorado für ambitionierte Hobbyfahrer und ein ideales Trainingsgebiet für die Profis. Schulte-Lünzum: „Das wird die Königsetappe.”
Berufsfahrer ist er zwar noch nicht. Aber unter nahezu profihaften Bedingungen betreibt der Schüler seinen Sport schon seit geraumer Zeit. Dabei muss er sein Pensum mit den Anforderungen der Schule in Einkang bringen. Vier Klausuren muss der Elftklässler nachschreiben, wenn er übernächste Woche wieder nach Hause kommt. Per E-Mail steht er in Kontakt mit Mitschülern. Englisch, Latein, Mathe und Deutsch. Kein Pappenstil. „Aber es wäre eine Strafe für ihn gewesen, wenn er nicht am Trainingslager hätte teilnehmen können”, sagt Vater Werner Schulte-Lünzum. „Und das kann ja nicht sein. Schließlich investiert er enorm viel in den Sport.”
Ohne seine Ausbildung zu vernachlässigen. Solange sich vom MTB-Fahren nicht leben lässt, und das zeichnet sich nicht ab, auch wenn die Disziplin mittlerweile olympisch ist, darf die Schule unter dem Sport natürlich nicht leiden.
Die Ziele des Deutschen U 17-Meisters von 2007 und WM-Achten von 2008 sind vor seinem Wechsel in den U 23-Bereich klar gesteckt. Er möchte sich für die U 19-Europameisterschaften Mitte Juli im niederländischen Zoetermeer und für die Weltmeisterschaften Anfang September in Canberra (Australien) qualifizieren. Darauf ist der Rennkalender abgestimmt. „Vorrang haben die Weltcup- und die Bundesliga-Rennen. Die sind ausschlaggebend für die Nominierung”, erklärt Werner Schulte-Lünzum, der seit der Abreise des Filius am Sonntag noch keine Nachricht erhalten hat. Er wertet es als positives Zeichen: „Wenn man nichts hört, dann geht es ihm gut.”
Wie auch nicht. Kurz vor Beginn des Trainigslagers hat der Ausrüster Hercules ein neues Trainingsrad zur Verfügung gestellt. „Sieht cool aus”, sagt Schulte-Lünzum über das Straßenrennrad. Auf Mallorca trainiert die Gruppe ausschließlich mit Rennrädern, das MTB holt der Halterner erst wieder zu Hause aus der Garage. Bis zum ersten wichtigen Rennen, dem Bundesliga-Start Mitte April in Münsingen, vergeht noch einige Zeit. In Zukunft wird er indes nicht nur auf zwei Räder unterwegs sein. Seit vergangenen Freitag, seinem 18. Geburtstag, darf er sich auch hinters Steuer eines Auto setzen. Die erste Alleinfahrt führte ihn von Zuhause zum Flughafen nach Frankfurt - fast so spannend wie Malle.
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