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Aller guten Dinge

20.07.2009 | 12:55 Uhr

2007 stand Hannah Feldhaus als Ersatzruderin bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Peking bereit. 2008 schaffte sie bei der U23-Weltmeisterschaft in Brandenburg den Sprung in den Frauenachter und wurde Fünfte. 2009 ist die Dattelnerin im tschechischen Racice wieder dabei. Im Achter.

Recklinghausen. Eine Prognose will die 19-Jährige nicht abgeben. Aber dass eine Medaille ihr ganz großer Traum ist, das gibt sie gerne zu. Aller guten Dinge sollen doch drei sein. Heißt es schließlich im Volksmund.

Kurz vor ihrem dritten WM-Start herrscht Zuversicht. Nicht nur bei ihr. Auch Theresa Hülsmann aus Waltrop hat den Sprung ins Team geschafft, weil sie in der Rangliste schon vor den Deutschen U23-Meisterschaften dafür die Basis geschaffen hatte. Im Relationsrennen jetzt kurz vor Schluss des Trainingslagers in Ratzeburg hat der Achter die bislang beste Strecke hingelegt. „Wir werden immer besser, da muss was gehen”, sagt Hannah Feldhaus. „Christoph Lüke, unser Trainer, hat uns gesagt, dass die Vergleichszeiten besser waren als im letzten Jahr”, ergänzt Theresa Hülsmann.

Alles sieht prima aus? Wenn das immer so einfach wäre. Vor dem Wettkampf gibt es eben stets diese vielen Unbekannten. Zum Beispiel die Gegner. Kaum Vergleichsrennen, kaum Vergleichswerte in der U23-Konkurrenz. Die USA ist der amtierende Weltmeister in dieser Altersklasse, in der offenen Klasse gar der amtierende Olympiasieger. Also immer eine hohe Hausnummer und der turmhohe Favorit. Dahinter? Fragen über Fragen. „Die Engländerinnen haben wir in Essen geschlagen”, wirft Theresa Hülsmann ein, gibt aber zu bedenken: „Die haben noch einmal umgesetzt.”

Auch die Deutschen. Das Boot wurde endgültig erst nach den Deutschen U 23-Meisterschaften besetzt und ein kleines Handicap ist sicher auch, dass nicht alle Top U 23-Ruderinnen an Bord sind. Durch den Umbruch nach Olympia in der offenen Klasse wurden einige Talente frühzeitig zu den Seniorinnen-A berufen. Wie auch Silke Müller, die Zweier-Partnerin von Hannah Feldhaus.

Das will die Crew durch Teamgeist wettmachen. „Die Stimmung ist gut und wir haben alle ein gutes Gefühl”, sagt Hannah Feldhaus, die direkt nach der Weltmeisterschaft eine Ausbildung zur Kauffrau für Büro-Kommunikation antritt. Der fünfte Platz vom Vorjahr setzt einen zusätzlichen Schub frei, weil er ärgerlich war. Bei Theresa Hülsmann war es im Vorjahr sogar „nur” WM-Platz neun im Vierer ohne Steuerfrau. „Da war ich wesentlich nervöser”, sagt die 21-Jährige über ihr Nationalmannschafts-Debüt und fühlt sich durch die Erfahrung aus dem Vorjahr reifer: „Ich bin schon deutlich entspannter geworden.”

Nach den Relationsrennen gegen andere deutsche Nationalteams sind die Achter-Ruderinnen ausgepowert, befinden sich in der „Regenerationsphase” vor dem Saisonhöhepunkt in dieser Woche. „Jetzt wird sich noch kurz erholt und dann geht es endlich los”, sagt Feldhaus. Am Dienstag geht es weiter von Ratzeburg nach Tschechien. Nach Racice in die Nähe von Prag. Donnerstag ist Vorlauf, weil mehr als sechs Boote im U 23-Frauenachter gemeldet haben. Aber ein Feld von sieben Booten ist eine nicht undankbare Aufgabe, weil es im Hoffnungslauf – es gibt nur einen mit fünf Teams – nicht aufs Losglück ankommt.

Besser direkt ins Finale fahren? Schön wär es natürlich. „Aber daran denken wir nicht”, sagt Theresa Hülsmann: „Wir wissen eben, dass wir uns mit jedem Rennen steigern können. Da schadet uns auch kein Hoffnungslauf.” Aller guten Dinge sind eben drei. Das dritte Rennen wäre schließlich das Finale.

Detlev Seyb

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