Abschied mit Titel

Seine internationale Karriere in der Formula Future hat für Jonas Kelle ein natürliches Ende. Der 18-Jährige startet in dieser Saison altersbedingt zum letzten Mal in der kleinsten Rennbootklasse. Und aus dieser verabschiedet sich der Recklinghäuser äußerst erfolgreich als Welt- und Europameister.

Recklinghausen/duisburg.. Jonas Kelle hatte bei den Titelkämpfen fast ein Heimspiel. Die UIM, der Weltverband für motorisierten Wassersport, beauftragte den Deutschen Motoryachtverband mit der Organisation und der entschied sich für die Regattastrecke in Duisburg-Wedau als Austragungsort.

Die EM- und WM-Wettbewerbe in der Formula Future meisterte der Abiturient und angehende Jura-Student scheinbar mühelos. Den Weg dorthin allerdings weniger. "Es ist schwer, in die Nationalmannschaft zu kommen", sagt Jonas Kelle.

Er zählt den komplizierten Weg auf: "Bei Clubmeisterschaften muss man unter die ersten Drei kommen, dann auch bei den Landesmeisterschaften. Wer dann bei den Deutschen Meisterschaften unter die ersten Acht kommt, wird im Folgejahr zu einem Lehrgang und Entscheidungsrennen eingeladen."

Der Recklinghäuser, der beim AMC Castrop-Rauxel aktiv ist, gehörte am Ende dieses Weges in der Klasse M5 der 16- bis 18-Jährigen zu den beiden besten Schlauchbootfahrern, die das Ticket für Duisburg lösen konnten.
WM-Luft schnupperte Jonas Kelle schon 2009. "Wertvolle Erfahrungen", sammelte er seinerzeit in St. Petersburg. Diesmal blieb es dabei nicht, Kelle räumte groß ab.

Beim sogenannten Manövering, einem Geschicklichkeitsparcours, setzte der Recklinghäuser sowohl bei der WM als auch bei der EM den Maßstab - zwei Siege. "Im Parallelslalom lief es nicht so gut", berichtet der Abiturient. In der EM-Wertung landete er auf Rang zwei und hatte den Gesamtsieg damit sicher. Zittern musste er hingegen, als es um den WM-Titel ging. Kelle landete auf dem dritten Platz und behielt "mit ein etwas Glück" die Oberhand. 25 Punkte oder "umgerechnet knapp eine Sekunde Vorsprung", so Kelle, hatte der Recklinghäuser in der Gesamtwertung.

Von nichts kommt nichts: Neben Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen trainierte der 18-Jährige intensiv beim AMC Castrop-Rauxel in Pöppinghausen. Hinzu kam ein einwöchiges Trainingslager mit Bundestrainer Andreas Severin (Cottbus). Diese intensive Vorbereitung sei auch nötig, findet der Recklinghäuser. "Die Rennen verlangen viel von einem ab. Mehr psychisch als physisch." Beim Manövering wird etwa das Touchieren einer Boje mit zehn Strafsekunden belegt. Konzentrationsübungen gehören daher ebenso dazu wie Krafttraining und die Einheiten auf dem Wasser.

Die Medaillen und Pokale, die Jonas Kelle aus Duisburg mitbrachte, sind der Lohn für die Trainingsmühen. Und nun? Auf internationaler Ebene kann Kelle künftig nur noch in großen Rennbootklassen starten. "Leider fehlt mir hierfür ein Sponsor."

Sein Hobby muss Jonas Kelle allerdings nicht aufgeben: In Deutschland kann er noch bis zum 27. Lebensjahr in der Formula Future starten. Außerdem wurde der frischgebackene Welt- und Europameister gefragt, ob er die Seiten wechseln und als Co-Trainer arbeiten möchte "Das würde dich sehr gerne", sagt der 18-Jährige, der aber viel lieber im Boot sitzen würde.

Das wird er am 20./21. September bei der DM. "Ein Podiumsplatz wäre ein Erfolg", sagt der Recklinghäuser. "Die Deutsche Meisterschaft ist der einzige Titel, der mir noch fehlt." Ist es gutes Omen, dass die DM auch in Duisburg stattfindet?