WAZ-Serie Rückblick auf das Jahr 2009. Als Christian Schmudde die Recklinghausen Chargers in die 2. Liga brachte : Sein größter Fang
Recklinghausen. Es ist nicht immer leicht, den richtigen Zeitpunkt für den Abschied vom aktiven Sport zu finden. Geschichten gibt es genug von Sportlern, die weitermachten, obwohl der Zahn der Zeit nagte und die Leistungen nicht mehr ansehnlich waren.
Christian Schmudde, American Footballer der Recklinghausen Chargers, gehört nicht zu denen, die schon länger hätten aufhören sollen, weil alle nur noch mitleidig guckten und schlechte Spiele in Erinnerung behielten. Er hat aufgehört, als es am Schönsten war. Er hat aufgehört nach und mit dem Spiel, in dem sein Team den Aufstieg in die 2. Bundesliga, die German Football League 2 schaffte. Er hat aufgehört mit einem Erfolgserlebnis und mit dem größten, dem wichtigsten Fang seiner Laufbahn. Schmudde fing den Ball, trug ihn in die Endzone und erzielte damit die Punkte, die am Ende im Vergleich mit den Frankfurt/Oder Red Cocks den Ausschlag über Aufstieg in die 2. Bundesliga oder Verbleib in der Regionalliga gaben. Schmudde brachte den Recklinghausen Chargers den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.
Im Mutterland des Footballs würde sein Trikot mit der Nummer zwölf vermutlich nicht mehr vergeben. Die Amerikaner ehren damit die Spieler besonders, die Besonderes geleistet haben. Ob das bei den Chargers so sein wird, ist fraglich. Deutschland ist nicht Amerika und Schmudde kein Profi. Genau deshalb aber hat er genau jetzt aufgehört. Er ist jetzt 30 Jahre alt, junger Vater, Tochter Leonie ist gerade zwei geworden. Er war zwölf Jahre Zeitsoldat und ist seit dem 1. September Polizist, ist Kommissar-Anwärter und muss bei der Ausbildung wieder auf die Schulbank. „Das erst in diesem Alter zu machen, ist interessant aber auch ganz schön aufregend.”
Genau wie das, was sich da am 30. Oktober in Frankfurt/oder abspielte. Mit einem 20:6-Polster war das Team um Headcoach Heiko Czarnotta nach Frankfurt gefahren, hatte mit einem richtig guten ersten Spiel das Tor zur 2. Liga weit, ganz weit aufgestoßen. Im Rückspiel reichte deshalb eine knappe Niederlage. Bereits vor dem Spiel suchte Schmudde das Gespräch mit seinem Trainer. „Da habe ich ihm gesagt, dass ich aufhören werde, dass das mein letztes Spiel sein wird. Dass ich dann noch so einen Fang mache war natürlich außergewöhnlich.” Vor allem war es eigentlich nicht so geplant.
Beim Spielstand von 14:6 für Frankfurt drohte das Aus, sah es nach Nicht-Aufstieg aus, zumindest aber drohte die Verlängerung, wenn die Frankfurter noch sechs Punkte oben drauf gepackt hätten. Schafften sie aber nicht. Chargers-Spielmacher Charles Lacy sagte im vierten Viertel einen Spielzug an. Schmudde lief die Route, die er laufen sollte. Dass er den Ball bekommen sollte, war jedoch gar nicht abgesprochen. Er sah dann aber, das Lacy unter Druck den Ball gerade noch los wurde. Er warf ihn aus der Bedrängnis in seine Richtung. Schmudde lief, Schmudde fing, Schmudde sicherte den Ball – in der Endzone. „Ich habe dann sofort zum Schiedsrichter geschaut, ob er den Touchdown gibt. Schließlich spielte sich das ganze nahe der Aus-Linie ab. Wenn ich jetzt so zurückdenke, lief das alles irgendwie in Zeitlupe ab. Mein Fang, der Blick zum Schiedsrichter, dessen erhobene Arme, als er die Punkte gab. Das war schon eine ungewöhnliche Lebenserfahrung.”
Um sie zu verarbeiten, benötigte er einige Zeit. „Als das Spiel vorbei war und auch die ersten Feierlichkeiten, bin ich noch einmal alleine über den Platz gegangen und habe überlegt, was dieser Fang bedeutet. Für mich und den Verein.” Für ihn war es der grandiose Abschluss, für den Verein ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte. Bei dem hofft Schmudde, „dass es nun so erfolgreich weitergeht”. Trotz seines Abschiedes vom aktiven Sport strickt er munter weiter daran mit. Er gehört nun zum Trainerstab des Zweitligisten und bleibt damit dem Sport verbunden, der für ihn, „der beste der Welt ist”.







