54 Minuten Westfalenliga

Nimmt man die nüchternen Fakten, spiegeln sie in keinster Weise das Drama dieses Fernduells wider. Während Stuckenbusch durch das 3:3 (2:1) bei Eintracht Ahaus gar auf Rang vier abrutscht, holt der TuS 05 Sinsen mit dem 1:1 beim BV Brambauer-Lünen den letzten nötigen Punkt zur Westfalenliga? Mitnichten. Das Drama in der Chronologie.

Ahaus.. • 14:45 Uhr: Michael Pannenbecker ist nervös. "Aber was haben wir zu verlieren? Wir sind doch allein von Sinsen abhängig." Wie sehr, sollte der Stuckenbuscher Trainer noch spüren.

• 14:53 Uhr: Geschäftsführer Bruno Ruch hat jedenfalls allerbeste Laune. Die Schar der mitgereisten Fans begrüßt er mit den Worten: "Merkt euch diese Anlage, nächstes Jahr müssen wir hier nicht mehr hin..."

• 15:02 Uhr: Mit Verspätung beginnt der letzte Spieltag. Mirko Eisens erster Schuss (3.) rauscht vorbei.

• 15:12 Uhr: Es wird unruhig unter den gut 250 mitgereisten Stuckenbuschern Fans. Tatsächlich: Der BV Brambauer-Lünen führt.

• 15:30 Uhr: Pannenbecker hat den Zwischenstand längst der Mannschaft mitgeteilt. Doch das lähmt. Der Ahauser Christopher Ransmann drischt einen Freistoß hammerhart ins Tor (28.). Die Westfalenliga ist weit weg.

• 15:38 Uhr: Die Stuckenbuscher Reaktion darauf ist wirklich westfalenliga-tauglich. Die Rot-Weißen erhöhen den Druck. Nachdem Eisen scheitert, drischt Christoph Maass den herrenlosen Ball ins Tor - 1:1 (33.). Und es kommt noch besser: Drei Minuten später steht Tobias Bockhoff völlig frei und verlädt Ahaus-Keeper Marc Lüdiger - 2:1 (36.).

• 15:47 Uhr: Mit einem Aufreger geht es in die Pause: Ahaus-Verteidiger Tim Schücker springt der Ball im Strafraum an die Hand - Schiedsrichter Samuel Cabello Perez pfeift, aber zur Halbzeitpause. Da sich in Lünen nichts tut, wäre es der Stuckenbuscher Aufstieg.

• 16:03 Uhr: Wiederanpfiff. Stuckenbusch ist griffig, hat durch Sinan Özkaya (55.), Eisen und Bockhoff (58.) weitere Chancen. In Lünen tut sich wenig.

• 16:26 Uhr: Der Traum lebt! Einen tadellosen Konter schließt Bockhoff zum 3:1 ab (68.). Soll erfüllt. Was macht Sinsen bei Brambauer?

• 16:35 Uhr: Sie gleichen aus. Das glauben viele im Stuckenbuscher Anhang. Doch das ist eine Falschmeldung. Noch fehlen 13 Minuten. In Ahaus kassiert Schücker nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte (80.). Die Spannung nimmt quälende Züge an. Wann ist denn endlich Schluss in Lünen?

• 16:45 Uhr: Es ist passiert. Yannick Goecke stürzt Stuckenbusch aus dem Fußballhimmel - 1:1. Auch die drei Nachspielminuten ändern daran nichts mehr. Aus der Traum!

• 16:47 Uhr: Michael Pannenbecker flüchtet, ob dieser Nachricht. Er geht gedankenverloren über die Aschenbahn, verfolgt apathisch das noch laufende Spiel. Die Mannschaft weiß bescheid und beklagt einen eklatanten Druckabfall. Dominik Kalitzki (90.) und Max Hinkelmann (90.+3) schaffen noch das 3:3. Ahaus feiert das wie den Gewinn der Meisterschaft. Im Glauben, Sie hätten Sinsen zum Aufstieg verholfen.

• 16:50 Uhr: Rien ne va plus. Schiedsrichter Cabello Perez pfeift ab. Die Stuckenbuscher sinken völlig erschöpft zu Boden. Die beste Saison der Vereinsgeschichte endet nicht mit dem Westfalenliga-Aufstieg.