16 närrische Minuten

Die tollen Tage sind seit Aschermittwoch kalendarisch bereits Vergangenheit. Am gestrigen Sonntag erhielten sie von der SG Suderwich eine 16-minütige Verlängerung. Denn das, was in der Anfangsviertelstunde der 0:5 (0:4)-Derbypleite beim FC 96 im eigenen Strafraum dargeboten wurde, war närrisches Treiben in Reinkultur.

Rec klinghausen.. Natürlich hob Kai Moczyk, der den erkrankten Thomas Wiener auf der 96-Trainerbank vertrat, die eigene Kaltschnäuzigkeit hervor. Die ersten vier Angriffsversuche allesamt in Tore umzumünzen, ist ein nicht zu toppender Wert. Allerdings: Die SGS verteilte Gastgeschenke, die der FC gar nicht ablehnen konnte. Die Treffer von Murat Tatar (2.), Jovica Cirkovic (7.), Tim Faßbender (10.) und Muhammed Akay (16.) fielen erschreckend einfach und - für SGS-Trainer Nassir Malyar umso alarmierender - ohne Gegenwehr. "Viel zu passiv", kritisierte der Teamchef das eigene Zweikampfverhalten.

Nun mag der kritische Beobachter zurecht hinterfragen, warum Malyar nicht die Notbremse zog, seine offensive Ausrichtung nicht spätestens in der 16. Minute ad acta legte und zu Mauerfußball der italienischen Prägung umkehrte. Grundsätzlich ist der Gedanke zu agieren, statt zu reagieren ein löblicher Vorsatz. Aber Malyar erkannte auch: "Dafür müssen wir Zweikämpfe gewinnen - offensiv wie defensiv. Dazu brauchen wir Passsicherheit, um Unordnung in der gegnerischen Defensive zu provozieren. Das alles habe ich nicht gesehen."

Sein Gegenüber Moczyk war ebenfalls überrascht über den Suderwicher Geleitschutz bei den eigenen Toren, unterstreicht aber: "Wir wussten um die Stärken Suderwichs und waren zunächst darauf bedacht, aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren. Die restlichen 70 Minuten hat die SG auch gezeigt, dass sie eine gute Mannschaft ist." Das sah Malyar völlig anders: "Ein gebrauchter Tag. Ich bin sprachlos über die Leistung einiger Spieler. Eigentlich wollen wir in der Zentrale durch Ballsicherheit überzeugen. Das war nicht der Fall." Der Coach verlieh seinem Unmut über die Kreativabteilung Nachdruck, als er Max Eggermann und Bastian Buschmeier mit der Auswechslung kurz vor der Pause einen Denkzettel verpasste.

Hinzu kam, dass Abwehrmann Dominik Steinberg, der einen Schuss von Murat Tatar gegen den Kopf bekam, mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste.

Auch das 5:0 durch Ridvan Öztürk (65.) entsprang einer zumindest streitbaren Elfmeterentscheidung. Jovica Cirkovic hatte dankbar den Kontakt im Zweikampf mit Matthias Hoppmann gesucht.

Während bei Suderwich eher Sprachlosigkeit herrschte, war im 96-Lager logischerweise die Freude groß. Ein dauerhaftes Engagement auf der Trainerbank, wie es ihm Abwehrmann Jan-Hendrik Schildgen scherzenderweise vorschlug, lehnte Kai Moczyk dankbar ab. Es war das einzige Mal an diesem Nachmittag, dass ein FC-Akteur eine Einladung nicht annahm.