Union Velbert spielt auch um die eigene Ehre

Weiter so Männer: Union-Trainer Maik Franke hat sein Team  trotz des aussichtslosen Rückstandes gut motivert.
Weiter so Männer: Union-Trainer Maik Franke hat sein Team trotz des aussichtslosen Rückstandes gut motivert.
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Was wir bereits wissen
WAZ-Interview mit Maik Franke zur Renaissance des Velberter Landesliga-Schlusslichts, das 2015 noch ungeschlagen ist.

Velbert..  Damit hätten wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. In der Winterpause war der Fußball-Landesligist SV Union Velbert mit 15 Punkten Rückstand auf den Relegationsrang abgeschlagen Letzter, der Abstieg schien bereits besiegelt. Doch die erste Mannschaft des Fusionsvereins erlebt in diesem Jahr eine Art Renaissance. Sie ist 2015 noch ungeschlagen holte zehn Zähler aus vier Spielen und liebäugelt bei acht Punkten Rückstand wieder mit dem Klassenerhalt. Doch auch Trainer Maik Franke weiß im WAZ-Interview um die Komplexität dieser Aufgabe.

Herr Franke, in der Hinrunde wollte ihrer Mannschaft rein gar nichts gelingen. Nach dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“ ging quasi alles schief, was schiefgehen konnte. Was hat sich, trotz unveränderten Personals, im Winter getan?

Nach dieser langen Zeit ohne Erfolgserlebnis tat uns die Pause sicherlich gut, vor allem der Psyche. Es kamen einfach viele Dinge zusammen. Wir hatten eine schlechte Vorbereitung, mehrere verletzte Leistungsträger, Pech und es fehlte die Lockerheit. Das konnten wir während der Saison nicht kompensieren. Jetzt, wo uns alle als sicheren Absteiger sehen, ist der Druck weg und wir haben eine positive „Leck mich-Stimmung“ entfacht.
Dazu kommt auch, dass wir zu keinem Zeitpunkt ans Aufgeben gedacht und an unsere eigene Ehre appelliert haben.

Nun gab es zehn Punkte aus vier Spielen, teilweise gegen Topteams der Liga. Wie gut taten diese Erfolgserlebnisse und woran hat es gelegen?

Wichtig war vor allem der Sieg gegen Düsseldorf-West. Bei diesem Knallerauftakt hatten wir ja nichts zu verlieren. Der Sieg hat uns beflügelt und auch das Umfeld wirkt momentan wie euphorisiert. Außerdem, da müssen wir ehrlich sein, hatten wir in der Rückrunde bislang auch mal das Glück, was uns im vergangenen Jahr fehlte. Es klappt momentan alles, was in der Hinserie nicht funktioniert hat. Aber das haben wir uns mit dem Kern von zwölf bis 14 Spielern im Winter erarbeitet, dazu kommen einige Rückkehrer.

Peter Kurka und der Vorstand haben immer zu ihnen gehalten. Haben sie trotz Bekenntnissen um ihren Posten gefürchtet?

Der Verein ist immer ruhig und loyal geblieben. Peter Kurka ist fast bei jeder Einheit dabei und kann deshalb einschätzen, woran es haperte. Nach dem siebten Spieltag ungefähr haben auch die Verantwortlichen bestimmt über einen Wechsel nachgedacht, da brauche ich mir nichts vorzumachen. Aber das Vertrauen war immer da.
Außerdem wäre die Mannschaft ja die gleiche geblieben.

Bei aller Euphorie könnte man fast meinen, sie hätten es schon geschafft. Sie sehen es aber realistisch, denn noch ist es ein weiter Weg bis zum Klassenerhalt. Als nächstes stehen drei Begegnungen gegen Teams, die um den Aufstieg kämpfen, an, unter anderem gegen den Nachbarn SC Velbert, der auf dem ersten Tabellenplatz der Landesliga steht. Wie lautet ihre Rechnung?

Ich schätze, dass man an die 34 Punkte für die Relegation brauchen wird. Daran sieht man ja schon, dass es unnormal wäre, sollten wir es noch schaffen. Also müssen wir auch von den nächsten drei Spielen mindestens zwei gewinnen. Wir schauen aber gar nicht so weit voraus, sondern stecken uns Miniziele. Das erste ist, den letzten Tabellenplatz zu verlassen. Cronenberg ist im Kommen, Kalkum ist konstant und gegen den SC ist immer alles möglich.

Zum Abschluss noch eine Frage: Glauben sie an das Wunder Klassenerhalt?

Wir werden kämpfen und alles dafür tun, den letzten Strohhalm noch zu ergreifen. Wir wissen, dass es eine Mammutaufgabe wird, doch die jüngste Serie hat uns neuen Mut gegeben. Nichtsdestotrotz müssen wir natürlich gewappnet sein und zweigleisig planen. Nach dieser Hinrunde wird uns keiner mehr ein Bein ausreißen, wenn wir es nicht schaffen.