SSVg: Blaue Löwen lieben schwarze Natascha

Fans und Spieler, links der junge Verteidiger Jakob Zumbé, hauten nach dem 2:1-Sieg der SSVg Velbert über Turu Düsseldorf auf die Pauke. Der Aufstieg ist fast perfekt.
Fans und Spieler, links der junge Verteidiger Jakob Zumbé, hauten nach dem 2:1-Sieg der SSVg Velbert über Turu Düsseldorf auf die Pauke. Der Aufstieg ist fast perfekt.
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Was wir bereits wissen
Bei der SSVg Velbert lassen Fans und Spieler die Wände wackeln. Dennoch nennt sich keiner bei der besten Mannschaft der Fußball-Oberliga vorzeitig Meister.

Velbert.. Das spielerische Niveau ist hoch, das literarische eher niedrig. Aber wenn die SSVg Velbert, die beste Mannschaft der Fußball-Oberliga, ihre Siege feiert, kommt es nicht mehr aufs Filigrane an, sondern dann geht es auch mal brachial und mit der Brechstange zu. Da wird dann zwar von einer Balalaika gesungen, aber dazu haut jemand auf die Pauke und ausgelassene Spieler besingen gemeinsam mit ihren Fans die schöne schwarze Natascha, die es zum Balalaika-Klang für die Nacht rumzukriegen gilt. Sie singen so laut, dass sie jede Ballermann-Party rocken würden.

Nach dem 2:1-Sieg der SSVg Velbert über Turu Düsseldorf steht der Aufstieg in die Regionalliga so gut wie fest. Ein einziger Punkt aus den verbleibenden drei Spielen muss noch her, dann gibt es rechnerisch keine Zweifel mehr. Aber schon nach dem Abpfiff des Turu-Spiels gab es kaum noch ein Halten.

Schwarze Natascha, nur du allein

Die Spieler feierten gemeinsam mit dem Fan-Club „Blaue Löwen“ in der Kurve den Sieg mit dem Humba-Humba-Tätäräh-Lied. In der Kabine drehte dann Torwart Marcel Grote die Musik-Anlage auf und während dröhnende Schlagermusik die Wände erzittern ließ, stürmten die Blauen Löwen kurzerhand den Laden. Mit Pauken und Siegesgesängen machten Spieler und Anhänger dann gemeinsam weiter. Als sie dann „Schwarze Natascha, nur du allein ...“ vom Stapel ließen, wackelte die Stadion-Gaststätte.

SSVg-Trainer André Pawlak hatte nach dem Spiel zugegeben, dass sich die augenblickliche Situation ein bisschen komisch anfühle: „So richtig als Meister komme ich mir noch nicht vor.“

Die Spontanparty seiner Spieler fühlte sich da schon anders an. „Aber das ist keine Aufstiegsfeier. Natürlich kann man es schon mal ein wenig krachen lassen. Aber nur intern! Wir sind noch nicht Meister und werden uns keineswegs vorzeitig so nennen“, sagt Teammanager Jens Klein. „Das ist eine Sache des Respekts.“ Fair und zurückhaltend auftreten, die Konkurrenten achten — so ist die SSVg in dieser Saison aufgetreten und so will sie es bis zum Schluss beibehalten.

Was dann heraus kommt, liegt eh schon auf der Hand. Drei Spieltage vor Saisonende hat die SSVg Velbert nicht nur neun Punkte Vorsprung vor dem Wuppertaler SV, sondern auch noch das bessere Torverhältnis: Plus 59 gegenüber plus 36 bei den Wuppertalern, die somit auch noch den Unterschied von 23 Toren aufholen müssten.

„Das heißt noch gar nichts. Jeder kann mal 16:0 oder so ähnlich verlieren“, meinte ein Zuschauer grinsend.

Tatsächlich könnte es sich die SSVg leisten, gar zweimal mit „16:0 oder so“ zu verlieren — wenn sie denn in ihrem dritten Spiel einen Punkt holt. Und falls der WSV noch irgendwo einen Punkt abgibt, dürfte die SSVg sogar alles verlieren.

Aber so, wie die Saison bislang gelaufen ist, dürfen sich die Fußballfreunde auf das verlassen, was Trainer André Pawlak sagt: „Das lassen wir uns nicht mehr nehmen.“ Seit 24 Spielen ist sein Team unbesiegt, in der Rückrunde hat es von bisher 14 Partien zwölf gewonnen.

Wer tatsächlich noch glaubt, dass die SSVg Velbert nicht in die Regionalliga aufsteigt, der glaubt auch, dass die Verehrer der Schwarzen Natascha ihrer Favoritin über die Balalaika-Nacht hinaus treu bleiben werden.