Im Spagat zwischen Entwicklung und Erfolg

Markus Hierling will die U23 der SSVg Velbert zum Klassenerhalt führen.
Markus Hierling will die U23 der SSVg Velbert zum Klassenerhalt führen.
Foto: Johannes Kruck
Was wir bereits wissen
WAZ-Interviewmit Markus Hierling, der seit dieser Saison die U23 der SSVg Velbert trainiert. Nach einer turbulenten Hinrunde wartet im neuen Jahr ein anstrengender Abstiegskampf auf seine Kicker

Velbert.. Während die erste Mannschaft der SSVg Velbert 02 in der Oberliga Niederrhein von Sieg zu Sieg eilt und ein heißer Aufstiegsaspirant ist, hat der Unterbau der Blau-Weißen in der Bezirksliga eine turbulente Hinrunde hinter sich. Momentan belegt man einen Mittelfeldplatz, doch der Schein trügt. WAZ-Fußballexperte Joachim Dünn spricht mit Trainer Markus Hierling über sein erstes Halbjahr am Berg und die schwierige Aufgabe in der Rückrunde.


Herr Hierling, ihr Team hat eine abwechslungsreiche Hinrunde gespielt. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Die Hinrunde kann man in drei Phasen aufteilen: Zunächst der furiose Start gegen Union Solingen, dann eine Niederlagenserie mit dem Tiefpunkt beim 1:6 gegen Heiligenhaus und danach haben wir uns wieder herangekämpft und stabilisiert.


Haben Sie eine Erklärung für die fehlende Konstanz ihrer Elf?
Bei den Niederlagen haben wir meist gut mitgehalten, auch gegen die Spitzenteams. Am Ende fehlte oft das nötige Glück. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass jetzt von mir als Trainer Entscheidungen gefordert waren, um die Wende herbeizuführen.


Welche Entscheidungen waren das?
In dieser kritischen Situation haben uns drei Spieler mitgeteilt, dass sie uns im Winter verlassen werden. Ich hatte das Gefühl, dass sie uns im Abstiegskampf nicht mehr helfen würden und so haben wir uns dann von allen dreien sofort getrennt.


Sie sind dann mit einer Rumpftruppe zum Kellerduell nach Hasten gefahren. Ein hohes Risiko, finden Sie nicht?
Ja, absolut. Es war klar, dass ich meinen Job los gewesen wäre, wenn wir da verloren hätten. Aber die Mannschaft hat es mir gedankt. Danach sind wir alle noch enger zusammengerückt. In der schweren Zeit war auch die Unterstützung durch meinen spielenden Co-Trainer Daniel Nigbur, unseren Kapitän Daniel Kneifel, unseren Teammanager Christian Köppen und unseren Betreuer Lukas Kokott unwahrscheinlich wertvoll. Mit 14 Feldspielern haben wir aus den letzten neun Spielen sechs Siege und ein Remis geholt.


Der Klassenerhalt war zu Saisonbeginn das Ziel. Mit den Leistungen sollte der Nicht-Abstieg reine Formsache sein, oder?
Definitiv nein. Wir werden bis zuletzt brutal gegen den Abstieg spielen. Die drei Punkte Vorsprung müssen wir mit allen Mitteln verteidigen. Nach den Abgängen von drei weiteren Akteuren stehen wir momentan mit nur noch elf Feldspielern da. Im Winter ist es schwer, neue Leute zu holen, denn die abgebenden Vereine fordern hohe Ablösesummen. Die werden wir nicht zahlen.
Sehen Sie sich angesichts des niedrigen Durchschnittsalters in der Truppe als Ausbildungstrainer oder ordnen Sie alles dem Erfolg unter?

Wir haben eine tolle U19 und der Jahrgang danach scheint noch stärker. Insofern müssen wir in diesem Übergangsjahr alles ausreizen, um die Klasse zu halten. Da kommt natürlich die Ausbildung manchmal ein wenig zu kurz. Trotzdem haben wir als Trainerteam die Aufgabe, die jungen Spieler sportlich und in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln.


Sehen Sie Ihre Zukunft eher als Trainer eines Nachwuchsteams oder einer ambitionierten 1. Mannschaft?
Der Spagat zwischen Entwicklung und Erfolg macht die Aufgabe interessant. Ich bin aber auch kein Karriereplaner. Das Fußballgeschäft ist sehr schnelllebig und am Ende kommt es, wie es kommt.