Güngör: Mannschaft war mein Baby

Trainer Mesut Güngör machte die SSVg Heiligenhaus fit für die Meisterschaft.
Trainer Mesut Güngör machte die SSVg Heiligenhaus fit für die Meisterschaft.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
WAZ-Interview mit Mesut Güngör, der als Tabellenführer bei der SSVg Heiligenhaus entlassen wurde, zum Aufstieg seiner Ex-Mannschaft.

Heiligenhaus.. Fast vier Monate ist es her, dass Mesut Güngör als Trainer der SSVg 09/12 Heiligenhaus entlassen wurde, obwohl er mit seiner Mannschaft mit einem komfortablen Vorsprung von sieben Punkten die Tabelle anführte. Letztlich führten Dissonanzen mit dem Vorstand des Klubs dazu, dass er den Aufstieg in die Landesliga nicht mehr als Verantwortlicher an der Seitenlinie erleben konnte. Der 44-jährige Coach gewährt im Gespräch mit der WAZ einen Einblick in seine Gefühlslage.

Hallo Herr Güngör, wie haben Sie den Aufstieg der SSVg 09/12 Heiligenhaus miterlebt?

Natürlich habe ich mit Interesse verfolgt, wie es dort weitergegangen ist, nachdem ich weg war. Und direkt nachdem der Aufstieg feststand, habe ich einige SMS von Spielern noch direkt aus Sudberg bekommen, die sich bei mir bedankt haben. Einer hat mir geschrieben: „Du könntest jetzt bei der Feier dabei sein.“

Hat Sie das nicht traurig gemacht?

Ich weiß nicht so genau, ob traurig das richtige Wort ist. Die Umstände haben das aus bekannten Gründen eben einfach nicht zugelassen. Der Stachel sitzt natürlich immer noch tief, da überwiegt eher die Enttäuschung. Aber natürlich habe ich mich mit der Mannschaft gefreut, denn das war ja mein Baby. Ich habe die Mannschaft aufgebaut und geformt. Ich habe versucht, den Spielern meine Mentalität zu übertragen. Ich will immer gewinnen und da ist es für mich eine Genugtuung, dass ich in den Jungs davon etwas wiedererkenne. Und die tolle Hinrunde kann uns sowieso niemand mehr nehmen. Dietmar Grabotin hat das Kind dann nach Hause geschaukelt.

Das hört sich an, als wenn das einfach für Ihren Nachfolger gewesen wäre.

Nein, keinesfalls. Grabo hat in einer Phase das Amt übernommen, als sehr viel Unruhe im Verein herrschte. Aber man hat sofort gemerkt, dass er ein Mann vom Fach ist, dem seine langjährige Profierfahrung zugutekommt. Er wusste genau, wo er die Hebel anzusetzen hat. Und dass er nach dem Aufstieg auch mich erwähnt hat, zeugt von menschlicher Größe, das spricht für ihn als Typ. Und bei mir führt es zu einer inneren Zufriedenheit, dass er meine Arbeit erfolgreich zu Ende geführt hat.

Haben Sie sich nach Ihrer Demission denn noch irgendwelche Spiele angesehen?

Nein, nur zu den Spielen meines zehnjährigen Sohnes, der beim SV Hösel spielt, bin ich seitdem gegangen. Ansonsten habe ich mich nirgendwo blicken lassen, denn ich wollte auch ein bisschen Abstand vom Fußball gewinnen. Und außerdem glaubt jeder, dass ich auf der Suche nach einem neuen Engagement bin, wenn ich irgendwo auftauche.

Gab es denn in der Zwischenzeit keine Anfragen oder Angebote von Vereinen?

Doch, einige Interessenten gab es schon, aber die kamen aus dem westfälischen Raum und da wäre mir der Aufwand zu groß gewesen. In meiner beruflichen Situation kann ich auch höchstens eine Bezirks- oder Landesligamannschaft trainieren und selbst das ist zeitlich schon kritisch. Wenn ich etwas übernehme, habe ich auch einen Riesenanspruch an mich. Ich will immer mehr tun als der Gegner. Aber meine Fußballpause hat ja auch ihre Vorteile

Welche sind das?

Erstmals fahre ich der üblichen Saisonvorbereitungszeit für vier Wochen in den Urlaub, das war doch sonst nie möglich. Und zuletzt war ich mit einigen Spielern von Union Velbert auf Mallorca. Die haben mich eingeladen, an ihrer Abschlussfahrt teilzunehmen.

Wann sieht man Sie denn wieder als Trainer an der Seitenlinie?

Vereine, die aufsteigen wollen, wissen, wo sie mich finden können. Es muss aber passen, auch zu meiner beruflichen Situation, denn der Job geht einfach vor. Ich will auch nicht gegen den Abstieg spielen, ich will immer nur siegen und oben mitspielen.