Box-Theater geht unter die Haut

Die Fäuste in die Luft: Andreas Kunz begeisterte die Zuschauer im Birther Sportpalast mit seiner packenden Darbietung als Freund von Rukeli Trollmann.
Die Fäuste in die Luft: Andreas Kunz begeisterte die Zuschauer im Birther Sportpalast mit seiner packenden Darbietung als Freund von Rukeli Trollmann.
Foto: Ulrich Bangert
Was wir bereits wissen
Birther Sportpalast wird so zur Theaterbühne: Andreas Kunz erzählt in einemeinstündigen Monolog die packende Geschichte des sinto-deutschen Boxers Rukeli Trollmann

Velbert.. Der Birther Sportpalast wurde für den Auschwitzgedenktag von der Turnhalle zur Bühne umfunktioniert: Einen Boxring, ein paar Stühle und ein einfaches Kostüm. Mehr braucht Schauspieler Andreas Kunz nicht, um die Geschichte des sinto-deutschen Boxers Johann Rukeli Trollmann, liebevoll Ruki genannt, zu erzählen.

Aufgrund seiner Abstammung hatte Trollmann einst in der NS-Zeit seinen DM-Titel verloren, später auch sein Leben. „Zigeunerboxer“ heißt des Stück, das in Kooperation mit dem Velberter Box-Club aufgeführt wurde.

Zuschauer nah am Geschehen

Die Zuschauer wurden direkt in der Halle auf Stühlen positioniert, so dass eine gewisse Nähe zum Darsteller entstand. Während des Theaterstückes sollten sie sogar immer wieder mit einbezogen werden. Kunz, der aus der Sicht von Rukis Freund Hans seine Erinnerung mit den Anwesenden teilt, steigt immer wieder aus dem Ring, setzt sich zwischen die Zuschauer oder stellt ihnen Fragen. Das Stück selbst ist sehr packend und reißt den Zuschauer mit in eine andere Zeit. Der Monolog ist zwar einfach erzählt und jeder kann ihm gut folgen, trotzdem ist das Thema alles andere als leichte Kost.

In Rukis Geschichte spielen Wut und Verrat sowie Freundschaft eine bedeutende Rolle. Besonders die Wut verleiht dem Stück eine gewisse Tiefe und schafft es, den Zuschauer zu berühren. Der gebürtige Kölner, der dieses Stück in den vergangenen zwei Jahren bereits 72 Mal aufgeführt hat, beherrscht seinen einstündigen Monolog perfekt und vermittelt den Inhalt authentisch.

„Ich kann mich persönlich mit der Thematik identifizieren und hatte sofort Anbindung an das Stück“, sagt der erfahrene Schauspieler und Familienvater. Das Gespräch, das der Darsteller im direkten Anschluss an die Vorstellung mit dem Publikum sucht, verlief in einer recht melancholischen Stimmung. Kunz erzählt, dass er selbst einen Onkel hatte, der führender NS-Offizier war. So sei er schon in seiner Kindheit mit der komplizierten Thematik konfrontiert worden. „Schon bevor ich gefragt wurde, ob ich dieses Stück spielen würde, interessierte mich die Biografie von Trollmann. Ich konnte also gar nicht anders als anzunehmen.“

Publikum ist begeistert

Die Zusammenarbeit der Westfälischen Familientheaters mit dem Velberter Boxclub ist ein voller Erfolg. Den Zuschauern hat die Aufführung sichtlich gefallen: „Andreas Kunz hat großartige Arbeit geleistet, mir hat das Theaterstück sehr gut gefallen und auch ich kann mich mit dem Thema durchaus identifizieren. Das Stück passt sehr gut in die heutige Zeit und hat mich wirklich berührt“, so Zuschauer Rolf Otterbeck.

Auch für Schulklassen ist das Stück bestens geeignet und stellt einen anschaulichen Einstieg in die Thematik des Nationalsozialismus dar. „Ich finde es immer wieder interessant, die unterschiedlichen Reaktionen der Jugendlichen und Erwachsenen zu beobachten“, so Kunz. Dabei versucht er die Atmosphäre stets familiär zu halten und tritt meist nicht vor mehr als 100 Gästen auf.