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NRW-LIGA: Sportfreunde...

Wieder eine gefühlte Niederlage

14.03.2010 | 22:23 Uhr
Wieder eine gefühlte Niederlage

Siegen. Fünf Minuten nach dem Abpfiff standen sie beisammen, Cheftrainer Rob Delahaije und „Co” Peter Nemeth und errechneten die Blitztabelle der NRW-Liga. Was wollten sie da Neues herausfinden?

Die Fakten sprechen derzeit gegen die Sportfreunde: Nach der wohl schwächsten Leistung in diesem Jahr, nach einem erneuten Remis, das auch Delahaije langsam „richtig nervt”, treten die Siegener auf der Stelle. Schlimmer noch. Nach praktisch keiner Torchance aus dem laufenden Spiel heraus war die Vorstellung in Schermbeck sogar ein klarer Rückschritt im Vergleich zu den vergangenen Partien gegen Tabellenführer Bielefeld II (0:0) und gegen Fortuna Köln (3:3). Seit nunmehr acht Spielen ohne Sieg und in acht Partien nur vier Punkte – da kommt unweigerlich das Wort Krise über die Lippen.

Müller: „Ich sage es

wie Rene´ Adler”

Und der „Chef” sparte nach der gefühlten Niederlage nicht mit Kritik. „Die Spieler müssen eine andere Mentalität an den Tag legen. Sie müssen so spielen, dass es heißt, ihr bekommt den Ball und das Tor nur über meine Leiche.” Der Holländer vermisste den letzten Siegeswillen, den holprigen Platz, die Windböen und die zwei dicken Regengüsse, all die äußeren Bedingungen wollte er nicht gelten lassen. Was ihn wohl am meisten erschreckt haben dürfte am Spiel seiner Mannschaft, das war die spielerische Hilflosigkeit gegen einen mehr als bieder agierenden Gegner, dessen Abwehrriegel keinerlei Siegener Aktionen zuließ.

Bezeichnend, dass dann auch noch das Sportfreunde-Tor zu 100 Prozent unter Mithilfe der Schermbecker zustande kam. Yves Ntungi Lupitu hatte an der Mittellinie mit einem unkontrollierten Rückpass den Seinen einen Bärendienst erwiesen, den Patzer nutzte Emrah Uzun aus, der auf seinen ehemaligen Spielkameraden, Christoph Müller, zueilte. Und der Ex-Siegener, dem schon mehrfach eine eklatante Schwäche in der Strafraumbeherrschung nachgesagt wurde, eilte völlig unorthodox aus seinem Kasten, sogar aus dem Strafraum – und kam gegen Emrah Uzun einen Schritt zu spät. Müller scheiterte mit dem Versuch einer Fußabwehr und Uzun schlenzte einen Kullerball flach ins Eck zur Siegener 1:0-Führung (39.).

Geht das Tor auf Müllers Kappe? „Sie haben es doch gesehen, was soll ich dazu sagen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als es mit den Worten von Torhüter Rene´ Adler [der Nationaltorhüter patzte ebenso im Spiel gegen Argentinien, Anm. d. R.] zu sagen: Wenn ich raus gehe, muss ich den Ball auch haben. Oder ich bleibe drin.” Hut ab, vor soviel Selbstkritik.

Und auch das zweite Tor des Tages fiel ein wenig unter Mithilfe des Torwarts, wenngleich Trainer Rob Delahaije seinen Torhüter aus der Schusslinie nahm: „So eine Flanke darf erst gar nicht passieren. Und dann darf da aus fünf, sechs Metern niemand so frei zum Kopfball kommen.”

Es war die 59. Spielminute, eine Situation, von der Rob Delahaije später sagte, „so etwas ist für eine Oberliga-Mannschaft unwürdig”. Eckball Jansen, Jorge Cerezo lässt ihm den Ball vor die Füße plumpsen, Jansen flankt erneut und dann steht sechs Meter vor dem Tor Nedim Djuliman, ein Spieler mit den Ausmaßen von Vitali Klitschko, völlig blank und köpft den Ball Richtung Siegener Tor. Torwart Pero Miletic bekommt die Finger dran, irgendwie sah der Ball von der Tribüne haltbar aus – und es stand zum Schrecken der Siegener 1:1.

Cartus und Jung

kamen spät

Aus dem Spiel heraus passierte kaum etwas – das Ge-gurke auf holprigem Rasen hatte keinen Sieger verdient. Eine Wende konnte auch Daniel Cartus, der unter der Woche im Krankenhaus mit einer Entzündung im Rachen behandelt wurde (Delahaije: „Er konnte kaum etwas essen, nur trinken”) nicht mehr herbeiführen und auch Manuel Jung, dessen Verletzungsmisere im Hinspiel gegen Schermbeck begann, fand keine Bindung mehr zu dem Kampfspiel. Und so wartet Siegen weiter auf den ersten Sieg unter dem Trainer-Duo Delahaije/Nemeth.

STIMMEN ZUM SPIEL

„Zwischen Siegen

und Schermbeck, da

liegen Welten”

Trainer Martin Stroetzel (SV Schermbeck): „Das Ergebnis geht in Ordnung. In der ersten Spielhälfte haben wir bewusst den Ballbesitz der Siegener zugelassen. Wir wussten, dass Siegen nicht mit einem Punkt zufrieden sein würde. Wir wollten den Gegner kommen lassen. Das hat bis zum dummen Gegentor gut gepasst. In den zweiten 45 Minuten haben wir es – wie Siegen auch – mit Flugbällen in die Spitze versucht. Ein Kombinationsspiel war auf dem Platz kaum möglich. Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, wir holen vier Punkte gegen Siegen, dann hätte ich sofort eingewilligt! Zwischen Siegen und uns liegen vom Anspruch her Welten.”

Trainer Rob Delahaije (SF Siegen): „In der ersten Halbzeit gönnte uns Schermbeck viel Ballbesitz, aber wir haben uns viel zu wenig Torchancen erarbeitet. Das 1:0 für uns ist durch einen Bock im Mittelfeld passiert und Emrah hat ein gutes Tor gemacht. In der Pause machst du die Jungs richtig heiß, dann gehst du raus auf den Platz und bekommst so ein Gegentor. Cerezo köpft den Ball nicht richtig weg, der Ball kommt wieder rein und dann kommt Schermbeck frei zum Kopfball. So ein Verhalten ist für die Oberliga unwürdig! Und dann haben wir in der Schlussminute noch Glück, dass der Freistoß vorbeifliegt. Sonst hätten wir jetzt gar nichts.”

Sebastian Huke (Spieler SF Siegen): „Wir führen wieder mit 1:0 und wieder bekommen wir bei einer Standardsituation das Gegentor. Was sollen wir machen, wir müssen jetzt weiterspielen und im Heimspiel gewinnen.”

Pero Miletic (Torhüter SF Siegen): „Es war ein Kampfspiel, das wussten wir vorher. Ein Punkt ist zu wenig, jetzt müssen wir drei Punkte gegen Sprockhövel holen, die sind jetzt Pflicht.” [Auf die Frage unserer Zeitung, wie denn der Ausgleichstreffer aus seiner Sicht gefallen ist:] „Was soll ich machen. Der köpft aus sieben Metern, vielleicht waren es noch weniger, direkt aufs Tor. Mit einem Reflex habe ich noch versucht, den Ball abzuwehren, aber ich konnte nicht schneller reagieren. Unser Fehler war, dass der aus so kurzer Entfernung zum Kopfball kommt. Ich denke nicht, dass ich an dem Gegentor etwas machen konnte!”

Christoph Müller (Torhüter SV Schermbeck): „Wir können mit dem Punkt sicher besser leben als Siegen - soviel steht fest.”

STATISTIK

SV Schermbeck 1

SF Siegen 1

SV Schermbeck: Christoph Müller – Stefan Zepanski, Savas Turhal, Yakup Köse (77. Sascha Siebert), Christof Konowski, Seyit Ersoy, Yves Ntungi Lupitu, Benedikt Jansen, Sandro Poch (46. Tuncay Turgut), Nedim Djuliman, Tim Woberschal.

SF Siegen: Pero Miletic – Serkan Dalman, Daniel Bogusz, Christian Schönwälder, Kerim Arslan – Anis Saidi, Jorge Cerezo (86. Daniel Cartus) – Matthew Dallman (74. Marius Jung), Julian Jakobs (65. Volkan Okumak) – Emrah Uzun, Sebastian Huke.

Tore: 0:1 Emrah Uzun (36.), 1:1 Nedim Djuliman (59.).

Schiedsrichter: Andreas Steffens (Mechernich)

Zuschauer: 200

Spielplan SF Siegen

Mittwoch, 17. März 2010

Viertelfinale Krombacher Pokal

TuS Erndtebrück - SF Siegen 19.00

Sonntag, 21. März 2010

SF Siegen - TSG Sprockhövel 15.00

Mittwoch, 24. März 2010

SF Siegen - Westf. Herne 19.30

Sonntag, 28. März 2010

VfB Speldorf - SF Siegen 15.00

Donnerstag, 1. April 2010

SSVg. VelbertS - SF Siegen 17.30

Montag, 5. April 2010

SF Siegen - Wattenscheid 15.00

Freitag, 9. April 2010

SC Wiedenbrück - SF Siegen 19.30

Sonntag, 18. April 2010

SF Siegen - Hammer SpVg. 15.00

Mittwoch, 21. April 2010

SF Siegen - SW Essen 19.00

Sonntag, 25. April 2010

Berg. Gladbach - SF Siegen 15.00

NRW-Liga-Statistik

28. Spieltag

FC Kleve - SSVg. Velbert 1:0 (1:0)

Tor: 1:0 Sowislo (35.). - Zuschauer: 650. - Bes. Vorkomnis: 5. Min. Rote Karte für Horsmann (Kleve) wegen Handspiels außerhalb des Strafraums.

SW Essen - Windeck 1:2 (0:1)

Tore: 0:1 D. Müller (31.), 0:2 D. Müller (48.), 1:2 Setzke (62.). - Zuschauer: 300.

RW Essen II - W. Herne 1:2 (0:1)

Tore: 0:1 Onucka (40.), 0:2 Ouro-Akpo (70.), 1:2 Wagner (84.). - Zuschauer: 300. - Bes. Vorkommnis: 80. Min. Rote Karte für Avci (Essen) wegen groben Foulspiels.

Sprockhövel - VfB Hüls 1:1 (0:0)

Tore: 1:0 Gülec (64.). 1:1 Dosedal (73.). - Zuschauer: 200.

Speldorf - B. Gladbach 1:0 (1:0)

Tor: 1:0 Güney (42.). - Zuschauer: 250.

Wiedenbrück - Duisburg II 2:1 (0:1)

Tore: 0:1 Pozder (16.), 1:1 Jansen (73., Foulelfmeter), 2:1 Oesterhelweg (90.+3). - Zuschauer: 350.

Wattenscheid - Hammer SpVg. 1:1 (0:0)

Tore: 1:0 Mi. Manske (65.), 1:1 Krug (83.). - Zuschauer: 280. - Bes. Vorkomnis: 90. Min. Gelb-Rote Karte für Wienecke (Wattenscheid) wegen Meckerns.

Frank Steinseifer

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