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Handball 3. Liga

Vom Jäger zum Gejagten

09.02.2012 | 20:09 Uhr
Vom Jäger zum Gejagten
Szene aus dem Hinspiel, das der TuS Ferndorf mit 23:33 gegen die HSG Varel-Friesland verlor: Jonas Faulenbach beim Sprungwurf – im Vordergrund die Leistungsträger der Friesen, Lukas Kalafut (l.) und Martins Libergs (r.). Archivfoto: Schaumann

Kreuztal.„Lemgo hat da natürlich einen unverzeihlichen Fehler gemacht und wenn man den macht, muss man mit den Konsequenzen rechnen. Die Tabelle spiegelt jetzt nicht mehr ganz das Sportliche der bisherigen Saison wider und stellt alles auf den Kopf, aber wir nehmen das gerne an. Vor allem haben wir jetzt vier Punkte Vorsprung auf die ganze Meute“, grinste Ferndorfs Michael Feldmann hinsichtlich der durch die Punktabzüge für Lemgo neuen Tabellenkonstellation.

Der Kapitän des neuen Tabellenführers über Nacht (wir berichteten) sieht zwischen der Rolle von Jäger und Gejagtem derweil keinen großen Unterschied. „Wir müssen sowieso mit hundert Prozent in ein Spiel gehen, um zu gewinnen. Wie es nicht funktioniert, haben wir im Hinspiel gegen Varel gesehen.“

Varel nach Pleitegegen Ahlener SGhochmotiviert

Varel ist so ein Wort, das eine der wenigen sehr unangenehmen Ferndorfer Erinnerungen an die Hinrunde auslöst, an den ersten Oktober nämlich. Da hatten die Nordsiegerländer im Heimspiel gegen die Friesen in der „Stählerwiese“ richtig einen auf den Deckel bekommen und in eigener Halle mit 23:33 (11:16) verloren.

Schreckgespenst Nummer eins für den TuS hieß damals Lukas Kalafut. Der Rückraumspieler der HSG traf im Hinspiel, wie er wollte, am Ende standen 14 Tore auf dem Konto des sprunggewaltigen Slowaken. „Varel hat eine ganz starke Abwehr gespielt, Kalafut hat alles getroffen, auch in Unterzahl“, erinnert sich Trainer Caslav Dincic an eine der deutlichsten Ferndorfer Heimniederlagen der letzten Jahre zurück. Auf die Frage, was im Rückspiel anders laufen müsse als im Hinspiel, sagte Dincic schlicht: „Alles.“

Während bei den Ferndorfern damals nichts, aber auch wirklich gar nichts funktionieren wollte, rührten die Gäste in ihrer Deckung Beton an – und vorne war es immer wieder Kalafut. Der 24-Jährige wird im Rückspiel am Samstagabend allerdings nicht auf dem Spielfeld stehen. Im November riss der Rückraum Linke der Friesen sich beim Auswärtsspiel in der Wilhelmshavener Nordfrost-Arena das vordere Kreuzband. „Sie haben trotzdem einen guten Kader“, sagte Dincic im Hinblick auf Spieler wie den 2,02 Meter großen Abwehrschrank Martins Libergs oder Rückraum Rechts Vaidis Dilkas.

Was dem Ex-Zweitligisten in der neuen Spielklasse bisher fehlte, ist die nötige Stabilität: Spitzenauftritten wie in der „Stählerwiese“ folgten absolute Katastrophenspiele – wie zuletzt bei der 28:31-Niederlage. Die erlitt das Team bei der Ahlener SG, ihres Zeichens abgeschlagenes Schlusslicht der 3. Liga West.

„Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen die Mannschaft nach der Niederlage in Ahlen ordentlich wachgerüttelt haben“, warf Dincic den Blick voraus.

„Wir denken immerin kleinen Päckchenvon Spielen“

Am Samstagabend ist Anpfiff in der Varel-Altjührdener Manfred-Schmidt-Sporthalle, die Ferndorfer dürften auf einen hochmotivierten Gegner treffen – zumal der TuS ja jetzt auf einmal der Gejagte Nummer eins ist. „Das kennen wir aus der vergangenen Saison, dass jedes Team heiß auf uns ist, das wird jetzt auch so sein. Ansonsten ändert es nichts, ob man Erster, Zweiter oder Dritter ist“, so Dincic.

Der Ferndorfer Trainer kann abgesehen von Mario Allendörfer alle Mann für die knapp 325 Kilometer lange Reise in den Bus bitten. Die Stimmung unter der Woche im Training versprühte Optimismus. Logisch eigentlich, wenn man an einem Wochenende acht Punkte auf den Spitzenreiter gut macht und dadurch auf einmal ganz oben steht. Damit das so bleibt, sind die Spieler angehalten, sich an die „Päckchen-Strategie“ von Caslav Dincic zu halten. „Wir beschäftigen uns nicht mit der Meisterschaft. Wir denken immer in kleinen Päckchen von Spielen. Wenn wir die nächsten vier Spiele gut überstehen, sind wir schon einen Schritt weiter“, so Dincic.

ZUM GEGNER

  • Das Hinspiel hat die HSG Varel-Friesland mit 33:23 in Ferndorf gewonnen.
  • Torgefährlichster Spieler war der Man mit der Rückennummer 8, Helge Janßen: Der 1,92 Meter große Kreisläufer erzielte acht Tore.
  • Das Auswärtsspiel am vergangenen Wochenende wurde für die HSG Varel zu einem Debakel: Mit 28:31 verlor das Team von Trainer Jörg Rademacher beim Tabellenletzten Ahlen.
  • Erfolgreichste Torschützen der HSG Varel-Friesland sind bisher Martins Libergs (98/9) und Lukas Kalafut (89/31).

Micha Sommer

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