Über weite Umwege zur Bronzemedaille

Ricarda Wied-Bernshausen beim Speerwurf.
Ricarda Wied-Bernshausen beim Speerwurf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es ist eine Medaillen-Premiere mit 54 Jahren. Die Speerwurf-Bronze-Plakette in der Klasse W55, die Ricarda-Wied Bernshausen am Samstag bei den Deutschen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften in Zittau (bei Görlitz) um den Hals gehängt bekam, war etwas ganz Besonderes für die Athletin der LG Wittgenstein.

Zittau..  „Ich habe mich gefreut, dass kann ich eigentlich gar nicht beschreiben“, sagt die LGW-Trainerin, die auf die Wurf- und Stoßdisziplinen spezialisiert ist und den 500-Gramm-Speer auf 24,15 Meter schleuderte: „Es war eine Überraschung für mich.“

In den vergangenen Jahren war die Bad Laaspherin Stammgast bei den nationalen Meisterschaften, für einen Podiumsplatz reichte es aber nie. „Dabei sein ist auch schön, es war aber auch immer ein Traum, mal eine Medaille zu gewinnen. Aber es ist schwierig, denn die Kraft nimmt ja ab“, erzählt Wied-Bernshausen, die über weite sportliche Umwege zu ihrem Erfolg kam.

Zum ersten Mal die Spikes geschnürt hat sie vor 40 Jahren. In ihrem Heimatdorf Feudingen stieg sie mit 14 Jahren beim TV vom Kunstturnen auf die Leichtathletik um und lernte unter Horst Bernshausen, der später ihr Schwiegervater wurde, das Laufen und Springen – vor allem aber das Werfen und Stoßen. Hier erwies sich die Lahntalerin als talentiert und brachte es auf passable Bestwerte: Über 11 Meter im Kugelstoßen, jeweils über 30 Meter mit dem Speer und dem Diskus. Für Teilnahmen an den „Deutschen“ reichte es aber nicht.

Als die Wittgensteinerin zum Studium nach Köln umzog, machte sie zunächst weiter, fand aber in der Domstadt keinen Anschluss an eine Gruppe und hörte mit 24 Jahren auf. Statt Speere und Kugeln warf Wied-Bernshausen in der Folge den Basketball. „Das hat mir großen Spaß gemacht und ich habe lange Zeit auch in der zweiten Liga gespielt.“

Von Tanja Treude animiert

Erst mit 40 kam die Sport- und Bio-Lehrerin zurück zur Leichtathletik – weil beim TV Laasphe Trainer gesucht wurden. Dazu, selbst wieder an Wettkämpfen teilzunehmen, musste Wied-Bernshausen erst überredet werden. „Tanja Treude hat damals mit mir trainiert, und mich dazu gebracht, mit ihr bei den Westdeutschen Winterwurfmeisterschaften mitzumachen.“

Der Diskuswurf fiel witterungsbedingt aus, doch nach dem Kugelstoß im Schneetreiben war die Laaspherin wieder Feuer und Flamme für die Leichtathletik, die ihr Disziplinen-Portfolio unverhofft sogar noch erweiterte. „Wir hatten damals einen Praktikanten bei uns an der Schule, der Hammerwurf gemacht hat, aber kein Ski fahren konnte“, erzählt Wied-Bernshausen, die einen Deal mit dem jungen Mann vereinbarte. Er lernte das Fahren auf den Brettern, sie den Hammerwurf in Ewersbach im Dietzhölztal.

Fit gemacht für ihre Erfolge hat sie sich zusammen mit ihren Schützlingen bei der LG Wittgenstein. Wenn sie mit Emilia Sureth, Anna Bamberger und Co. im Wabachstadion trainiert, steigt Wied-Bernshausen auch selbst in den Ring – und wird von ihren Schülerinnen korrigiert, wenn nötig.

Nicht mehr als drei Einheiten

„Das Training mit der Gruppe macht mir einen Heidenspaß“, so die 54-Jährige, die neben den zwei Einheiten im Stadion in manchen Wochen noch an Kraftgeräten im Studio arbeitet, als auf maximal drei Einheiten in der Woche kommt – ungesunder Ehrgeiz, der bei manchen Seniorensportlern zu beobachten ist, sieht anders aus.

Ohne Fleiß gab es den Preis aber nicht. Und die Medaille deshalb ein verdienter Lohn in einem würdigen Rahmen: „Das Ambiente, das der DLV, die Kampfrichter und die anderen Sportler in Zittau geschaffen haben, war ganz toll.“