TuS Ferndorf geht auf dem Zahnfleisch

Auf Julian Schneider, hier im Spiel gegen den VfL Gladbeck, dürfte angesichts der Personalknappheit in den kommenden Wochen und Monaten mehr Verantwortung zukommen.
Auf Julian Schneider, hier im Spiel gegen den VfL Gladbeck, dürfte angesichts der Personalknappheit in den kommenden Wochen und Monaten mehr Verantwortung zukommen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit dem Nachbarschaftsderby gegen die SG Schalksmühle-Halver startet der TuS Ferndorf am Freitag ins Handballjahr 2015. Allerdings beklagt TuS-Trainer Erik Wudtke ausgerechnet in diesem reizvollen und meist brinsanten Derby diverse Ausfälle.

Kreuztal..  Zumindest zwei der drei freien Wochen seit dem letzten Ligaspiel durften die Drittliga-Handballer des TuS Ferndorf genießen. Weihnachten, Jahreswechsel, Entspannen auf der Couch oder im Kurzurlaub, kein Mannschaftstraining, nur ab und zu ein verschwitztes T-Shirt nach absolviertem Individual-Trainingsplan. Erst am letzten Sonntag scharte Trainer Erik Wudtke seine Jungs zur ersten Trainingseinheit wieder um sich, um den Fokus auf das erste Spiel im neuen Jahr zu legen. Und das beschert dem Tabellenzweiten heute gleich ein richtig interessantes: Zu Gast ist nämlich der Südwestfalenrivale SG Schalksmühle-Halver (20 Uhr, Sporthalle Stählerwiese).

Allerdings: Ungetrübt ist die Vorfreude auf diese in den vergangenen Jahren meist spektakulären und hochwertigen Vergleiche mit dem Nachbarn und Erzrivalen aus dem Märkischen Kreis bei Wudtke nicht. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt der Kölner und blickt auf mehrere verletzte oder kranke Spieler. David Breuer, Tim Sartison und Niklas Weis werden dem Coach nicht nur gegen Schalksmühle-Halver, sondern auch in den kommenden Wochen, im Fall Weis sogar Monaten nicht zur Verfügung stehen. Rückraumspieler Simon Breuer und Linksaußen Daniel Mestrum durfte Wudtke in dieser Woche beim Training auch noch nicht begrüßen, weil sie erkrankt waren. Ihr Einsatz am Freitagabend wird sich kurzfristig entscheiden. Immerhin: Heider Thomas nutzte die belastungsfreie Zeit, um seine lädierte Schulter zu schonen. „Er ist inzwischen beschwerdefrei“, so Wudtke. Angesichts dieser dünnen Besetzung blieb Wudtke nichts anderes übrig, als im Training auf Akteure aus der zweiten Mannschaft zu bauen: „So konnten wir wenigstens ein Trainingsspiel absolvieren.“

Der Ferndorfer Übungsleiter sieht in der Personalknappheit aber auch einen positiven Aspekt: „Jetzt haben andere die Chance, sich in den Vordergrund zu spielen.“ Wudtke denkt da vor allem an einen Spieler wie Julian Schneider, der im bisherigen Saisonverlauf schon viele starke Auftritte hatte, wenn er eingewechselt wurde. „Julian ist im rechten Rückraum sogar unser letzter Strohhalm.“ Gegen Schalksmühle-Halver darf sich das Ferndorfer Eigengewächs auf deutlich mehr Spielanteile einstellen.

Das Häuflein der Aufrechten wird also mehr denn je an einem Strang ziehen müssen, um die SGSH in die Knie zu zwingen, sich für die Niederlage im Hinspiel zu rehabilitieren und Tabellenführer Hagen weiter unter Druck zu setzen. Und dann gibt Wudtke seiner Mannschaft noch eine Motivation mit auf den Weg: „Wir wollen in dieser Saison, egal wie sie endet, gegen keine Mannschaft zweimal verlieren!“ Das Hinspiel verlor Ferndorf nach Pausenführung am ersten Spieltag in Halver noch mit 27:30. „Uns mangelte es an der Torwurfeffektivität, während Schalksmühle in der zweiten Halbzeit alles gelungen ist“, erinnert sich Wudtke an die missglückte Saisonpremiere, der auch noch die Heimniederlage gegen Leichlingen folgte.

Seitdem hat Ferndorf aber zwölf Spiele in Serie gewonnen und sich neben Eintracht Hagen an der Tabellenspitze gemütlich eingerichtet. Schalksmühle-Halver rutschte derweil auf den siebten Platz ab.

An dieser neutralen Position misst Wudtke den Gegner allerdings nicht: „Wenn ich auf die Hauptakteure und das Geburtsdatum gucke, steckt da jede Menge Erfahrung drin. Die können an einem guten Tag jeden schlagen.“ Inzwischen spielen drei gebürtige Polen bei den Märkischen und sind alle Leistungsträger der Mannschaft von Dauer-Trainer Mathias Grasediek.