„Turnen ist für mich mehr als nur ein Sport“

Birkelbach..  Bei uns geht’s heute um die hohe Kunst des Turnens – und zwar mit Sprung, Schwung, Überschlag und vielem mehr. Bestens vertraut damit ist Bianca Saßmannshausen, Trainerin der Turnerinnen der Sportfreunde Birkelbach, die seit vier Jahren in der Oberliga vertreten sind und 2013 den Meistertitel holten.

Warum Kunstturnen, was fasziniert Sie an diesem Sport?

Turnen ist für mich viel mehr als nur ein Sport. Man hat nie sein Ziel erreicht, und das ist das Spannende: Kannst du eine Drehung, kannst du eine zweite lernen, jedes Element ist offen für mehr, man wird nie müde weiter zu machen. Und es macht großen Spaß für Körper und Geist.

Ist das Turnen für Sie eine „angeborene“ Leidenschaft und gab es irgendwann einen großen Moment der Erkenntnis, dass gerade diese Sportart Sie so fasziniert?

Ja, es ist wohl angeboren. Bei uns haben fast alle geturnt - Opa, Papa, Onkels. Schon mit vier, fünf Jahren stand für mich fest: Das ist mein Sport. Zu Hause bei uns wurden fast jeden Abend Möbelstücke verschoben, damit wir Platz hatten, um zu turnen. So manche Blumenvase meiner Mutter ging in die Brüche...

Für welche Vereine und unter welchen Trainern haben Sie geturnt?

Mit fünf Jahren habe ich angefangen für den TSV Aue-Wingeshausen zu turnen. Erst bei Ursula Kluczyn­ski, dann Heinz Dietze und Werner Scheffler, dann Christina Beitzel und Silvia Haßler, die auch heute noch meine Trainerin ist oder wie wir sie jetzt nennen: unser Senioren Coach.

Ohne Sport geht es einfach nicht. Wie kamen Sie zum Trainerjob bei den Sportfreunden Birkelbach?

Vor 27 Jahren bin ich nach Birkelbach gezogen und habe festgestellt, dass es für Mädchen kein großes Angebot im Sportverein gibt, und einfach gefragt, ob Interesse besteht, das Turnen anzubieten. Ich erinnere mich noch genau an die erste Trainingsstunde. Sechs Mädels saßen vor mir und schauten mich mit großen Augen an, eine davon war übrigens Sonja Schaar, die uns bis heute als Trainerin und Kampfrichterin erhalten geblieben ist.

Wo liegt für Sie als Trainerin die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung ist es, die Mädchen immer wieder zu motivieren und aufzubauen, jedes Kind nach seinen Möglichkeiten zu fördern, ohne dass es die Lust verliert (was nicht immer einfach ist, da in unserer Gesellschaft leider nur der erste zählt), darauf zu achten, dass das soziale Verhalten im Vordergrund steht, sie sich gegenseitig schätzen, den besseren akzeptieren, den schwächeren helfen - das alles finde ich schwieriger, wie letztendlich den Salto oder die Kippe beizubringen. Aber wenn all das stimmt, wird man am Ende mit einem guten Team belohnt, was enorm wichtig für Leistung und Erfolg ist.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Mannschaft?

Eigentlich das, was ich gerade gesagt habe. Meine Mädchen, egal ob erste oder zweite Mannschaft, haben all das sehr gut gelernt und begriffen. Nebenbei sind sie sehr ehrgeizig und fleißig und geben das auch schon an unsere Nachwuchsturnerinnen weiter, eben ein super Team und einfach nur toll.

In welcher Situation beim Wettkampf können Sie regelrecht ausflippen?

Eigentlich bin ich im Wettkampf ruhig. Ärger bringt nichts. Ich finde es sehr schlimm, wenn es nicht fair zugeht. Aber leider ist das schon mal so, wird halt nicht gemessen wie in der Leichtathletik zum Beispiel. Aber so geht es den anderen Mannschaften auch, es trifft eigentlich jeden mal. Für mich sollte der Beste oder die beste Mannschaft gewinnen und alles ist gut.

Mal abseits von Barren und Balken: Wenn Sie die ehrenamtliche Arbeit in Ihrem Verein betrachten, haben Sie größten Respekt vor…

...allen Menschen, die dazu beitragen, dass durch die Arbeit jedes einzelnen erst so etwas Erfolgreiches möglich ist. Einer alleine kann nichts erreichen.

Wünsch Dir ’was: An welcher Stelle könnte oder sollte der Sport in unserer Region besser gefördert werden?

Auch wenn es sich vielleicht verrückt anhört: Ich wünsche mir eine Kunstturnhalle in Wittgenstein für alle kunstturnenden Vereine. Das wäre einfach super! Von mir aus könnte eine alte Halle oder Scheune das Fundament dafür sein - wird wohl ein Traum bleiben.

Zum Schluss ein „Best of“: Was war für Sie bisher der schönste Moment Ihrer Sportler- bzw. Trainerkarriere?

Es gab wohl schon sehr viele schöne Momente. Das schönste in meiner Sportlerzeit war wohl mein erster Westfalenmeistertitel nach der Geburt meiner ersten Tochter 1991. Das war für mich so ein WOW - es geht doch noch, mit viel Ehrgeiz und Fleiß und Wille kannst du es schaffen. In meiner Trainerlaufbahn gab es viele tolle Momente. Wir hatten so viele Erfolge, egal wer und wie, aber wenn ich zurückblicke, ist es wohl gerade das, diese lange Zeit, die vielen Kinder, die gekommen und leider auch gegangen sind - das alles zu erleben war und ist einfach schön.